Artificial Design

Artificial Design Symposium
15. Mai 2019, 9.00 - 18.00
Terminal V, Wolfurterstraße 15, 6923 Lauterach

Ein Symposium der FH Vorarlberg / Fachbereich Gestaltung / InterMedia in Zusammenarbeit mit der Hefel Immobiliengruppe

Ziel der Veranstaltung ist es, den inhaltlichen Diskurs zwischen Entscheidungsträgern des Landes Vorarlberg und der FH Vorarlberg zu fördern. Zur Diskussion stehen diesmal die Auswirkungen aktueller technologischer Entwicklungen auf gestalterische und kommunikative Prozesse.

»Künstliche Intelligenz« – genauer gesagt Systeme, die auf maschinellem Lernen basieren – bilden die Basis vieler Produkte und Services, die wir bereits heute tagtäglich nutzen. Speziell für die Bereiche Gestaltung und Kommunikation ergeben sich angesichts der rapiden Weiterentwicklung von intelligenten Softwarelösungen gravierende Veränderungen.

Begonnen haben diese Entwicklungen mit der Übersetzung von Daten, Texten, Bildern und Tönen in digitale Files. Diese ließen sich in weiterer Folge durch eine wachsende Anzahl von Programmen bearbeiten, übertragen und vernetzen. Immer mehr Sensoren, im Zusammenspiel mit »selbstlernenden« Systemen, haben zum Entsehen einer umfassenden und weltumspannenden eigenen Datenwelt geführt, die sich heute nicht nur immer tiefer mit unserer alltäglichen Erfahrungswelt verwebt, sondern auch inzwischen beginnt, so etwas wie ein »Eigenleben« zu führen.

Ein Beispiel für die immer nahtlosere Verbindung von analoger und digitaler Realität sind die Illustrationen in diesem Programmüberblick. Sie zeigen 3D-Modelle http://sketchfab.com, die mittels eines Renderprogramms wieder in realitätsnahe Bilder verwandelt wurden. Welche Gestaltungsspielräume ergeben sich aus diesen technologischen Entwicklungen? Werden die Optionen der Menschen ihr Leben zu gestalten dadurch ausgeweitet oder eingeengt? Welche Chancen und Risiken ergeben sich für Unternehmen und Institutionen? 

Artificial Design

Facts

15. Mai 2019
9.00 - 18.00 Uhr
Terminal V, Wolfurterstraße 15, 6923 Lauterach

Anmeldung

Die Veranstaltung findet in einem exklusiven Rahmen statt und die verfügbaren Plätze sind auf 40 Personen limitiert.

Daher bitten wir Sie, sich ehestmöglich bei hannelore.nagel@fhv.at anzumelden.


Artificial Design - 15. Mai 2019

9:00 Begrüßung
Panel #1
Panel eins konzentriert sich auf Anwendungsfelder von selbstlernenden Systemen in verschiedenen Gestaltungskontexten.

09:15 – 10:00 / Keynote 1 (45 min)
Karel Golta Auswirkungen von Automatisierung und KI auf Unternehmensrealitäten
Den Auftakt des Symposiums bildet die Keynote Speech von Karel Golta. Der international anerkannte Designer und Innovationsberater ist Inhaber und Managing Director bei Indeed Innovation in Hamburg. Davor war er als Senior Designer bei Thomson in den USA, Paris und Hongkong, als strategischer Designer bei Razorfish und Leiter Vorstandsmitglied bei der Solutions AG tätig. Karel Golta gilt als Experte für Innovationsforschung und -entwicklung und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Abschätzung der Folgen von »künstlicher Intelligenz« für den Design Bereich. Der digitale Wandel ist in vollem Gange, wobei dessen Höhepunkt noch bevorsteht. Welche Rolle dabei zukünftig Design spielen wird, gilt als zentrale Frage. In seinem Vortrag zeigt Karel Golta, inwiefern Design als Innovationstreiber betrachtet werden und Unternehmen dabei unterstützen kann, technologischen Herausforde-rungen wie dem Internet of Things (IoT), Robotik und KI erfolgreich zu begegnen. Das IoT stellt eine neue Umgebung dar, in der sich Marken etablieren und neue Produkte anbieten lassen. Durch sein menschorientiertes Wertesystem kann Design Authentizität und Relevanz gewährleisten, wodurch es Marken mit Bedeutung auflädt. Zudem ist die Design Community gefragt, ethische Grundregeln bezüglich KI und Robotik zu entwickeln.
www.indeed-innovation.com

