Babette Hebenstreit, Hochschullehrerin für Energietechnik und Energiewirtschaft, hat "quergedacht" für Thema Vorarlberg.

Ich bin Technikerin. TechnikerInnen sind meiner Meinung nach nicht besonders kreativ. Sie lernen sich an Regeln zu halten – die Gesetze der Naturwissenschaft – und diese als endgültig und unveränderbar anzusehen. Innovativ in der Technik bedeutet meist eine Idee umzusetzen. Ganz anders in Literatur und Film. Science Fiction bietet die Möglichkeit Ideen zu spinnen ohne sie auf Machbarkeit überprüfen zu müssen.

Zum Thema Energie (meinem Arbeitsbereich) interessiert mich, wie die heute energieintensivsten Bereiche - Transport, Wohnen, Ernährung – in 50 bis 100 Jahren aussehen könnten. Gibt es ein totales Verkehrschaos mit fliegenden „Autos“, verschicken wir intelligente Hologramme oder wird gebeamt wie bei Star Trek? Ernähren wir uns mittels Infusionen wie in Matrix? Produzieren unsere intelligenten Wohnungen die Nahrungsmittel automatisch, falls wir überhaupt noch in Wohnungen wohnen?

Darüber hinaus finde ich neue Gesellschaftsentwürfe überaus spannend. Viele Dystopien aber auch einige Utopien diskutieren mögliche Formen des Zusammenlebens von Anarchie bis Diktatur. Insbesondere die Entwürfe zur Mensch-Maschine-Interaktion geben zu denken. In uns eingebaute künstliche Intelligenz, Mensch-Tier-Kombination und andere Cyborgs tauchen auf bis sich die Dichotomie Mensch-Maschine auflöst.

Klingt alles ganz unmöglich? Das meiste vermutlich schon. Jules Verne ist jedoch ein gutes Beispiel wie schnell sich Science-Fiction in Realität wandeln kann – U-Boote und Weltreisen sind heute Stand der Technik. Für mich ist Science Fiction neben guter Unterhaltung Ideengeber für die Forschung und Anregung für Ethikdiskussionen – in welcher Welt wollen wir gerne leben? Danke an David Marusek, Ursula Le Guin, Greg Egan und viele andere für die Werke.

http://themavorarlberg.at/quergedacht/fuer-mehr-science-fiction-der-technik

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