Landwirtschaft und Gestaltung, kann das zusammenpassen? Ja, kann es! Marcus Auchter zeigt mit seiner Masterarbeit, wie die Gestaltung technischer Interfaces einen Beitrag zur Optimierung von Arbeitsplätzen in der Agrartechnik leisten kann.

Seine Forschung im Rahmen des InterMedia Masterstudiums konzentriert sich auf die Interaktionsbeziehung zwischen landwirtschaftlichen Maschinen und ihren Bedienerinnen und Bedienern. Indem er über einen langen Zeitraum den Forschungsstand aufgearbeitet und die Bedürfnisse und Probleme der Traktorfahrerinnen und Traktorfahrer mittels Interviews, Softwareanalysen und Observationen begleitet hat, kann er heute das daraus entstandene Konzept für die mögliche Zukunft der Software solcher Maschinen evaluieren.

Traktoren und ihre Anbaugeräte sind aus der Landwirtschaft nicht mehr wegzudenken, wobei die Digitalisierung im letzten Jahrzehnt auch vor diesem Arbeitsmittel nicht Halt machte. Benutzungsschnittstellen in Traktoren werden immer komplizierter, die Funktionen und Anforderungen immer umfangreicher und das gesamte System dadurch immer komplexer. Dies führt dazu, dass viele Bedienerinnen und Bediener die meisten Funktionen ihrer Maschine gar nicht mehr kennen und einer hohen kognitiven Überlastung ausgesetzt sind – ein großes Problem für die Effizienz, die wichtigste Kennzahl in der Präzisionslandwirtschaft. Deshalb stellt Marcus Auchter ein Interface vor, das sich am benutzungs- und systemspezifischen Kontext orientiert. Das bedeutet, dass die Software per Sensorik und Datenanalytik kontinuierlich aus dem Umfeld dazu lernt und sich an äußere Einflüsse anpasst. Ein Ansatz, der in der Automobilbranche durch die Mobilisierung hoher Rechenleistung bereits Einzug gefunden hat.
Im Traktor kann dies also z. B. bedeuten, dass die Software der Traktorfahrerin oder dem Traktorfahrer vor der Bearbeitung eines bestimmten Feldes ein Jahr später im gleichen Zeitraum eine Routine für dieses Feld vorschlägt – um der Bedienerin oder dem Bediener die Arbeit bei Feinjustierungen abzunehmen. An höchster Stelle aller adaptiven Ausprägungen stehen dabei immer die Bedienerinnen und Bediener: Die Selbststeuerungsfähigkeit der Software darf nie dazu führen, dass diese ein Gefühl von fehlender Selbstbestimmtheit erfahren.

Derzeit führt Auchter iterative Usability Tests durch, bei denen das Konzept von den potentiellen Bedienerinnen und Bediener auf Herz und Nieren geprüft wird. Das Ziel ist die Ausarbeitung einer Designsystematik mit exemplarischer Visualisierung des Graphical User Interface anhand eines typischen Nutzungsszenarios. Im Bild ist der Testaufbau für Phase 1 der Usability Tests zu sehen. Hier wurde vor allem getestet, welche Eingabearten unter simulierten Arbeitsbedingungen (Schwankungen auf dem Feld, ermöglicht durch ein Sportgerät im Pferdeanhänger) als geeignet eingestuft und wie die erarbeitete Informationsarchitektur angenommen wird.

Gestaltung und Landwirtschaft ergänzen sich also sehr gut!

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