Gemäß einer Studie des Forschungsinstituts für Freie Berufe der Wirtschaftsuniversität Wien liegt Österreich bezüglich der Ärztedichte pro Kopf nur im Mittelfeld der OECD-Staaten. Angebot und Nachfrage an Ärztinnen und Ärzten werden künftig weiter auseinanderklaffen. Österreichische Ärztekammern weisen auf erwartbare Engpässe v.a. deshalb verstärkt hin, da eine Pensionierungswelle in der Ärzteschaft zu erwarten ist, von der bis zum Jahr 2025 siebzig Prozent der praktischen Kassenärzte betroffen sein werden.

 

Dem zu erwartenden Mangel steht jedoch eine suboptimale Ausschöpfung von Ärztinnen für den Arbeitsmarkt entgegen. Laut Statistik Austria waren 2015 in Österreich 63,6% Männer und 36,4% Frauen als niedergelassene Ärzteschaft tätig. In Vorarlberg war das geschlechtsspezifische Missverhältnis sogar größer; die Quote betrug seinerzeit 73,2% zu 26,8%. Der Befund ist umso gravierender, als nämlich im Jahr 2015 von ca. 6.300 österreichischen Ärztinnen und Ärzten im Turnus 3.688 (58,5%) weiblich und 2.640 (41,9%) männlich waren. Somit fragt sich, welche Faktoren für einen gelingenden Berufseinstieg v.a. für Ärztinnen sprechen und welche diesen verhindern. Dieser Forschungsfrage ist die vorliegende Studie nachgegangen. In Kooperation mit Vorarlberger Ärztinnen und Ärzten sowie der Vorarlberger Ärztekammer wurde erstmals für Vorarlberg die Transition von Ärztinnen und Ärzten auf den Arbeitsmarkt nach ihrer Berufsausbildung untersucht. Gut ein Fünftel aller angeschriebenen Ärztinnen/Ärzte (Vollerhebung) beteiligte sich an der Studie, was methodische Rückschlüsse auf die Gesamtheit zulässt.

Die Studie konnte signifikante Unterschiede sowohl in Verläufen als auch in Bewertungen und sozio-demografischen Voraussetzungen beider Geschlechter darstellen. Wenngleich sich Vorarlberger Ärztinnen nicht in allen Merkmalen von ihren Berufskollegen unterscheiden, zeigen sich doch signifikante Abweichungen. Diese sind mit hoher Wahrscheinlichkeit auf beeinflussende geschlechtsspezifische individuelle, organisatorische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen zurückzuführen. Beispielsweise arbeiten Vorarlberger Ärztinnen seltener selbständig in eigener Praxis aber häufiger in medizinischen Teilzeitverhältnissen. Sie weisen seltener einer Facharztausbildung vor und sind nach ihrem Jus Practicandi häufiger nicht medizinisch tätig, üben häufiger eine Tätigkeit zu Hause aus und sind seltener in medizinischen Führungsrollen vertreten. –Über diese exemplarisch dargestellten Ergebnisse hinaus bietet die Studie weitere Ansatzpunkte, wie Berufseinstiege und Wiedereinstiege für Ärztinnen erleichtert werden können, um ihr spezifisches Humanpotential besser ausschöpfen zu können.

Mai 2018

Kontakt: Prof. (FH) Priv .Doz. Dr. Frederic Fredersdorf

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