Viele Betroffene können ein Lied davon singen: Nachtschichten sind anstrengend und stören den natürlichen Rhythmus des Körpers. Dennoch sind Nachtschichten für viele Berufsgruppen unumgänglich. Auch in den Bezirksleitstellen der Landespolizeidirektion Vorarlberg wird rund um die Uhr gearbeitet. Die Forschung an der FH Vorarlberg hilft, die biologische Uhr mit Licht zu steuern.

Umbau mit innovativer Lichtlösung

Um die Nachtschichten für das Polizeipersonal verträglicher zu machen, wurde beim Umbau der Leitstelle Bludenz das Forschungszentrum für Nutzerzentrierte Technologien der FH Vorarlberg eingebunden. Gemeinsam mit der Firma Zumtobel wurde eine dynamische Lichtlösung implementiert, die die biologische Wirksamkeit des Lichts nützt, um die innere Uhr der PolizistInnen zu steuern.

Produktion von Hormonen

"Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren mit dem Thema Licht und dessen Einfluss auf den Menschen“, erklärt der Leiter des Forschungszentrums, Professor Guido Kempter. „Licht ist der Hauptzeitgeber unserer biologischen Uhr. Es hemmt die Bildung des Schlaf-Hormons Melatonin im Gehirn und der Mensch ist wach. Bei Dunkelheit wird diese Hemmung aufgehoben und der Schlaf wird gefördert. Auch die Lichtfarbe spielt eine wichtige Rolle: Blaues Licht, dem Tageslicht ähnlich, aktiviert; bei rötlichem Licht findet diese Aktivierung nicht statt."

Mit Licht steuern

In Zusammenarbeit mit Unternehmen und namhaften europäischen Forschungsinstituten haben Guido Kempter und sein Team in den vergangenen Jahren den direkten Einfluss des Lichts auf die Physiologie des Menschen untersucht. "Wir haben geprüft, ob mit einer bestimmten Lichtstimmung ein gewünschter psychophysiologischer Zustand bei der anwesenden Person erreicht werden kann und diese Lichtstimmung weiter optimiert." Die Erkenntnisse der jahrelangen Forschungsarbeit werden heute in maßgeschneiderten Lichtlösungen umgesetzt.

Dosierung und richtige Farbe

Beim Umbau der Bezirkleitstellen hat das Forschungsteam der FH Vorarlberg die Aufgabe übernommen, die optimalen Lichtstimmungen für die Nachtschichten der PolizistInnen zu programmieren und im Zuge einer Pilotstudie die Lichtprogrammierung zu evaluieren.

Schlaf-wach-Zyklus verschieben

In der ersten Testphase wurde versucht, mit der entsprechenden Beleuchtungsstärke und Farbtemperatur den Schlaf-wach-Zyklus in Übereinstimmung mit der Nachtarbeitszeit (19:00 bis 6:00 Uhr) zu verschieben.

Natürlichen Rhythmus beibehalten

In der zweiten Phase wurde die Beleuchtungsstärke um Mitternacht verringert, die Farbtemperatur hingegen blieb konstant. Diese Variante wurden von den PolizistInnen deutlich besser bewertet: Das Polizeipersonal fühlte sich während der Nachtschicht viel wacher und aufmerksamer und konnte nach der Schichtarbeit wesentlich besser schlafen. Besonders signifikant war die Verbesserung bei MitarbeiterInnen über 50 Jahre.

Professor Kempter fasst das Ergebnis der Studie so zusammen: "Es hat sich gezeigt, dass es vorteilhafter ist, mit dem natürlichen circadianen Rhythmus zu arbeiten und für ausreichend stimulierendes Licht zum richtigen Zeitpunkt zu sorgen, statt den Schlaf-wach-Zyklus mit Reizüberflutung während der Nachtzeit künstlich zu verschieben."

 

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