Beschreibung einzelner Lerneinheiten (ECTS-Lehrveranstaltungsbeschreibungen) pro Semester

Studiengang: Master Betriebswirtschaft: International Marketing & Sales
Studiengangsart: FH-Masterstudiengang
Berufsbegleitend
Sommersemester 2021

Titel der Lehrveranstaltung / des Moduls Interpretationswerkstatt: Daten lesen, kodieren & auswerten
Kennzahl der Lehrveranstaltung / des Moduls 800101013800
Unterrichtssprache Deutsch
Art der Lehrveranstaltung (Pflichtfach, Wahlfach) Wahlfach
Semester in dem die Lehrveranstaltung angeboten wird Sommersemester 2021
Semesterwochenstunden 2
Studienjahr 2021
Niveau der Lehrveranstaltung / des Moduls laut Lehrplan 2. Zyklus (Master)
Anzahl der zugewiesenen ECTS-Credits 3
Name des/der Vortragenden Jonathan JANCSARY


Voraussetzungen und Begleitbedingungen

Keine. Interesse an qualitativer Sozialforschung sowie Textarbeit sinnvoll.


Lehrinhalte

Im 21. Jahrhundert werden Unmengen von Daten gesammelt und gehortet. So viel Zeit in die Datensammlung investiert wird, so wenig Zeit ist schlussendlich in den meisten Unternehmen und Forschungsprojekten vorhanden, um diese Daten auszuwerten, zu interpretieren und allgemein mit ihnen umgehen zu lernen.

Die Lehrveranstaltung „Interpretationswerkstatt: Daten lesen, kodieren & auswerten“ ist von der klassischen Methode der sozialwissenschaftlichen qualitativen Interviewauswertung (Grounded Theory, Objektive Hermeneutik) inspiriert, möchte aber darüber hinausgehen. Zwar arbeiten die Studentinnen und Studenten mit den beiden Dozenten konkret an Interviewmaterial, das sich mit sozialstaatlichen Transformationsprozessen aus Sicht der Leistungsbeziehenden auseinandersetzt – dieser thematische Fokus ergibt sich aus der beruflichen Praxis der beiden Lehrveranstaltungsleiter. Allerdings soll die Interpretationswerkstatt an diesem Punkt nicht stehen bleiben, sondern in einem zweiten Schritt aufzeigen, dass man mit den verschiedenen Methoden auch unterschiedlich komplexe Texte – nicht nur Interviews – kodieren und interpretieren kann – dies reicht von einem Text zur Bewerbung eines Produkts bis hin zur Erklärung einer neuen technischen Errungenschaft. Die Studierenden sind dabei – ganz inspiriert vom Derrida’schen assoziativen Denken – aufgefordert, selbständig zu überlegen, in welchem ihrer angestammten Bereiche die verschiedenen Methoden einsetzbar wären und diese im Seminar vorzustellen.

Die Lehrveranstaltung verfolgt in diesem Sinne strikt einen transdisziplinären Zugang, der sich dadurch ergibt, dass (sozialwissenschaftliche und philosophische) Methoden nicht nur auf deren angestammte Phänomene angewandt werden können, sondern auch neue und unerwartete Anwendungsweisen (sprich: eine Anwendung der Methodik auf zunächst scheinbar „nicht passende“ Phänomene) möglich sind.

Die „Interpretationswerkstatt“ ist somit zweigeteilt:

(a) Zunächst erfolgt eine Einführung in verschiedene Methoden und Auswertungsmöglichkeiten sowie ein konkretes und ausführliches Arbeiten an narrativen Interviews mit Bezieher*innen der so genannten „Mindestsicherung“ in Vorarlberg.

(b) Im letzten Drittel der Lehrveranstaltung sollen die gelernte Methodologie und der neue Blick auf fremde Phänomene (Texte aus dem eigenen Studienfach/-bereich) angewandt werden, um neue Erkenntnisse und Blickwinkel zu generieren.

Die Studierenden sind dementsprechend gemeinsam mit den Dozenten auch gefordert, in unterschiedliche Sprachwelten (Soziale Arbeit, wirtschaftliche Studiengänge, technische Studiengänge, et cetera) einzutauchen und zu versuchen, sich gemeinsam verständigen zu können.


