Das Forschungsprojekt „Individuelle Konfiguration von AAL-Lösungen am Beispiel von Maßnahmen zur Verbesserung der Schlafqualität älterer Menschen“ der FH Vorarlberg, SAMINA und Vorderlandhus Röthis sorgt für einen besseren Schlaf bei älteren Menschen. In einer Gesellschaft mit steigender Lebenserwartung und laufend zunehmender Pflegebedürftigkeit gewinnt die Lebenswelt von Pflegeheim-Bewohnerinnen und -Bewohnern und ihre medizinisch-therapeutische und pflegerische Versorgung an Bedeutung. Dabei wird der Schlaf zu einem zentralen Element für das Wohlbefinden von Pflegeheimbewohner/innen.

Vorderlandhus Röthis

Vorderlandhus Röthis

Besserer Schlaf für ältere Menschen

Das Forschungsprojekt „Individuelle Konfiguration von AAL-Lösungen am Beispiel von Maßnahmen zur Verbesserung der Schlafqualität älterer Menschen“ der FH Vorarlberg, SAMINA und Vorderlandhus Röthis sorgt für einen besseren Schlaf bei älteren Menschen. In einer Gesellschaft mit steigender Lebenserwartung und laufend zunehmender Pflegebedürftigkeit gewinnt die Lebenswelt von Pflegeheim-Bewohnerinnen und -Bewohnern und ihre medizinisch-therapeutische und pflegerische Versorgung an Bedeutung. Dabei wird der Schlaf zu einem zentralen Element für das Wohlbefinden von Pflegeheimbewohner/innen.

Erholsamer Schlaf ist essenziell für Lebensqualität, Gesundheit und Wohlbefinden. Heute klagen bereits 80 % der Menschen über einen schlechten, gestörten, zu kurzen und damit nicht mehr erholsamen Schlaf. Diese Entwicklung macht auch vor Pflegeheimen nicht Halt, denn im Alter und im Krankheitsfall verschlechtert sich die Schlafqualität spürbar. Gerade in diesen Einrichtungen wird es daher zunehmend wichtiger, die tatsächlichen Ursachen von Schlafstörungen zu beheben, um auch einen ständig zunehmenden Schlafmittelkonsum entgegenzuwirken. 

Gemeinsames Forschungsprojekt
Genau mit diesem Thema beschäftigen sich seit 2017, im Rahmen des Forschungsprojekts, das Forschungszentrums Nutzerzentrierte Technologien (UCT Research) der FH Vorarlberg mit Prof. Dr. Guido Kempter, die Projekt-Partner Vorderlandhus Röthis (Sozialzentrum Lebensraum Vorderland) mit dem Geschäftsführer Mag. Erich Gruber und der Pflegedienstleitung Tanja Riedmann, sowie das Unternehmen SAMINA, Frastanz mit dem Gründer und Geschäftsführer Prof. Günther W. Amann-Jennson. Das Projektbudget liegt bei ca. 285.000 Euro und wird von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) gefördert. Das Forschungsprojekt Ende 2019 endgültig abgeschlossen sein.

Hightech und Natur sorgen für einen besseren Schlaf
Hinter der Bezeichnung AAL steht „Ambient Assisted Living“, sogenannte altersgerechte Assistenzsysteme. Diese Hightech-Systeme verfolgen das Ziel, die Aufrechterhaltung und die Steigerung der Lebensqualität älterer Menschen zu unterstützen. Für einen erholsamen Schlaf haben Beleuchtungs- und Raumklimafaktoren einen wesentlichen Einfluss. Hierbei greift Prof. Dr. Guido Kempter, gemeinsam mit seinem Team, auf eine langjährige Forschungserfahrung zurück. Das interdisziplinäre Forschungszentrum für nutzerzentrierte Technologien, an der FH Vorarlberg, wurde 2004 gegründet. Es vereint wissenschaftliche Disziplinen aus den Bereichen Technik, Design und Psychologie. Das Forschungszentrum entwickelt cyber-physische Systeme für den Alltagsgebrauch und hat es sich zum Ziel gesetzt, neuartige Schnittstellen zwischen Menschen und Technik zu schaffen. Dabei sind Assistenztechnologien, wie das AAL, einer von vier Forschungsschwerpunkten. 

Die Vorarlberger Firma SAMINA ist seit 30 Jahren mit der Schlafbiologie beschäftigt und hat eine Reihe von Schlaf-Gesund-Lösungen und Bio-Technologien im Sortiment. Dieses gemeinsame Knowhow wird in diesem Projekt zum Wohle der Bewohnerinnen und Bewohner vom Vorderlandhus in Röthis genutzt.

