Kommunikationsgestalter, Unternehmensberater / Mediator, DFA zertifizierter Dynamic Facilitation Instructor.

Markus Götsch ist Mitglied des Center for Wise Democracy (wisedemocracy.org) und Dynamic Facilitation Associate (dynamicfacilitation.com), zudem im Kernteam von Dynamic Facilitation e.V (dynamicfacilitation.org) und Vorstand des Filmwerk Vorarlberg (filmwerkvorarlberg.at)

Nach seinem Studium der medialen Kommunikationsgestaltung (InterMedia) und einem Jahr als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FH-Vorarlberg brachte ihn der produktionstechnische Aufbau des partizipativen Fernsehprojektes Okto wieder in seine Heimat Wien. Parallel zu seiner Arbeit bei Okto setzte er seine akademische Laufbahn mit einem Master in TV- und Filmproduktion fort.

Ab 2010 kehrte er Wien wieder den Rücken. Zurück in Vorarlberg wartete abermals ein Auftrag Aufbauarbeit zu leisten. Diesmal als Prokurist für die Film- und Kommunikationsagentur Medienzoo. 

In den mehr als 10 Jahren in der TV- und Filmbranche – durchwegs in Leitungspositionen – beschäftigten ihn vor allem gruppendynamische Prozesse, Fragen des Leadership und damit einhergehend die sinnstiftenden Elemente der Arbeit. Durch eine Filmdoku für das Vorarlberger Büro für Zukunftsfragen kam er 2010 zum ersten Mal mit der transformativen Moderationsmethode Dynamic Facilitation in Kontakt.  Es sollte dann noch sieben weitere Jahre dauern, bis er in den USA bei Jim Rough, dem Erfinder von Dynamic Facilitation, ein zweijähriges Trainee-Programm zum Dynamic Facilitation-Instructor, abschließen würde. 

Heute ist Götsch Mediator (nach den Anforderungen des österreichischen Zivilrechtsmediationsgesetzes) und Unternehmensberater im Bereich Organisationsentwicklung und kombiniert die in dieser Arbeit entstehenden Geschichten mit der medialen Umsetzung in Form von Film und digitalen Erzählungen.

Ob in Organisationen, kleinen Unternehmen oder in der direkten Nachbarschaft – Beteiligungsprozesse zu gestalten, ist eine seiner Lieblingsaufgaben. Neben Methoden aus dem Art of Hosting wie Open Space, Design for Wiser Action oder World Café vertraut er dabei auf Elemente aus der Mediation und allen voran dem schon erwähnten Dynamic Facilitation.

– Creative Insight Councils mit Dynamic Facilitation
– Erneuerungsprozesse mit Bürger*innen-Räten mit Dynamic Facilitation
– Ideen reifen mit Projektschmieden
– den Boden für Partizipation aufbereiten mit Erzählcafés
– anstehende Fragestellungen im Team bearbeiten: Open Space

Bis Herbst 2019 forschte Götsch zudem an der FH Vorarlberg im Projekt »Gemeindekommunikation im 21. Jahrhundert«.

Mit seiner Arbeit unterstützt er Menschen in Krisen, Konflikten und bei vertrackten Problemen, diese Situationen aus eigenem Antrieb und kraft eigener Kreativität zu lösen. Geschieht dies in Gruppen entsteht ganz nebenbei immer auch eine sinnstiftende Erzählung über die gemeinsame Zukunft. Diese Zukunftsgeschichten sind Namensgeber für Markus Götschs Unternehmen »Narrativum«.

Generelle Infos über Markus Götsch und Narrativum
narrativum.eu

Tätigkeitsfelder für den öffentlichen Bereich
narrativum.eu/beteiligungsprozesse-erfolgreiche-partizipation/

Bürgerrat Berlin Schöneberg-Tempelhof (DF-Moderation)
www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/politik-und-verwaltung/gremien-und-ansprechpersonen/buerger-innenrat/mariendorf/

Bürgerrat Mobilität Vorarlberg (DF-Moderation)
vorarlberg.at/web/land-vorarlberg/contentdetailseite/-/asset_publisher/qA6AJ38txu0k/content/landesweiter-buergerrat-zum-mobilitaetskonzept-vorarlberg

Bürgerrat Landwirtschaft Vorarlberg (Dokumentation)
www.youtube.com/watch

Artikel in pm perspektive mediation
narrativum.eu/20190905/ueber-dynamic-facilitation-choice-creating-und-den-wisdom-council-buergerrat/

Artikel auf LinkedIn zu DF
frkm.eu/6ps

Infos über den Bürgerrat
narrativum.eu/buergerinnen-rat/

Seminarangebot – Dynamic Facilitation
frkm.eu/6pt


Über Dynamic Facilitation

Markus Götsch

Jim Rough hat mit dem Choice Creating-Ansatz das Kernstück von Dynamic Facilitation geprägt. Im Wisdom Council hat er eine weitere Anwendungsform entwickelt, die es ermöglicht, Dynamic Facilitation für beliebig große Gruppen zu skalieren.

