Andreas Koller
Innovation meets Needs

Technologie ist die Antwort.
Aber was war die Frage?

Gestalter haben die Aufgabe, bestehende Situationen zu analysieren und Lösungen zu finden, um sie zu verbessern. Wie gestalten wir digitale Technologien so, damit wir tatsächliche Verbesserungen im alltäglichen Leben der Menschen bewirken? Wie können wir die Bedürfnisse, Wünsche und Emotionen der Menschen dabei miteinbeziehen? Lassen sich Brücken zwischen digitalen Technologien und multisensorischer menschlicher Wahrnehmung entwickeln? Wie verändern neue Technologien, wie künstliche Intelligenz und zunehmende Automatisierung die Anforderungen an GestalterInnen digitaler Medien?

Andreas Koller gab in seinem Vortrag einen spannenden Einblick in seine Herangehensweise als Interaction Designer und visueller Künstler bei verschiedensten Projekten in seiner sehr vielfältigen und noch jungen Laufbahn. Derzeit ist er in der Schweiz als Principal Visual UX Designer bei Logitech tätig und sein Weg führte z.B. auch über SONY und Skype.

Schon während dem MultiMediaArt Studium an der FH Salzburg gründete er das visuelle Netzwerk strukt, beschäftigte sich intensiv mit Grafikprogrammierung und live visuals oder interaktiven Installationen. Als um 2007 aus strukt eine Firma wurde, zählten Audi, der Standard oder Mercedes zu den Kunden der “jungen Wilden”, weil es nicht viele gab, die sich mit generativen Grafiken einen Namen gemacht hatten.

“Ein Thema, das sich immer durch meine Arbeit zieht ist die richtige Fragestellung zu finden. Die Technik ist dann immer nur Mittel zum Zweck”, meint Koller zu Beginn seines Vortrages. Er unterstreicht damit die Wichtigkeit eines guten und - soweit möglich - einfachen Konzeptes. Till Fuhrmeisters (FH Salzburg) Zitat: Idea is King - Concept is King Kong, begleite ihn dabei meistens auch schon immer. Aber um eine Sache einfach erklären zu können, müsse man sie auch richtig gut verstehen. Daher ist es wichtig, dass Gestalter keine Angst vor neuen Technologien oder Programmierung haben sollten. “Ich habe viel gemacht - in verschiedenste Bereiche hineingearbeitet. Nur durch Kombination kann Neues entstehen”. Gestalter sollen also Technologien mitentwickeln und nicht nur nutzen. Wichtig sei es aber, dass diese neuen Technologien vom Grundkonzept her den Menschen dienen sollen und nicht umgekehrt.

“Ein Thema, das sich immer durch meine Arbeit zieht ist die richtige Fragestellung zu finden. Die Technik ist dann immer nur Mittel zum Zweck.” 

Es war noch nie genau vorhersehbar, was eine neue Technik mit uns machen wird, wie sie wirklich verwendet werden wird und wie sehr sie uns kulturell verändert. Bei der digitalen Technologie sind wir laut Koller sowieso erst ganz am Anfang. “Momentan nutzen wir die digitale Technologie eigentlich gleich wie die analoge, weil wir das halt schon kennen. Aber eigentlich hat die digitale Technologie Potenziale, die wir noch gar nicht erahnen können. Die Möglichkeiten der digitalen Technologie sind kaum erforscht.”

Auf jeden Fall zählen Artificial Intelligenz (AI), Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) zu den großen Kommunikationstools der Gegenwart und nahen Zukunft. So wurden z.B. 2016 17 Millionen VR Headsets verkauft. Das ist mehr als beim iPhone im ersten Verkaufsjahr. Vielleicht ist die Qualität von Augmented Reality in ein paar Jahren so gut, dass Personen nicht mehr im gleichen Raum sein müssen um ein Gespräch oder eine Diskussion miteinander zu führen. Bis jetzt fühlte man sich z.B. bei 3D Spielen noch nicht in einer anderen Welt. Wir können nun immersive Welten schaffen - jetzt funktioniert das. Jetzt geht es darum die positiven Potentiale von VR oder AR zu erforschen und Visionen auszuprobieren. Wenn sich Kleinkinder VR Brillen aufsetzen können sie nicht mehr zwischen realer und virtueller Welt unterscheiden. Wenn diese Kinder 18 sind wird VR und AR überall sein. Die Fragen für Gestalter sind also: Was ist wichtig in dieser Welt? Wo sind die positiven Potentiale dieser neuen Technologie? Wenn AR komplett kommerzialisiert wird, dann wird diese Welt eine zu bunte und zu beeinflussbare werden. Was wird gezeigt, wer entscheidet das und wie viele zeige ich von mir selber?

In der anschließenden offenen Diskussion mit Intermedia Studiengangsleiter Markus Hanzer und Dominik Schindler von schindlercreations ging es hauptsächlich um die Zukunft der Designausbildung in diesen sich ständig ändernden Kommunikationsumfeldern. Laut Schindler geht es nicht mehr primär darum Dinge “hübsch zu machen”. Es geht vielmehr darum Zusammenhänge zu erkennen und neue Technologien zu nützen um das Leben der Menschen einfacher und besser zu machen. Dabei rückt das sichtbare Design immer mehr in den Hintergrund. Trotzdem sind es gute Zeiten für Designer. “Designer haben die seltene Fähigkeit sich Dinge vorstellen zu können”, sagt Schindler und hebt die Notwendigkeit von Designerinnen in Management Teams hervor. “Auch psychologische oder anthropologische Fragestellung gehören dazu. Es geht weniger um Form und Farbe, sondern wie verstehe ich und die anderen unsere Umwelt”, erklärt der renommierte Designer die Vorgehensweise in seinem internationalen Team.

(Text: egr, Fotos: afu)

www.andreaskoller.com
schindlercreations.com

Andreas Koller

Andreas Koller
Education: MultiMediaArt Salzburg / Royal College of Art London
Work: 2007–2012 Creative Director und Partner bei Strukt Design Studio / 2013–2015 Senior Interaction Designer bei Skype / 2015–2016 Senior Interaction Designer am EPFL+ECAL Lab / seit 2016 Principal Visual UX Designer bei Logitech
Unterricht: 2004–2012 Fachhochschule Salzburg / 2010–2012 Kunstuniversität Linz → www.andreaskoller.com

Vortrag: Innovation meets Needs

30. März 2017
19 Uhr
Aula der FH Vorarlberg

Vortragender Andreas Koller
Diskussionsrunde mit Dominic Schindler und Markus Hanzer

Veranstaltungsreihe OpenIdea