Forschung zur Zukunft der Arbeit

 

(Ausgabe 3 / 2024) Von Shared Leadership über Employer Branding bis Stressbewältigung – die Wissenschaft ermöglicht Organisationen fundierte Entscheidungen auf der Basis von empirischen Daten.

Leitbeitrag der Forschungsgruppe Empirische Sozialwissenschaften zum FHV-Forschungsschwerpunkt New Work & Organisation.

Eine Gruppe von Menschen sitzt im Gespräch zusammen und arbeitet gemeinsam. | © Adobe Stock
Im Rahmen von Shared Leadership erfolgt Führung auf einer kollektiven Basis.

Komplexe Herausforderungen der heutigen Arbeitswelt brauchen interdisziplinäre Lösungsansätze. Die Forschungsgruppe Empirische Sozialwissenschaften an der FHV widmet sich Themen im Kontext moderner Arbeitsstrukturen und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Zukunft der Arbeit.

Wissenschaft als Grundlage für Entscheidungen

Die Arbeitswelt befindet sich im Zuge technischer und gesellschaftlicher Innovationen in stetigem Wandel und dieser wiederum beeinflusst die Ansprüche der Arbeitnehmenden. Viele von uns spüren diese Dynamik.

Die genannte Entwicklung wirft zahlreiche Fragen auf: Welche Konsequenzen hat die zunehmende Verdichtung der Arbeit aus organisatorischer und gesundheitlicher Perspektive? Wie verändert sich unser beruflicher Alltag angesichts der Tendenz einer steigenden Automatisierung? Wie wirken sich Megatrends wie New Work, Individualisierung und Gender Shift auf Organisationen und ihre Mitarbeiter:innen aus? Was können Unternehmen tun, um sich und ihre Mitarbeitenden auf mehr Diversität in der Belegschaft und heterogenere Teams vorzubereiten?

„Lösungen zu diesen komplexen Problemfeldern erfordern zum einen ein Hinterfragen des traditionellen Führungsdenkens. Zum anderen ist es nötig, der Vielschichtigkeit der modernen Fragestellungen mit einem breiten perspektivischen Zugang zu begegnen, und zwar auf strategischer, sozialer und systemischer Ebene“, erläutert Thomas Zabrodsky, Wissenschaftler der Forschungsgruppe Empirische Sozialwissenschaften.

Die Wissenschaft trägt durch empirische Erhebungen und Datenanalysen dazu bei, fundierte Erkenntnisse zu gewinnen, die als Grundlage für Entscheidungsprozesse dienen.

Shared Leadership Skills

In ihrer Doktorarbeit untersuchte Angelika Kaufmann-Pauger individuelle Kompetenzen in Shared Leadership-Teams und inwiefern sie erfolgversprechend sind. Auch die Rolle der Diversität bezog sie in die Untersuchung mit ein: „Die Studie zeigt, dass hoch ausgeprägte Fach- und Sozialkompetenzen der Beteiligten im Team den größten positiven Effekt auf Shared Leadership-Verhalten haben. Zudem verstärkt die Akzeptanz von Unterschieden den Zusammenhang zwischen Sozialkompetenz und Shared Leadership-Verhalten positiv“, führt die Forscherin aus. „Die Erkenntnisse liefern eine wertvolle Basis für moderne Programme in der Führungskräfteentwicklung. Hier braucht es jedoch ein Umdenken. Teams, die Shared Leadership praktizieren, benötigen Trainingsmaßnahmen für alle Beteiligten, nicht nur mit Fokus auf eine einzige Person“, resümiert Kaufmann-Pauger. 

Forschung zu Employer Branding

Eine Mitarbeitendenbefragung bildete die Grundlage für die Entwicklung einer Employer Branding-Strategie für das Land Vorarlberg. Die Forschungsgruppe Empirische Sozialwissenschaften führte diese Befragung durch, um Werte, Bedürfnisse, Assoziationen und Kenntnisse von Mitarbeitenden der Landesverwaltung in Bezug auf ihre Arbeitgeberin zu erheben. Die Landesverwaltung Vorarlberg zählt mit rund 2.300 Beschäftigten zu den größten Arbeitgeber:innen der Region. Untersucht wurden das Leitbild, die Aufgaben und Ziele der Landesverwaltung sowie die Bindung ihrer Mitarbeitenden.