Nehmen wir an, Dynamic Facilitation ist unser Betriebssystem. Dann ist Choice Creating ein Zustand höchster kollektiver Schaffenskraft, den wir mit Hilfe von Dynamic Facilitation erreichen können. Der Wisdom Council-Prozess ist wiederum ein Anwendungsbeispiel, mit dem sich Systeme einem nachhaltigen Wandel unterziehen können.

Unter Choice Creating, das sich sinngemäß nur sehr schlecht ins Deutsche übersetzen lässt, wird jenes Gespräch verstanden, in dem die Gedanken kreisen und nacheinander aufeinander aufbauen. Es kommt zu einem Punkt, an dem eine Person im Raum das formuliert, was formuliert werden will: eine Lösung, von allen akzeptiert, von allen nachvollziehbar, für alle relevant und daher sinnvoll. Im großen Unterschied zu einer Entscheidung für etwas und weg von etwas anderem entsteht diese Lösung generativ aus der Mitte der Runde. Zudem entsteht sie in Einmütigkeit.

Den Versuch, Choice Creating zu übersetzen, möchte ich an dieser Stelle dennoch wagen. Der Begriff der Wahlmöglichkeiten fällt aus, da hier das Entscheiden zwischen Optionen im Vordergrund steht. Statt „ja, aber...“ hören wir in einer Choice-Creative geprägten Konversation „ja genau, und...“. Es wird also nicht das Argument des anderen abgeschwächt, indem ich ein Gegenargument einbringe. Vielmehr bauen die Beiträge aufeinander auf und ermöglichen so die gemeinsame Arbeit an einer Lösung.

»Choice« entspricht in seinem Wortstamm am ehesten dem deutschen Wort Kür. Es sind also Lösungen, die erkoren wurden und dies aus unserer tiefsten Schaffenskraft – mit Kreativität, daher: Choice Creating. Da „Kreatives-Küren“ nicht unbedingt leicht von den Lippen geht und womöglich bei unseren Gesprächspartnern für Unverständnis sorgt, möchte ich diese andere Perspektive auf Choice Creating anbieten.

Die erste Phase einer Dynamic Facilitation-Session ist die Phase der „Reinigung“ (Purge). Es werden alle großen Emotionen, wie Wut, Frust, Mutlosigkeit und Angst benannt und auf den Flipcharts für alle sichtbar notiert. Hat eine Gruppe diesen Schritt hinter sich gelassen, dann kann es nach einem Moment der Stille zu einem Gespräch im Sinne des Choice Creating kommen. Der Dynamic Facilitator setzt dann für einen Moment seine bisherige Tätigkeit des empathischen Zuhörens, des Paraphrasierens und Spiegelns sowie des Mitschreibens aus und lässt das Gespräch unter den Teilnehmern zu. Nun kreisen die Gedanken. Dieser Raum, in dem mit Leichtigkeit alles gesagt werden kann, ohne bewertet zu werden, in dem ein Gedanke den nächsten beflügelt, dieser Raum der leichten Möglichkeiten, das ist Choice Creating.

 

Wisdom Council-Process

Hinter der Idee des Wisdom Council-Prozesses steht der Gedanke, ein System iterativ einem Veränderungsprozess zu unterziehen, damit dieses auch in Zeiten der Veränderung für die Menschen dienlich bleibt. Die Formate Wisdom Council (Bürgerrat) und Creative Insight Council ermöglichen Beteiligung auf allen Ebenen und können in Unternehmen, Organisationen, einer Gemeinschaft, in Kommunen oder Regionen, sogar auf der Ebene ganzer Nationen eingesetzt werden.

Zur Bürgerbeteiligung ist der Wisdom Council ein Format, mit dem eine Kommune oder ein ganzes Land eine zufällig ausgewählte Gruppe von Bürgern einlädt, während zwei Tagen an einer der großen gesellschaftlichen Fragen zu arbeiten. In seiner Urform ist die Frage von der Gruppe zu bestimmen.

Im Creative Insight Council geht man mit einer vorformulierten Frage in den Prozess. Ob Creative Insight Council oder Wisdom Council, beide Formate werden mit Dynamic Facilitation moderiert. In beiden Formaten arbeitet eine Gruppe an der Lösung scheinbar unlösbaren Probleme – den sogenannten »Wicked Problems«.

Die Idee des Wisdom Council-Prozesses besagt nun, dass sich ein System sukzessive nur dann nachhaltig zum Nutzen der Bürger und Bürgerinnen verändern lässt, wenn diese Form der Bürgerbeteiligung in regelmäßigen Abständen immer und immer wieder abgehalten wird.

Auch in Wirtschaftsunternehmen kann mit dem Wisdom Council gearbeitet werden. Ein Unternehmen betreibt damit aktive Resilienzarbeit, da es sich den Veränderungen am Markt fortlaufend unter Einbeziehung der eigenen Belegschaft anpasst und damit krisensicher aufstellt.