„Kultur des gemeinsamen Lernens“
28.09.2026
Das Bündnis Nachhaltige Hochschulen feiert sein 5-jähriges Jubiläum: Nachhaltige Entwicklung wird zunehmend in Lehre, Forschung, Transfer, Governance und Hochschulbetrieb der FHV verankert.
Am 25. September war SDG Flag Day und aus diesem Anlass wurden weltweit die Flaggen der Sustainable Development Goals (SDGs) gehisst. Der Tag hat für das Bündnis Nachhaltige Hochschule* eine besondere Bedeutung: Das Netzwerk feiert sein fünfjähriges Jubiläum. Die Obleute Beate Pawle (FHV) und Peter Stepanek (Hochschule Campus Wien) blicken im Interview auf die Zusammenarbeit, bisherige Erfolge und die nächsten Ziele.
Das Bündnis Nachhaltige Hochschulen feiert sein fünfjähriges Jubiläum. Die FHV ist seit Beginn an dabei. Was wurde seither gemeinsam umgesetzt und welche Erfolge dürft ihr feiern?
Beate Pawle: In den vergangenen fünf Jahren ist aus der Initiative engagierter Kolleg:innen ein starkes Netzwerk von 15 Hochschulen für angewandte Wissenschaften entstanden. In Arbeitsgruppen, Vernetzungstreffen, Jahreskongressen, beim Sustainability Day und in der Sommerakademie teilen wir Erfahrungen, entwickeln gemeinsam Lösungen und machen erfolgreiche Ansätze für alle nutzbar.
Ein zentraler Erfolg ist für mich die entstandene Kultur des gemeinsamen Lernens. Nachhaltige Transformation ist komplex und mit Zielkonflikten, Unsicherheiten und unterschiedlichen Perspektiven verbunden. Deshalb brauchen wir neben Fachwissen auch Offenheit, Ambiguitätstoleranz und die Bereitschaft, voneinander zu lernen, statt um die eine richtige Lösung zu konkurrieren.
Peter Stepanek: Das Bündnis ist ein Best-Practice, dass man über die Hochschulgrenzen hinaus zu einem Thema zusammenarbeiten kann. Wir sind keine Konkurrent:innen, wir sehen uns als Partner:innen, die gemeinsam mehr bewegen, die sich gegenseitig motivieren und voneinander lernen können. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Die Gründungsgeneration hat uns eine wertvolle Initiative übergeben und wir bauen auf einem starken Fundament weiter auf.
Was hat sich im Bereich Nachhaltigkeit speziell an der FHV in den vergangenen fünf Jahren getan?
Beate: An der FHV hat sich Nachhaltigkeit von einzelnen Maßnahmen zu einem hochschulweiten Querschnittsthema entwickelt. Nachhaltige Entwicklung wird zunehmend in Lehre, Forschung, Transfer, Governance und Hochschulbetrieb verankert.
Mein persönliches Highlight war der erste FHV-Nachhaltigkeitstag in diesem Jahr. Er hat sichtbar und erlebbar gemacht, was Nachhaltigkeit an der FHV auszeichnet: gemeinsames Handeln, interdisziplinäre Zusammenarbeit und der Austausch unterschiedlicher Perspektiven. Studierende, Lehrende, Forschende und Mitarbeitende brachten ihre Projekte, Initiativen und Ideen ein, lernten voneinander und entwickelten neue Impulse. Besonders gefreut haben mich die Offenheit, das Engagement und die Freude am gemeinsamen Gestalten. Der Tag hat gezeigt, dass nachhaltige Entwicklung im Dialog und im Zusammenspiel vieler Akteur:innen entsteht.
Welche Ziele verfolgt ihr künftig als Bündnis und speziell an der FHV?
Beate: Als Bündnis wollen wir die Zusammenarbeit weiter vertiefen, unsere Angebote für die Mitgliedshochschulen ausbauen sowie unsere Wirkung und Sichtbarkeit stärken. Die enge Vernetzung ermöglicht es, Wissen zu teilen, voneinander zu lernen und gemeinsam tragfähige Lösungen für eine lebenswerte Zukunft zu entwickeln. Zugleich geht es im Sinne der Third Mission darum, Wissen und Forschungsergebnisse stärker in den öffentlichen Dialog einzubringen, wie etwa bei der Verfolgung der SGDs über das Jahr 2030 hinaus, Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung zu schaffen und gemeinsam mit Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft Veränderungsprozesse anzustoßen.
An der FHV wollen wir Nachhaltigkeit noch konsequenter in allen Handlungsfeldern verankern. Unsere Studierenden sollen lernen, komplexe Herausforderungen systemisch zu betrachten, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und konstruktiv mit Unsicherheiten und Widersprüchen umzugehen. Zukunftskompetenz bedeutet für mich, Ambiguität auszuhalten und über Disziplinen und gesellschaftliche Bereiche hinweg neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Gleichzeitig möchten wir unsere Aktivitäten stärker nach außen tragen, Menschen für Nachhaltigkeit sensibilisieren und den Austausch mit der Region weiter ausbauen.
Peter: Die sozial-ökologische Transformation braucht einen langen Atem und fruchtvolle Kooperationen – sowohl innerhalb des Hochschulsektors, aber auch darüber hinaus. Ein Ziel ist auch, dass wir die FHs /HAWs, die noch nicht im Bündnis vertreten sind, für eine Teilnahme zu gewinnen. Schön wäre es auch, wenn wir die Pädagogischen Hochschulen überzeugen könnten, sich beim Bündnis einzubringen. Auch international wollen wir uns einbringen. Wir arbeiten daran, als Partner auch in der Politik und in der Zivilgesellschaft wahrgenommen zu werden.
Danke für das Gespräch!
Kennzahlen Bündnis Nachhaltige Hochschulen seit der Gründung vor fünf Jahren:
- 55 Online-Meetings (Arbeitsgruppen, Vernetzungstreffen, Workshops) mit rund 1100 Teilnehmenden aus Lehre, Forschung und dem Hochschulmanagement
- 15 Hochschulen mit 58.230 Studierenden (2024/25)
- 5 Sustainability Days mit 60 Beiträgen
- 4 Bündnis-Kongresse mit 60 Keynotes und Fachvorträgen und 265 Teilnehmenden
- 3 internationale Summer Schools zu Biomimicry mit 75 Studierenden aus 8 Nationen
Weitere Infos zur FHV als Nachhaltige Hochschule sind hier zu finden.