Forschung zu Stress-Prävention und Umgang mit Stress bei der Arbeit

„Die differenzierte Erhebung des aktuellen Ist-Zustandes sollte immer der wissenschaftlich fundierte Ausgangspunkt von gesundheitsbezogenen Veränderungsprozessen sein - dies gilt sowohl für das psychische und physische Befinden der Mitarbeitenden als auch für strukturelle Prozesse im Unternehmen“, erklärt Hochschullehrerin und Wissenschaftlerin Pascale Roux im Hinblick auf die gesellschaftlich hochrelevante Forschung der FHV zu Stress-Prävention und zum Umgang mit Stress bei der Arbeit: Aufbauend auf der systematischen Analyse dieser Ebenen und ihrer Interaktionen werden zielgenaue Interventionen gemeinsam umgesetzt. Die Überprüfung der kurz- und längerfristigen Effekte erfolgt durch Begleitevaluationen stressbezogener Zielkriterien und durch eine systematische Wirkungsanalyse. Auf diese Weise konnte die Forschungsgruppe Empirische Sozialwissenschaften sowohl in der Industrie als auch in Non-Profit-Organisationen wie Schulen, Krankenhäusern und Pflegeheimen im In- und Ausland innovative Unternehmensentwicklungen etablieren, die für alle Beteiligten empirisch nachvollziehbar und langfristig erfolgreich waren.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Die genannten Projekte wurden in den vergangenen zwei Jahren durchgeführt und stehen beispielhaft für die Forschungsaktivitäten der FHV zur Zukunft der Arbeit. Bewährt hat sich dabei ein interdisziplinärer Zugang: Die Forschungsgruppe Empirische Sozialwissenschaften besteht aus einem Team von Expert:innen der Betriebswirtschaft, Soziologie, Psychologie, Gesundheit und weiterer Fachrichtungen. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen ermöglicht es, Fragestellungen multiperspektivisch und ganzheitlich zu bearbeiten. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Studienprogramme der FHV ein. So können Studierende vom neuesten Forschungsstand profitieren und dieses Wissen wiederum in ihre Organisationen transferieren.

Möchten Sie Ihre Organisation in den Bereichen moderne Führung, Diversität, Innovationskraft, Gesundheitsvorsorge oder Employer Branding weiterentwickeln? Haben Sie Fragen zu New Work und benötigen empirisch fundierte Antworten? Wir unterstützen Sie gerne bei Ihrem Forschungsvorhaben.

 

Zu den Autor:innen

Thomas Daniel Zabrodsky studierte und promovierte an der Universität Innsbruck im Fach Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Dort lehrt er seit 2010 als externer Lehrbeauftragter in den Bereichen Personal und Organisation. Aktuell forscht Thomas an der FHV zu den Themenschwerpunkten New Work & Organisation und Community Development.

Angelika Kaufmann-Pauger promoviert in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Privatuniversität Schloss Seeburg in Salzburg. In ihrer Doktorarbeit forscht sie zum Thema Shared Leadership. Weitere Schwerpunkte sind New Work & Organisation. Angelika absolvierte einen Forschungsaufenthalt in Portugal und lehrt als Dozentin an der FHV. Die ausgebildete Journalistin ist zudem als Kommunikationsmanagerin an der FHV tätig.

Pascale Roux studierte an der Freien Universität Berlin und der Universität Freiburg i.Br. Arbeits- & Organisationspsychologie und Klinische Psychologie. An der Universität Duisburg-Essen promovierte sie in Arbeits- und Organisationspsychologie. Zudem ist sie approbierte Psychotherapeutin. Aktuell forscht und lehrt Pascale an der FHV zu Themen der psychosozialen Gesundheit in Unternehmen. Darüber hinaus arbeitet sie an der Borderline-Ambulanz des LKH Rankweil und berät Unternehmen zu Themen der psychosozialen Gesundheit.

 

Bei Interesse sind Sie herzlich eingeladen mit den Autor:innen in Kontakt zu treten. 

 

Forschungsgruppe Empirische Sozialwissenschaften, FHV

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Juli 2024