10:10 – 11:40 (30 min)
Michael Katzlberger
Kann künstliche Intelligenz kreativ sein?
Mit Michael Katzlberger konnte ein Pionier, was den Einsatz von KI im Rahmen der Entwicklung innovativer Werbeformen betrifft, als Speaker gewonnen werden. Er ist Gründer und Geschäftsführer von TUNNEL 23, einer der führenden, unabhängigen Kreativagenturen für digitale Werbung in Österreich. Mit seinem Blog katzlberger.ai versucht Micheal Katzlberger, das Thema Künstliche Intelligenz zu entmystifizieren. In seinem Vortrag konzentriert sich Michael Katzlberger auf die Frage, inwiefern Systeme, die als »künstliche Intelligenz« bezeichnet werden, kreativ sein können. Dazu setzt er sich mit verschiedenen Auffassungen von Kreativität auseinander und lotet die Potenziale intelligenter Maschinen in Hinblick auf Kreativität aus. Schließlich erläutert er realistische Einsatzgebiete von KI im mediengestalterischen Kontext.
www.tunnel23.com
https://katzlberger.ai

11:50 – 12:20 (30 min)
Michael Huber
Was, wenn sich die künstliche Intelligenz irrt?

Wie sehen die Nuancen aus zwischen Fehler und Error, zwischen Denkfehler und maschinellem Irrtum? Ist die Zuweisung des Irrtums an maschinelle Instanzen ein Ausdruck naiver Spätromantik? Und, andersrum gefragt: Liegt es nicht im Wesen der (Machine Learning-) KI, dass sie umso stärker wird, je mehr sie über Fehler lernt? Existiert KI nicht erst durch Fehler? Der Beitrag versucht, dieses Spannungsfeld zu beleuchten und einen Bogen zum Kreativbereich zu spannen, geht es dort doch auch immer um das Kultivieren von Abweichungen. Michael Huber ist Professor für Medientheorie an der Universität für Angewandte Kunst in Wien sowie Principal Designer in der Digitalen Kreativabteilung des ORF in Wien.

12:30 – 13:00 (30 min)
Roland Witsch MBA
Entwicklungstendenzen im Bereich »smarter« Architektur
Das Bild des klassischen Bauträgers beginnt sich in den letzten Jahren stark zu wandeln. Treiber dieser Prozesse ist nicht zuletzt die Digitalisierung, die aus klassischen Produzenten von »Wohn-Hardware« mehr und mehr Full-Service-Dienstleister macht, die wie im Beispiel der Hefel Immobiliengruppe als »lebenslange Wohnbaupartner« fungieren. Der Entwicklungsprozess einer Immobilie wird deshalb in Zukunft nicht mehr nur von den klassichen Einflussfaktoren bei der Entwicklung (Gesetzgebung, Raumplanung, Kundenwünschen usw.) getrieben, sondern mehr und mehr auch von Parametern, die erst im weiteren Lebenszyklus der Immobilie zum tragen kommen, und die optimale Nutzung und Wertschöpfung, aber auch den Wohlfühlfaktor und das Komforterlebnis der zukünftigen Bewohner bestimmen. Roland Witsch ist Geschäftsführer bei Witsch Visuals und Fachmann für 3D Visualisierung & Animation, Augmented & Virtual Reality, Interaktive Anwendungen und Berater im Bereich Digitalisierungen.
www.hefel.at
www.witsch.net

13:00 – 13:30
Mittagspause mit Mittagsjause

13:30 – 14:00 (30 min)
Manfred Hermann und Josip Bajcer
From Parametric Design to Artificial Intelligence Between Practice and Research
In die Welt des parametrischen Designs im Architektur Kontext führen die Architekten Manfred Hermann und Josip Bajcer ein. Dabei werden die Eigenschaften von Objekten – sei es die Grundform eines Gebäudes oder eines Tisches – projektspezifisch in Abhängigkeit zu umgebungsspezifischen, konstruktiven und materialspezifischen Bedingungen gesetzt. Ein grundsätzliches Problem der Architektur stellt etwa die objektive Bewertung von Entwürfen dar. Auf parametrischem Design basierende Entwürfe könnten hier ein Lösungsansatz sein. Am Beispiel der Gebäudeplanung zeigen Hermann und Bajcer, wie verschiedene Parameter aufeinander abgestimmt und verknüpft werden können, um als Grundlage für den Einsatz von künstlicher Intelligenz zur Qualifizierung und Optimierung von Entwürfen zu fungieren. Diese KI ist in der Lage, in Form von Agent-Simulationen Entwürfe zu bewerten und deren Erfolgspotenzial abzuschätzen. Maschinengelernte Algorithmen können dazu genutzt werden, Architektinnen Echtzeit-Feedback im Hinblick auf menschliche Verhaltensmuster zu geben und somit eine außerhalb der etablierten Erfahrung liegende Bewertung ermöglichen.
http://mjrh-arch.blogspot.com

Panel #2
fokussiert anthropologische und philosophische Perspektiven und beschäftigt sich mit Zukunftsszenarien.

