Schon seit den achtziger Jahren steht für Ruedi Baur seine Tätigkeit als Designer in engem Bezug zum öffentlichen Raum. Nachdem er zunächst als Grafikdesigner für diverse kulturelle Institutionen tätig war, stellt er in den neunziger Jahren an der École nationale des beaux-arts in Lyon einen fächerübergreifenden Studiengang auf die Beine, der sich mit Konzepten von Informationen im Raum beschäftigt, sowie ein Postgraduiertenprogramm mit dem Titel „Öffentliche Räume und Design“ („Espaces civiques et design“). Seither befasst er sich laufend mit dieser Thematik, sei es in seiner Arbeit in den verschiedenen Ateliers oder im Rahmen seiner Lehraufträge. Er bringt sich damit – oftmals Seite an Seite mit Architekten und Stadtplanern – in Problemstellungen zu Identifikation, Orientierung und Szenografie ein, die in einem größeren Kontext gesehen in die Repräsentation von Institutionen, urbanen Räumen und politischen Einrichtungen hineinspielen.

Mit der Forderung nach einem interdisziplinären Design gründet er 1989 das Netzwerk Intégral Concept sowie seine eigenen Ateliers, Intégral Ruedi Baur in Paris und Zürich, und verfolgt in diesem Sinne auch weiter seine Lehre an unterschiedlichen Einrichtungen wie der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo er zunächst Professor für „System Design“ ist, bevor man ihn dort zum Rektor ernennt. Heute unterrichtet und forscht er an der Kunsthochschule Genf (HEAD), an der École des arts décoratifs in Paris (ENSAD) sowie an der Universität Straßburg, wo er zudem ein von der Exzellenzinitiative der Universitäten (IdEx) gefördertes Forschungsprojekt zum Corporate Design der Universität unter den Schlagworten „Komplexe Identitäten, lesbar und verständlich“ leitete. Dort promovierte er außerdem zum Thema „Zwischen Identität und Identifikation – bürgerliche Werte in territorialen Repräsentationssystemen“. Überdies erhielt er den Ehrendoktortitel der Universität Laval, Québec. Des Weiteren lehrt und forscht er u.a. in China, Argentinien und Brasilien. Die Ergebnisse seiner Forschungen kann man in seinen Publikationen verfolgen, insbesondere in „Signs for Peace, an impossible visual Encyclopedia“ (Lars Müller, 2011), gemeinsam mit Vera Baur, sowie „Face au brand territorial“ (Lars Müller, 2013), zusammen mit Sébastien Thiery.

Heute betreut Ruedi Baur verschiedene Ateliers: HYPERLINK "http://www.irb-paris.eu/" \t "_blank" Intégral Ruedi Baur Paris, das Laboratoire Irb, ein Atelier für angewandte Forschung, das Design-Forschungsinstitut Civic City, sowie das „Junge Universitäts-Unternehmen“ (Jeune Entreprise Universitaire, JEU) Dix Milliards Humains, ein Institut für Entwicklungsforschung.

Unter den zahlreichen Projekten zu Leitsystemen, Firmendesigns und Szenografie, für die Baur verantwortlich zeichnet, bleiben einem unter seinen jüngsten Arbeiten vor allem das Design der Manifesta 11 in Erinnerung sowie die Beschilderung der New School in New York, des Flughafens Köln-Bonn oder des Flughafens Wien, wie auch „La Phrase“ („Der Satz“), ein urbanes Designprojekt in Mons, 2015 Kulturhauptstadt Europas, sowie die Szenographie des französischen Pavillons an der Buchmesse Frankfurt 2017. Zusammen mit dem Team von Intégral Paris hat er kürzlich das Fahrgastinformationssystem für die zukünftigen Metrolinien des Grand Paris Express (2022-2030) entworfen.

Seit 1992 ist Ruedi Baur Mitglied der AGI (Alliance Graphique Internationale).