Jeder kennt das: Hin und wieder gibt es Vorhaben im Leben, von denen weiß man: „Wenn ich das nicht mache, dann werde ich es später bereuen.“ So ging es Dorothee Simpfendörfer mit dem Wunsch, im Rahmen ihres Studiums ein Auslandssemester zu machen. Im Rückblick ist sich die Hörbranzerin sicher: „Hätte ich es nicht gemacht, würde ich einen solchen Auslandsaufenthalt im Nachhinein verklären. In der Realität habe ich eine tolle, bereichernde Auslandserfahrung machen können, aber auch sehr viele Herausforderungen meistern müssen.“

Im Vorfeld hatte sich die berufsbegleitend Studierende vor allem die Frage gestellt: „Darf ich so etwas als gute Mutter und liebende Partnerin überhaupt in Betracht ziehen?“ Als sie mit ihrem damals 8-jähriger Sohn darüber sprach, meinte dieser: „Ich würde schon mitkommen, aber in eine spanische Schule gehe ich nicht.“ Motiviert von dieser positiven, unproblematischen Reaktion sprach Dorothee Simpfendörfer auch mit ihrem Partner über dieses Thema. Er war ebenfalls einverstanden. Beflügelt von diesen positiven Rückmeldungen, fragte die in Hörbranz lebende Deutsche ihren Chef, ob sie Bildungskarenz nehmen könne. Wider Erwarten klappte auch das unkompliziert. Blieb nur noch die Schule ihres Sohnes. Dort hatte sie ein Gespräch mit der Direktorin, die ihr erklärte, dass sie eine vorübergehende Befreiung vom Anwesenheitsunterricht bei der BH beantragen würde. Die Mutter müsse dann aber sicherstellen, dass ihr Sohn den Schulstoff trotzdem lerne.

„Ich hatte mir so viele Sorgen gemacht, an einer dieser Hürden zu scheitern – und dann lief alles derart unproblematisch“, ist Dorothee Simpfendörfer noch heute erstaunt. 

Der eigentlichen Spanien-Aufenthalt

Die Studentin hatte online ein Privatzimmer gefunden, das eine spanische Familie vermietete. Die erste Zeit konnte der inzwischen 9-jährige Sohn bei der Familie bleiben, während Dorothee Simpfendörfer an die Uni ging. Später wollte sie sich dann vor Ort andere Betreuungsmöglichkeiten suchen. Das stellte sich jedoch als kaum machbar heraus. „Letztendlich musste mein Sohn dann regelmäßig mit an die Uni.“ Glücklicherweise lernten die beiden nach einiger Zeit eine Deutsche kennen, die in Valencia eine Ausbildung machte und einen Teil der Kinderbetreuung übernahm. „Parallel dazu haben wir auch eine andere Unterkunft bei einer älteren Dame gefunden, für die es OK war, wenn mein Sohn tagsüber mal eine Zeit lang alleine mit ihr in der Wohnung blieb.“

Mit diesen Möglichkeiten konnte Dorothee Simpfendörfer ihr Studium mit der Kinderbetreuung plus Home-Schooling unter einen Hut bringen. „Ich war allerdings kein einziges Mal auf irgendeiner Studentenparty o.ä. Dafür war ich auf Spielplätzen und habe dort mit den Leuten spanisch gesprochen.“ Auch in den Lehrveranstaltungen war das Leben für die studierende Mutter anders. „Die anderen Erasmus-Studierenden kannten sich aus WGs oder von Festen und taten sich dann auch zusammen, wenn Teams gebildet werden mussten. Dadurch bin ich meistens in rein spanischen Teams gelandet. Das war manchmal herausfordernd, aber natürlich auch ein Glück.“

Zweimal während dieser Zeit kam der Partner von Dorothee Simpfendörfer für eine Woche zu Besuch. „So sahen wir uns in diesen Monaten zwar nicht allzu viel, aber wenigstens doch.“

Zusammenfassend kann die Hörbranzerin sagen: „Die Verantwortung für ein Kind und die damit verbundenen zeitlichen Einschränkungen und Zusatzaufgaben haben dazu geführt, dass ich ein komplett anderes Erasmus-Studi-Leben geführt habe als üblich. Aber genau das ist ja das Tolle: Mein Sohn und ich haben zusammen eine ganz außergewöhnliche Zeit gemeistert. Wir haben eine absolut einmalige Erfahrung gemacht. Das kann uns keiner mehr nehmen.“

Den persönlichen Bericht von Dorothee Simpfendörfer mit mehr Details zu ihrem Auslandssemester finden Sie hier.

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