14:10 – 14:55 / Keynote 2 (45 min)
Univ. Prof. Manfred Faßler
UN-DINGE. Koevolution eines general intellect und die Sinnlichkeit der Begegnung
Den zweiten Teil des Symposiums leitet die Keynote Speech des Medienwissenschaftlers Manfred Faßler ein. Er ist Professor am Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankurt am Main und leitet dort das Forschungsnetzwerk Anthropologie des Medialen (FAMe). In seinen Forschungsarbeiten beschäftigt sich Manfred Faßler mit Medienevolution/ Koevolution, Visualisierung/Design und nachgesellschaftlichen Strukturen. Zu seinen Publikationen zählen u.a. »Kampf der Habitate. Neuerfindung des Lebens im 21. Jahrhundert« (2012), »Das Soziale. Entwicklung und Zukunft menschlicher Selbstorganisation« (2014), »Demokratie ohne Eigenschaften. Die Folgen datentechnologischer Globalisierung« (2019). In seinem Vortrag beleuchtet Prof. Faßler die Frage, wie sich mit der Technologisierung unsere Lebenszusammenhänge verändern aus koevolutionärer Perspektive. Unter Bezugnahme auf die Wechselwirkungen zwischen Menschen, Maschinen, Medien, Ökonomie und Politik, erläutert er die Rolle, die Gestaltung in den Gesellschaften der Gegenwart und Zukunft angesichts der zunehmend soziotechnologischen Verfasstheit von Kommunikation spielen kann und muss.
www.fame-frankfurt.de/
www.uni-frankfurt.de/63190557/Sen_-Prof_-Dr_-Manfred-Fassler

15:05 – 15:35 (30 min)
Nadja Reifer
Zur aktuellen Diskussion über zukünftige Designprozesse
Die Perspektive von Gestalterinnen thematisiert der Vortrag von Nadja Reifer In ihrer Masterarbeit (InterMedia) setzt sie sich mit dem, durch »künstliche Intelligenz« induzierten Wandel von Designprozessen und damit, wie er von Gestalterinnen wahrgenommen wird, auseinander. Ihr Vortrag behandelt Möglichkeiten der Entwicklung von Zukunftsszenarien und der bewussten Positionierung von Gestalterinnen im Hinblick auf den zukünftigen Wandel der Kreativbrache bzw. der Berufsfelder der Gestaltung.

15:35 – 15:50
Kaffeepause

15:50 – 16:20 (30 min)
Mag.ª Dr. Margarita Köhl, MAS
Abseits der Wahrnehmung? Das Verschwinden der Interfaces
Wie formen die Interfaces, die wir nutzen unsere Wahrnehmung, unseren Blick auf die Welt? Auf diese Frage konzentriert sich der Vortrag von Margarita Köhl. Basierend auf einer Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Interfaces (visual, tangible, speech recognition), wird ein Wandel der Aufmerksamkeitsmodi skizziert, welcher durch neue Interaktionformen zwischen Mensch und Maschine, Mensch und Mensch sowie Maschine und Mensch angeregt wird. Die Kommunikationswissenschaftlerin Margarita Köhl beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Wandel der Kulturtechniken und Medienkulturen, im Speziellen mit der Rolle von Affekten und Emotionen im Kontext der Aneignung von Medien- und Kommunikationstechnologien, sowie der Analyse visueller Phänomene aus Perspektive der transkulturellen Forschung. Sie unterrichtet und forscht an der FH Vorarlberg und im Rahmen des interdisziplinären Forschungsschwerpunkts „Visual Studies in den Sozialwissenschaften“ an der Universität Wien.
https://visualstudies.univie.ac.at

16:30 – 17:00 (30 min)
Markus Hanzer
Welche gesellschaftlichen Veränderungen können sich aus den aktuellen technologischen Entwicklungen ergeben?
Der Medien- und Kommunikationsdesigner Markus Hanzer leitet den Fachbereich Gestaltung der FH Vorarlberg und unterrichtet unter anderem an der Universität für angewandte Kunst in Wien und an der Kunstuniversität in Linz. Seine Präsentation beleuchtet die aktuellen Diskurse über jene Konsequenzen, die sich aus einer exponentiellen technologischen Entwicklung ergeben können. Haben wir allen Grund uns auf eine Zukunft zu freuen, die uns umfassend bedient, oder sollten wir alle Hebel in Bewegung setzen, um nicht zu Sklaven technologischer Systeme zu werden?
www.fhv.at/studium/gestaltung/
www.hanzer.at

17:10 – 18:00 (45 min)
Podiumsdiskussion mit Publikumsbeteiligung
Im Anschluss an eine Zusammenschau aller Beiträge des Tages und die Diskussion zentraler zukunftsrelevanter Fragestellungen, werden die Vortragenden zum Abschluss versuchen, auf Ihre Fragen einzugehen. Sie haben bereits während der Vorträge die Möglichkeit, mit Hilfe einer Q&A Plattform Fragen zu stellen.

18:00 – … Ausklang

Video Playlist zu den Vorträgen

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