In Österreich betreuen und pflegen ca. 116.000 Menschen zu Hause ein Familienmitglied mit Demenz. Damit verbundene Überbelastungen werden oft spät erkannt oder zu lange verdrängt und Entlastungsangebote werden nicht von allen Bevölkerungsgruppen ausreichend angenommen. Wenngleich viele Akteure in der Versorgungslandschaft Österreichs gute Arbeit leisten, tragen Sprachprobleme und Missverständnisse, Unkenntnis und fehlende Akzeptanz allzuoft dazu bei, dass die Menschen mit Demenz eine unzureichende, falsche oder gar keine Behandlung erhalten.

Zur Bewältigung der damit verbundenen soziotechnischen Herausforderungen verfolgt dieses Leitprojekt mit einem TeleCareHub einen sog. “Stepped Telecare” Ansatz. Damit gilt es technologiegestützte Angebote bereitzustellen, mit denen umgehend, evidenzbasiert und kultursensibel auf individuelle Veränderungen in diesen Situationen maßgeschneidert und ressourcenschonend mit zusätzlichen Pflege- und Betreuungsdienstleistungen reagiert wird. Eine umfassende und zielgruppenspezfische Kommunikationsstrategie wird erarbeitet und umgesetzt, um Menschen mit und ohne Migrationshintergrund möglichst früh zu erreichen. Ein vergleichender Technologieeinsatz in vier Bundesländern dient dazu, auch die Auswirkungen der föderalen Struktur auf die integrierte Versorgung von Menschen mit Demenz zu untersuchen. In einem gegenseitigen Lernprozess werden die regionalen Vor- und Nachteile herausgearbeitet.

In der Zukunftsperspektive von Telecare in Österreich wird eine “App auf Rezept” angestrebt. Es wird eine digitale Gesundheitsanwendung entwickelt und für die Zertifizierung als Medizinprodukt vorbereitet. Sie integriert bereits bestehende Telesysteme (z.B. Videokonsultation, Erinnerungs- und Rufsysteme, digital gesteuerte Aromapflege) und ergänzt diese auf Ebene der Bedienoberfläche durch neue endnutzer:innenorientierte Funktionen (z.B. Wirksamkeitsdarstellungen für Klient:innen und Instandhaltungsmanagement für Dienstleister:innen). Sie macht die Telesysteme für alle leichter bedienbar und stellt sie übersichtlich und auch für ältere Menschen verständlich dar. Das Konsortium stellt auch Erweiterungsmodule für andere Anbieter:innen von Telesystemen zur Verfügung (z.B. Emotionserkennung in der Videotelefonie, Frühdiagnose anhand von Tagesstrukturdaten, intelligente Entscheidungsalgorithmen für Interventionen).

Eine zweijährige wissenschaftliche Feldstudie strebt die Erbringung von Nachweisen für positive Versorgungseffekte und positive Auswirkungen auf die Gesundheit und Lebensqualität der Betroffenen an, die auf die neue digitale Gesundheitsanwendung zurückgeführt werden können. Durch Erkenntnisse aus der begleitenden Versorgungsforschung wird das Projektkonsortium Empfehlungen für die Entlastung von informellen Pflege- und Betreuungspersonen abgeben, Barrieren der Technikakzeptanz bei Menschen mit und ohne Migrationshintergrund identifizieren und Empfehlungen zum Abbau von Misstrauen gegenüber IKT-Lösungen ableiten. Alle Ergebnisse werden der Öffentlichkeit, den Sozial- und Gesundheitsdienstleister:innen und Telecare-Anbieter:innen auch nach Projektende über den TeleCareHub zur Verfügung gestellt.

Projektpartner
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck 
Fachhochschule Kärnten
Tirol Kliniken
Diakonie de La Tour
Gesellschaft für Gesundheit und Pflege 
Zentrum für MigrantInnen in Tirol
ESD GmbH
Intefox GmbH
FAWO GmbH
Salzburg Research Forschungsgesellschaft

Ansprechpartnerin
Katrin Paldán, katrin.paldan@fhv.at

 

 

Weiterführende Informationen

Projektwebsite Telecarehub

Folder Telecarehub

Telepflege für Menschen mit Demenz

Förderung
Das Projekt TeleCareHub wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie gefördert, die im Rahmen des FFG Förderprogramms benefit bereitgestellt werden. www.ffg.at

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