Masterarbeit im Bereich "Soziale Arbeit" verknüpft Forschung mit der Praxis und schafft eine fundierte Basis für die Sozialplanung.

von li.: Prof.(FH) Dr. Erika Geser-Engleitner (FHV), Jürgen Hartmann (Amt der Vbg. Landesregierung, Abt. Kinder und Jugendhilfe), Claudia Kutzer BA, MA und Katharina Schuster BA, MA, Verfasserinnen der Masterarbeit.

Jugendwohnungslosigkeit ist auch in Vorarlberg ein Thema. Bisher gab es in diesem Bereich weder empirische Daten über ihre Lebenswelt noch einen Konsens, wie mit diesem sozialen Phänomen umgegangen werden soll. Daher haben sich die Verantwortlichen des Fachbereichs Kinder und Jugendhilfe der Vorarlberger Landesregierung mit diesem Thema an die FH Vorarlberg gewandt. In Form einer Masterarbeit haben Claudia Kutzer und Katharina Schuster unter der Betreuung von Professorin (FH) Dr. Erika Geser-Engleitner das Thema aufgegriffen und damit Pionierarbeit im Land geleistet. Sie verknüpfen Forschung mit der Praxis und schafften dadurch eine fundierte Basis für die Sozialplanung. Die Erkenntnisse wurden über hundert Interessierten aus öffentlichen und sozialen Institutionen vorgestellt.

Die beiden Studentinnen des Masterstudiengangs „Soziale Arbeit“ beschäftigten sich in ihrer Abschlussarbeit mit der Gestaltung der Lebenswelt von wohnungslosen Jugendlichen in Vorarlberg und sozialarbeiterischen Angeboten, die helfen, ihren Alltag zu bewältigen. Die Studentinnen haben Interviews mit Jugendlichen, eine Dokumentenanalyse von Konzepten von Einrichtungen für wohnungslose Jugendliche sowie eine Fokusgruppen-Diskussion mit ExpertInnen aus Vorarlberg durchgeführt.

Schlussfolgerung
Häufig ist die Gruppe der wohnungslosen Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen schon aufgrund ihres Herkunftssystems von starker Benachteiligung und Ausgrenzung betroffen. Die Jugendlichen können ihre Bedürfnisse nur schwer erfüllen, was zu psychischem Stress und Depressionen führt. Umso schlechter der gesundheitliche Zustand der Betroffenen ist, umso schwerer wird es, soziale Kontakte aufrecht zu erhalten, was zu sozialer Isolation führt. Zusätzliche Probleme bereiten materielle und finanzielle Unterversorgung des Haushaltes, Streit in der Familie oder Probleme in der Schule. Die Befragten berichteten, dass sie bei den Sozialisationsinstanzen auf Druck und Unverständnis stießen, worauf sie mit abweichendem Verhalten und Abwehr reagierten.

Strukturen anpassen
Streetwork ist eine wichtige Methode für die Soziale Arbeit. Es ermöglicht, die Betroffenen zu erreichen und zu stärken. Nur mit dem Vertrauen in sich selbst ist ein Weg aus der Exklusion und Stigmatisierung zu finden. Durch niederschwellige Anlaufstellen können sich Jugendliche geschützt mit Freunden treffen und sich Sozialarbeitenden annähern und gemeinsam nach Lösungsstrategien suchen. „Unbetreubare“ Kinder und Jugendliche, „Systemsprenger“ oder „nicht erreichbare KlientInnen“ gibt es nicht. Die Fehlersuche muss auf die institutionelle Ebene verlagert werden und Strukturen so angepasst werden, dass diese Heranwachsenden eine Chance auf eine gelingende Zukunft haben. Veränderung kann nur durch politische Arbeit und in Form von Veröffentlichungen, wie z. B. durch das Verfassen von Schattenberichten, ermöglicht werden.

Durch Lobbyarbeit und die Idee der „Verbündeten“ könnte Solidarität unter den marginalisierten Gruppen geschaffen werden, die eine grundlegende Veränderung in den Norm- und Wertvorstellungen innerhalb unserer Gesellschaft bewirkt. Zudem wäre ein fester Platz im Curriculum der Sozialen Arbeit sowie Weiter- und Fortbildung zur Thematik für Professionelle eine Möglichkeit, über Jugendwohnungslosigkeit zu informieren und Fachkräfte zu sensibilisieren.

 

 

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