Ein würdevoller Umgang mit Probenentnahmen zu medizinischen Diagnosen

Ältere Menschen mit einer Harnwegsinfektion zeigen weniger Symptome als jüngere, obwohl eine Harnwegsinfektion größere Auswirkungen auf ihre Gesundheit hat, vor allem, wenn die Personen an Grunderkrankungen wie Demenz leiden. Daher ist es notwendig, eine Harnwegsinfektion durch die Diagnose einer Urinprobe frühzeitig zu erkennen. Viele ältere Menschen benötigen für die Abgabe der Urinprobe die Hilfe einer Pflegeperson. Der Vorgang des Urinierens kann bis zu einer Stunde dauern, vor allem, wenn die Person unter Inkontinenz leidet. Während dieser Zeit sitzt die betroffene Person auf der Toilette, wissend, dass auf die Urinprobe gewartet wird. Diese Prozedur ist für die Betroffenen unangenehm, unwürdig und mitunter auch schmerzhaft. Dies gilt auch für das Anlegen eines Katheters. 


Internationales Projekt Ucollect
Das internationale Konsortium (Forschungszentrum Nutzerzentrierte Technologien der FHV, Österreich; Texible GmbH, Österreich; Gemeinde Brønderslev, Dänemark; LifeSense Group B.V., Niederlande; Archipel Zorggroep, Niederlande) des Projekts Ucollect stellte sich die Aufgabe eine innovative und tragbare Lösung zum Sammeln von Urin (Ucollector) zu entwickeln. In neun Monaten wurde ein erster Prototyp designt und entwickelt, um den Proof of Concept zu erbringen. Integriert in den Ucollector ist auch ein Sensor, der erkennt, wann die für die Diagnostik erforderliche Menge an Urin gesammelt ist. Es wird dann eine Benachrichtigung über eine Smartphone-App an die Pflegeperson gesendet, so dass die Pflegeperson weiß, dass sie zu dem:der Senior:in zurückkehren kann, um den tragbaren Container zu entnehmen und die Probe für das Labor vorzubereiten (siehe Abbildung 1). Für die Pflegekräfte bedeutet ein solches Produkt eine Erleichterung in der Planung des Tagesablaufs. Vor allem jedoch bietet eine solche Lösung einen würdevollen Umgang für die betroffenen Personen und bewahrt sie vor unnötigen Schmerzen und Stress. Sie können sich frei bewegen und so unterstützt dieses Produkt die Mobilität und Selbstständigkeit der älteren Menschen.  


Erste Feldtests
Erste Feldtest fanden in Dänemark mit Seniorinnen der Kommune Brønderslev und in den Niederlanden mit Pflegekräften der Archipel Zorggroep statt (insgesamt 10 Personen). Es zeigte sich, dass noch einige Verbesserungen notwendig sind. So blieb der Ucollector nicht immer an der Position, wo er sein sollte, es gab mitunter Probleme mit der App und manchmal wurde nicht genügend Urin gesammelt. Die Laborauswertung der so gewonnenen Urinproben ergab teilweise eine Kontamination mit Haut- und Schleimhautbakterien in einer Größenordnung, wie sie auch bei der „herkömmlichen“ Methode vorkommt. Letzteres deutet darauf hin, dass die erforderliche Qualität der Urinprobe erreicht wird.
Insbesondere ist aber festzuhalten, dass alle Testpersonen den Ucollector als angenehm zum Tragen und als würdevollere Alternative zur herkömmlichen Methode empfanden. Auch die Pflegepersonen fanden die Handbarkeit des Prototyps als gut und konnten zudem konstruktive Verbesserungsvorschläge einbringen.


Weiteres Vorgehen
Während des Projekts Ucollect war es das Ziel den Proof of Concept zu erbringen. Dies konnte mit den primären Zielen, einen würdevollen Umgang mit der Erbringung einer Urinprobe, Erleichterung für die Pflegekräfte und erforderliche Qualität der Urinprobe, gezeigt werden. Die Probleme, die sich in den ersten Tests zeigten, können in der weiteren Entwicklung berücksichtigt und bearbeitet werden. 
Das Projekt endet Mitte Januar 2022, doch ein Folgeprojekt, in dem der Prototyp zur Marktreife entwickelt werden kann, wird bereits vom Konsortium anvisiert.
Ucollect wird im Rahmen des EU AAL Programms (http://www.aal-europe.eu/ ) durchgeführt und wird von FFG, Österreich, Innovation Fund Denmark, Dänemark und ZonMw, Niederlande gefördert.

Kontakt für interessierte Unternehmen:

Karin Trommelschläger, MSc
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

+43 5572 792 7307
karin.trommelschlaeger@fhv.at

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