• #fhv aktuell
  • #soziales und gesundheit

"Einen kritischen Blick bewahren"

03.11.2026
FHV-Alumni Alexander Wachter spricht über seinen Weg in die Soziale Arbeit, Erfahrungen im Kinderschutz und die Tätigkeit als Medienexperte. Im Interview gibt er Einblicke in seinen Berufsalltag und spricht darüber, was ihn an seiner Arbeit besonders bewegt.


Warum hast du dich dazu entschieden, Soziale Arbeit zu studieren?

Alexander Wachter: Ich war damals als Polizeibeamter im Bereich der Sexualdelikte tätig und habe nach Wegen gesucht, mich in Bezug auf den Opferschutz fachlich weiterzubilden. Im Zuge meiner Arbeit führte ich ein wegweisendes Gespräch mit einer Opferschutzberaterin des ifs Kinderschutz. Sie erzählte mir von dem damals neuen, berufsbegleitenden Studium der Sozialen Arbeit. Anfänglich ahnte ich noch nicht, wie breit und vielschichtig dieses Studium angelegt ist und wie tiefgreifend es mein professionelles Handeln verändern würde – ein Fundament, von dem ich heute in meiner täglichen Arbeit im Kinderschutz enorm profitiere.


Welchen Rat gibst du Menschen, die am Anfang ihres Studiums stehen?

Alexander: Lasst euch auf alles ein! Geht nicht mit der Haltung in das Studium, Wissen rein passiv zu konsumieren. Seht es stattdessen als Chance, aktiv mitzugestalten, Neues zu entdecken und eigene Ideen zu entwickeln. Macht mit, schaut, was euch wirklich fesselt, und lest euch tief in diese Themen ein. Nutzt das Studium als Werkzeug für euren ganz persönlichen und beruflichen Lebensweg. Gerade im psychosozialen Bereich braucht es Menschen, die Theorien nicht nur lernen, sondern sie mutig in die Praxis übersetzen.


Was gibt dir das Gefühl, den richtigen Beruf gewählt zu haben?

Alexander: Es ist dieses tiefe Gefühl von Stimmigkeit. Sowohl im Kinderschutz als auch in der Medienprävention sind die Situationen oft komplex und fordernd. Wenn ich am Ende des Tages merke, dass ich mit diesen Herausforderungen konstruktiv umgehen konnte, wirksame Lösungswege erarbeitet wurden und ich mit dem, was ich geleistet habe, wirklich zufrieden bin, weiß ich: Ich bin genau am richtigen Platz.


Welche Herausforderungen aus deinem Berufsalltag haben dich geprägt?

Alexander: Die Soziale Arbeit ist stark von den individuellen, oft hochkomplexen Dynamiken der Klient:innen geprägt. Eine der großen Herausforderungen im Kinderschutz ist es, die feine Grenze zwischen empathischer Beziehungsarbeit und notwendiger emotionaler Distanz zu wahren. Dabei merke ich immer wieder, dass ich mich mit meiner ganzen Person in den Prozess einbringe. Das sollte man sich bei einem Beruf im psychosozialen Feld bewusst machen, da dies phasenweise belastend sein kann. Für mich sind daher offener Austausch im Team und regelmäßige Supervision unerlässlich, um dauerhaft professionell und gesund zu arbeiten und immer wieder in meine innere Mitte zurückzufinden.


Du bist auch als Medienexperte tätig. Warum ist dir Medienprävention ein Anliegen?

Alexander: Kinder und Jugendliche wachsen heute selbstverständlich in digitalen Welten auf – oft bevor sie deren Gefahren einschätzen können. Gleichzeitig fühlen sich viele Eltern angesichts der rasanten Entwicklung verständlicherweise überfordert. Meine Erfahrungen aus Polizeiarbeit und systemischer Sozialer Arbeit im Kinderschutz, verbunden mit meiner Begeisterung für digitale Medien, haben mich zur Medienprävention geführt. Ich möchte Sicherheit und Aufklärung dort schaffen, wo häufig Unsicherheit herrscht.


Was ist die wichtigste Botschaft, die du Kindern und Jugendlichen zum Thema Medien mitgeben möchtest?

Alexander: An die Kinder und Jugendlichen würde ich sagen: Bleibt neugierig! Entdeckt digitale Welten, aber bewahrt euch einen kritischen Blick. Hinterfragt, was ihr seht und lest, denn Medien können manipulativ sein. Noch wichtiger ist meine Botschaft an die Eltern: Seid euch eurer Vorbildwirkung bewusst! Reflektiert euren eigenen Medienkonsum und wie oft ihr das Smartphone in der Hand habt. Denn wenn Erwachsene ständig auf ihr Gerät schauen, lernen schon kleine Kinder und Babys, dass dieser Bildschirm von großer Bedeutung ist. Dann sollte es uns als Gesellschaft nicht wundern, wenn Kinder später früh ein problematisches oder suchtähnliches Medienverhalten entwickeln.

 

Vielen Dank für das Interview.

 


Du hast auch Interesse Soziale Arbeit an der FHV zu studieren? Dann informiere dich jetzt über Inhalte, Karrierechancen und Studienmöglichkeiten – und starte deinen nächsten Karriereschritt. Erfahre mehr über den Bachelorstudiengang Soziale Arbeit und über den Masterstudiengang Soziale Arbeit. 

 


 

Infokasten:

Name: Alexander Wachter

Tätigkeit: Berater im Kinderschutz und selbstständig im Bereich Medienprävention

Studienabschlüsse: Bachelor und Master Soziale Arbeit (beides FHV)

Motto: „Es ist nie zu spät, aus einem Traum ein Ziel zu machen.“