Andreas Reinberger
Ausgestaltet? Das Wechselspiel von Kunst und Medien

Welche Rolle spielen Medien für das Kunstverständnis einer Gesellschaft? Warum ist Kunst in den Medien nur noch ein »Spartenphänomen«? Welche Auswirkungen haben Medien auf die aktuelle Kunstszene?


Angst vor Bedeutungsverlust

Davon waren die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten in Deutschland in den 1960er- 1980er Jahren weit entfernt. Das ZDF hatte auf dem Lerchenberg in Mainz in den 70er Jahren ein 14-stöckiges Verwaltungsgebäude gebaut, in dessen Umfeld sich Kunst im öffentlichen Raum großräumig präsentieren konnte. Wie sich die Kunst im ZDF seitdem entwickelte und welche Bedeutung ein TV-Sender heute in oder neben den sozialen Medien hat, das schildert Andreas Reinberger in seinem Vortrag „Ausgestaltet? Das Wechselspiel von Kunst und Medien“.

Die Kunst im Fernsehen trug in den 70er Jahren entscheidend zu dem Selbstverständnis bei: Das Fernsehen selbst wurde als Kunst verstanden, das sich eben mit den Mitteln des elektronischen Mediums darstellte. Es wurden Produktionen gezeigt wie „Der Pott“ (1971) des Theaterregisseurs Peter Zadek oder der „TV-Buddha“ (1974) des Videokünstlers Nam June Paik. Aktuelle Kunsttendenzen wurden mit neue elektronischen Techniken verknüpft und es gab Raum zum Experimentieren.

In den 1990er Jahren sollte innovatives Printdesign ins Fernsehen übertragen werden – Colour coding hielt Einzug auf dem Bildschirm. Inzwischen waren Programme, in denen über Kunst diskutiert bzw. berichtet wurde, zum fixen Bestandteil geworden (Bücher-Sendung „Schrifttypen“ (3sat) oder „1000 Meisterwerke“ (WDR).

Das Zusammenspiel von Kunst und Medien änderte sich mit den Jahren dahingehend, dass in den 70er Jahren die Sendungsmacher gleichzeitig auch die Gestalter der Sendung bzw. Medienkünstler waren, während nun Künstler von außen eingekauft werden und ihnen die Konzeption einzelner Sendungen überlässt.

Andreas Reinberger machte deutlich, dass es zunehmend schwieriger ist, Kunst in den renommierten TV-Sendern zu platzieren. Der ZDF-Kultur-Kanal musste nach 5 Jahren Laufzeit in diesem Jahr seinen Betrieb einstellen. Als Mitdiskutant am Podium fügte Thomas Häusle vom Kunstraum Dornbirn hinzu, dass nur 1% der Bevölkerung sich für zeitgenössische Kunst interessiert und auch Künstler haben die Avantgardeposition verloren, weil es schwieriger, wird mit seinen Werken zu provozieren.

Das Medium Fernsehen unterliegt einem grundlegenden Wandel. In den Sozialen Medien kann jede und jeder eigene Filme machen und zeigen, aktuelle Berichterstattung ist nicht mehr das Monopol der großen Sendeanstalten. Diese Angst vor dem Bedeutungsverlust führt zu neuen Formaten wie z.B. die „Mediathek“, mit der die Zuschauer entscheiden, wann was angeschaut wird oder “funk“, eine Sendung, die über YouTube, Facebook & Co. veröffentlicht wird oder als App angeschaut werden kann. Die TV-Anstalten sind an einem Punkt der Umorientierung und Neudefinierung, inwieweit sie ihren Anspruch, gesellschaftlich verbindend zu sein, weiterhin gestalten können, werden wir sehen.

(Text: vfst, Fotos: afu)

Vortrag Andreas Reinberger
Vortrag Andreas Reinberger
Vortragender Andreas Reinberger
Vortragender Andreas Reinberger
Diskussionsrunde
Diskussionsrunde
Andreas Reinberger

Andreas Reinberger ist seit 30 Jahren als Gestalter für das Medium Fernsehen tätig, dort vornehmlich im Kulturbereich. Er betreute zahlreiche Designprojekte, startete und beendete einen jungen Kultursender und verantwortet in Kontinuität das Erscheinungsbild des Kultursenders 3sat.

www.3sat.de
www.zdfkultur.de

Vortrag: Ausgestaltet? Das Wechselspiel von Kunst und Medien

5. Dezember 2016
19 Uhr
Aula der FH Vorarlberg

Veranstaltungsreihe OpenIdea