Innere Uhr spielt Rolle
Zahlreiche Studien zeigen auf, dass sich der Schlaf im Alter auf mehreren Ebenen messbar verschlechtern kann. Dabei spielt die zirkadiane Ebene, also unsere innere Uhr, eine bedeutende Rolle. Sie ist unter anderem für die zeitliche Verteilung des Schlafs innerhalb von 24 Stunden verantwortlich. Hier kommt es durch häufigeres Schlafen unter Tags, also „Nickerchen“, zu einem geringeren Schlafdruck abends. Dies kann zu Ein- und Durchschlafstörungen, oder zu frühem Erwachen führen. Außerdem verbringen Senior/innen während der Nacht viel mehr Zeit im Bett, ohne tatsächlich zu schlafen. Diese verminderte Schlafeffizienz kommt durch eine längere Einschlafzeit und leichteres nächtliches Erwachen zustande. Das nächtliche Erwachen, sogenannt Arousals, entsteht durch Abnahme der Tiefschlafstadien und kommt bei Älteren wesentlich häufiger vor als bei jungen Erwachsenen. Dies führt zu einer Abnahme des REM-Traum-Schlafanteils und öfters zum früheren Einsetzen der ersten REM-Traum-Phase, was sich vor allem psychisch-mental negativ auswirkt. Diese Schlafveränderungen lösen eine Vielzahl weiterer Einflussfaktoren aus. Dazu gehören Lärm, Lichtreize, Einfluss von elektromagnetischen Feldern, schlechtes Bettklima (frieren oder schwitzen), nicht passende Kopfkissen, Nebenwirkungen von Medikamenten oder soziale Faktoren wie veränderte Lebensumstände oder Verlust des Partners. 

Umsetzungen und Optimierungen
Mit Unterstützung von GF Mag. Erich Gruber und tatkräftigem Engagement der Pflegleiterin Tanja Riedmann haben die Teams von der FH Vorarlberg und von SAMINA die aktuelle Lage in Hinblick auf den Schlaf der Bewohnerinnen und Bewohner untersucht. Dabei wurden, neben Raumklima und Lichtmessungen, auch mögliche elektromagnetische Belastungen an den Schlafplätzen oder Bettklimafaktoren in vier Zimmern repräsentativ untersucht und mögliche Zusammenhänge mit der Schlafqualität hergestellt. In laufenden Meetings wurden dann Maßnahmen zur Verbesserung der schlafrelevanten Faktoren festgelegt. Im Jänner 2019 erfolgten in vier Zimmern des Vorderlandhuses entsprechende Umsetzungen und Optimierungen.

Schlafplatzumgebung wichtig
Einen ganz wesentlichen Einfluss auf die Schlafqualität und Regenerationsfähigkeit hat die Schlafplatzumgebung. Aus der Zellforschung und Zellbiologie ist bekannt, dass sich eine Zelle dann am besten entwickelt, wenn deren unmittelbare Umgebung soweit wie möglich natürlich ist. Die Firma SAMINA beschäftigt sich mit der Optimierung und Regulation des Schlafprozesses. Dieses Know-How macht sich auch die Sozialeinrichtung Vorderlandhus in Röthis zunutze. „Der Schlaf entwickelt sich aus wissenschaftlicher Sicht immer deutlicher zu einem 90 %-Faktor, das bedeutet, dass über 90 % unserer körperlich-geistig-emotionalen Gesundheit vom Schlaf abhängt“, bringt es SAMINA-Gründer Prof. Günther W. Amann-Jennson auf den Punkt. 

Pionierleistung
Damit zählt das Vorderlandhus zu den Pionieren, die sich neben vielen anderen Bereichen, speziell um den Schlaf ihrer Bewohnerinnen und Bewohnerinnen kümmern. Gemeinsam mit Pflegeleiterin Tanja Riedmann und dem Team von SAMINA wurden in einem ersten Schritt die Schlafplätze optimiert. Dazu der Geschäftsführer Mag. Erich Gruber: „Wir waren überrascht, dass diese getroffenen Maßnahmen, bereits innerhalb von 2-3 Nächten eine massive Verbesserung von Schlaf- und Erholungsqualität gebracht haben.“ Es erfolgen noch weitere Schritte mit dem Team von Prof. Dr. Guido Kempter von der FH Vorarlberg. „Diese Pionierleistung sollte auch ein Signal an die Öffentlichkeit und Politik sein, sich künftig auch in anderen Sozialeinrichtungen diesem Thema anzunehmen und von den Erfahrungen aus diesem Forschungsprojekt zu profitieren“, fasst Prof. Kempter die vorläufigen Ergebnisse zusammen. 

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