Die App „Fliehen vor dem Holocaust“ wurde von einem internationalen Jurygremium mit dem Worlddidac Award ausgezeichnet. Entwickelt wurde die Lern-App für Geschichte vom Forschungszentrum Nutzerzentrierte Technologien der FH Vorarlberg, der Pädagogischen Hochschule (PH) Luzern und erinnern.at, Institut für historisch-politische Bildung über Holocaust und Nationalsozialismus. Die Lern-App soll Jugendlichen das Thema Holocaust näherbringen. Die Verleihung des Awards wird am 7. November 2018 stattfinden.

Der internationale Worlddidac Award zeichnet innovative, pädagogisch sinnvolle und nachhaltige Produkte bzw. Lösungen im Bildungsbereich aus. „Es handelt sich bei der Geschichts-App um ein besonders lobenswertes Produkt, das für den Einsatz in Schulen überaus empfehlenswert ist“, schreibt die Jury über das Projekt.

In diesem Forschungsprojekt wurde eine App zum Thema "Fliehen vor dem Holocaust. Meine Begegnung mit Geflüchteten" entwickelt, die im Unterricht und in der Forschung Verwendung finden soll. Zielgruppe sind 14- bis 18-jährige SchülerInnen. „Bei der Entwicklung neuer Lerntools für diese Altersgruppe ist darauf zu achten, dass sie nahtlos in die Medienlandschaft dieser Zielgruppe integriert werden kann“, erklärt Prof. (FH) Dr. Guido Kempter, Leiter des Forschungszentrums Nutzerzentrierte Technologien an der FH Vorarlberg.

Geschichte reflektieren
Die App wurde gemeinsam mit der PH Luzern und _erinnern.at_ entwickelt und erschließt Jugendlichen über das Medium Film einen Zugang zu den historischen Erfahrungen. Im Zentrum stehen kurze Videointerviews mit Zeitzeugen des Holocaust. Fünf Personen erzählen ihre Erfahrungen auf der Flucht vor dem Nazi-Regime. Damit werden im Schulunterricht ausgewählte Lebensgeschichten ins Zentrum gerückt. Diese sollen die Jugendlichen dazu bewegen, eigene historische Erzählungen darüber zu generieren. „Ziel ist, das Erlernte in einer eigenen Geschichte zu erzählen und mit der Klasse zu reflektieren. Sie lernen Erinnerungen mit historischen Dokumenten zusammenzubringen sowie beide quellenkritisch zu betrachten“, erläutert Prof. Dr. Peter Gautschi von der PH Luzern.

Die App kann sowohl im Unterricht als auch in der Jugendarbeit oder individuell genutzt werden. Für Lehrpersonen steht ein informatives Handbuch bereit. Die Jugendlichen wählen eine Person aus, vertiefen einzelne sie interessierende Aspekte und erstellen ein persönliches Album ihrer Begegnung. Indem sie diese Ergebnisse jemandem mitteilen bzw. in der Klasse austauschen, lernen sie voneinander. 

 „Studien beweisen, dass Jugendliche gerne und gut mit Zeitzeugen-Videos und Apps lernen. Unsere App macht die Geschichten von Überlebenden des Holocaust für SchülerInnen zugänglich. Sie ermöglicht individuelles Lernen. Die App lädt zur Diskussion über Geschichte und Gegenwart ein. Die Digitalisierung des Lernens bietet viele Chancen für die historisch-politische Bildung“, so der Geschäftsführer von erinnern.at, Dr. Werner Dreier. Die App ist kostenlos im Playstore und App Store verfügbar.

In der Forschungsarbeit wird die Interaktion mit den Videointerviews und deren Auswirkung auf die Lernerfahrung untersucht. Finanziell unterstützt wurde die Erstellung der App durch das Eidgenössische Departement des Äußern, die schweizerische Stiftung Gamaraal, den Nationalfonds der Republik Österreich für die Opfer des Nationalsozialismus, das österreichische Bundesministerium für Bildung, die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft und die deutsche Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft. 

Mehr Informationen zum Projekt: www.erinnern.at/app-fliehen

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