Dr.-Ing. Markus Preißinger (34) ist seit August neuer Leiter des Forschungszentrums Energie an der FH Vorarlberg und Inhaber der illwerke vkw Stiftungsprofessur für Energieeffizienz.

Ich bin im Allgäu, nur ca. 100 km von Dornbirn entfernt, aufgewachsen. Nach dem Abitur und einem Work&Travel-Aufenthalt in Australien habe ich angefangen, Umwelt- und Bioingenieurwissenschaften mit Schwerpunkt Energietechnik in Bayreuth zu studieren. Nach Abschluss des Studiums im Frühjahr 2009 folgte die Promotion am Lehrstuhl für Technische Thermodynamik und Transportprozesse. Mein Themengebiet war die „Stromerzeugung aus industrieller Abwärme“. Während dieser Zeit wurde ich Gruppenleiter am genannten Lehrstuhl und Geschäftsführer des Zentrums für Energietechnik, einer Forschungsstelle der Universität Bayreuth. 2014 habe ich dann auf dem Thema „Thermoökonomische Bewertung des Organic Rankine Cycles für die Stromerzeugung aus industrieller Abwärme“ promoviert. Auch nach der Promotion bin ich in Bayreuth geblieben und war Koordinator des Graduiertenkollegs „Energieautarke Gebäude“ und Verantwortlicher für das neue Forschungsgebäude des Zentrums für Energietechnik. Dabei galt es 1.300 m² Labor- und Bürofläche für 10 Mio. Euro zu planen.

Seit August bin ich nun hier an der FH Vorarlberg, d.h. 13 Jahre nach der „Auswanderung“ aus dem Allgäu 300 km Richtung Norden bin ich jetzt „zurück“ in heimischen und südlichen Gefilden, worüber sich auch meine Familie sehr freut.

Mein Forschungsgebiet

Während meiner Promotionszeit in Bayreuth war mein Forschungsthema der „Organic Rankine Cycle“, ein Dampfkraftprozess, der auf organischen Arbeitsmedien statt Wasser basiert. Der Clou des Prozesses ist es, dass man damit auch Niedertemperaturquellen zur Stromerzeugung nutzen kann, bei denen der Wasserdampfprozess an seine Grenzen stößt. Zum Beispiel die Geothermie oder wie bei mir, die industrielle Abwärme. Wieso ich das „cool“ finde: weil man damit die Energieeffizienz in der Industrie enorm verbessern kann und das Thema „Abwärme“, also plakativ gesprochen alles, was oben so aus dem Kamin rauskommt, energetisch (und auch ökonomisch) viel zu wertvoll ist, um es einfach „wegzuwerfen“. Leider wird das Thema Abwärmenutzung trotzdem noch viel zu stiefmütterlich behandelt.

Deswegen wird mich dieses Thema auch an der FH Vorarlberg beschäftigen. Denn thermische Energie (aus regenerativen Energien oder eben aus Abwärme) kann man nicht nur zur Stromerzeugung nutzen, sondern auch zur Aufbereitung von Wasser. Das kann einerseits die Entsalzung von Meerwasser sein (um auch Menschen in extrem trockenen Regionen mit Wasser zu versorgen), andererseits kann man das auch ganz klein und dezentral in Dörfern nutzen, die nur Zugang zu verunreinigtem, nicht aber zu sauberem Trinkwasser haben. Aber auch für Industrienationen werden Wasseraufbereitungsanlagen – insbesondere in Unternehmen – zukünftig wichtiger, weil neben der in den Medien allseits bekannten und gerne beschriebenen „Energieeffizienz“ zukünftig auch die „Wassereffizienz“ von Herstellungsprozessen bewertet werden wird. Beide Dinge können sogar kombiniert werden, indem man zum Beispiel mit ohnehin vorhandener Abwärme eine eigene Wasseraufbereitung betreibt (damit steigt die Energie- und die Wassereffizienz; somit passt das Thema auch gut zur „Energieautonomie Vorarlberg 2050“ und zu den Herausforderungen lokaler Unternehmen). Das Thema finde ich nicht nur „cool“, sondern auch „zukunftsweisend“ bzw. für viele Menschen auf dieser Welt sogar „lebensnotwendig“. Eine sichere, bezahlbare und umweltschonende Versorgung der Menschen mit Trinkwasser ist meiner Meinung nach DIE große Herausforderung der Zukunft. Nur wenn wir jetzt (wo wir noch Zeit haben), auf diesem Thema forschen, können wir in der Zukunft Kriege um Wasser verhindern. (Dass wir Kriege um Öl hatten, ist schlimm genug, diesen Fehler sollten wir beim Thema Wasser nicht wiederholen.)

Warum ich nach Vorarlberg gekommen bin?

Weil ich hier ein motiviertes und erfolgreiches Team am Forschungszentrum Energie übernehmen durfte, das schon jetzt auf zukunftsweisenden Themen arbeitet (Demand Side Management, Energiematerialien, alternative Brennstoffe) und noch viele Forschungsideen für die Zukunft hat. Zudem habe ich hier die Möglichkeit, mein Forschungsthema „Kombinierte Wasser- und Energiesysteme“ weiter zu bearbeiten. Mein Ziel ist es, gemeinsam mit meinem Team das Forschungszentrum weiter auszubauen, die FH Vorarlberg auf einzelnen Gebieten der Energieforschung national und international sichtbar zu machen und gemeinsam mit lokalen Unternehmen Lösungen für die Zukunft zu entwickeln. Was ich an der FH Vorarlberg auch schön finde: ich kann Forschung und Lehre perfekt verbinden. Da ich gerne Lehre mache, ist mir der direkte Kontakt zu den Studierenden sehr wichtig. Somit wollen wir als Forschungszentrum ein wichtiger Bestandteil in Forschung und Bildung für die Energieautonomie Vorarlberg 2050 sein.

Ein schöner Bericht über den 35-jährigen Allgäuer erschien auch am 8. Oktober 2017 in der Wochenzeitung NEUE am Sonntag. Zum Artikel

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