Lernergebnisse

Als Lernergebnisse sind folgende Punkte vorgesehen:

(a) Die Studierenden erhalten einen fundierten Einblick in sprachphilosophische und sozialwissenschaftliche Überlegungen und Methoden zum Umgang mit und zur Auswertung von (Interview)Texten.

(b) Die Studierenden lernen, sich mit unterschiedlichen Textsorten auseinanderzusetzen und Interpretationsmethoden (Grounded Theory, Objektive Hermeneutik) anzuwenden. (Die Lehrveranstaltung fokussiert auf die Analyse und Interpretation von bereitgestellten Daten, die Studierenden müssen die Daten nicht eigenständig erheben.)

(c) Die Studierenden lernen perspektivisches Wahrnehmen, assoziatives Denken und die Fähigkeit, zu erkennen, wie durch die Anwendung unterschiedlicher Methoden und Zugänge das jeweilige Ergebnis beeinflusst wird. Dass die Forschungsfrage und die Methode das Ergebnis der Forschung (mit)determinieren, wird praktisch und anschaulich erfahren.

(d) Die Studierenden erhalten Einblick in die aktuelle politische Diskussion um die sozialstaatlichen Veränderungsprozesse in Österreich, anhand des Beispiels der „Mindestsicherung“ beziehungsweise der „Sozialhilfe NEU“.

(e) Die Studierenden erhalten Einblicke in transdisziplinäres Arbeiten und erkennen Bereicherungen sowie Schwierigkeiten, die solche Zugänge mit sich bringen.

(f) Die Studierenden arbeiten an einem soziologischen Thema, lernen aber Methoden und Prämissen kennen, die keinesfalls nur auf sozialwissenschaftliche Interviews und Forschung anwendbar sind. Dementsprechend wird in der Lehrveranstaltung genügend Raum gegeben, um sich auch mit Texten und Schriftstücken des eigenen Studienfachs/-bereichs vertiefend auseinanderzusetzen. Die Arbeit an und mit Texten sowie ein besseres Verständnis von Sprache und möglichen Interpretationen von Texten sind in (fast) allen Berufssparten und Positionen hilfreich.


Geplante Lernaktivitäten und Lehrmethoden

Impulsvorträge, individuelles Arbeiten sowie Gruppenarbeit an Interviews, Interpretieren im Plenum


Prüfungsmethode und Beurteilungskriterien

Im Format QUER-denken erstellen die Studierende eigenständige Werkarbeiten, die der Hochschule zur Verfügung stehen.

Beurteilt werden

__das eigene Werk,

__Auswertungsprotokolle von Interviews sowie

__ein zwei- bis vierseitiger individueller Reflexionsbericht.


Kommentar

Keiner


Empfohlene Fachliteratur und andere Lernressourcen

Die unten angeführte Fachliteratur ist nicht verpflichtend zu lesen, sondern wird im Laufe des Seminars sowohl in die Impulsvorträge des Referenten als auch im Sinne einer „Arbeitsanleitung“ für die Textauswertung einfließen:

Brügger, Niels & Vigsø, Orla (2008): Strukturalismus. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag.

Charmaz, Kathy (2014, 2nd Edition): Constructing Grounded Theory. London: Sage Publications.

Derrida, Jacques (1976): Die Schrift und die Differenz. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag.

Flick, Uwe (2018, 2nd Edition): Doing Grounded Theory. London: SAGE Publication.

Garz, Detlef & Kraimer, Klaus [Hrsg.] (2016, 3. Auflage): Die Welt als Text – Theorie, Kritik und Praxis der objektiven Hermeneutik. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag.

Strauss, Anselm & Corbin, Juliet (1996): Grounded Theory – Grundlagen qualitativer Sozialforschung. Weinheim: Beltz.

Strübing, Jörg (2014): Grounded Theory – Zur sozialtheoretischen und epistemologischen Fundierung eines pragmatischen Forschungsstils. Wiesbaden: Springer VS.

Wernet, Andreas (2009, 3. Auflage): Einführung in die Interpretationstechnik der Objektiven Hermeneutik. Wiesbaden: VS Verlag.


Art der Vermittlung

Präsenzveranstaltung mit Anwesenheitspflicht