Technologie für ein selbstbestimmtes Leben im Alter: Wenn eine Nachricht Sicherheit gibt
22.09.2026
Viele Angehörige kennen diese Sorge. Gleichzeitig möchten ältere Menschen möglichst lange selbstständig in ihrem gewohnten Umfeld leben. Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Forschung am Forschungszentrum Human-Centred Technologies (HCT) der FHV – Vorarlberg University of Applied Sciences hinter der Anwendung GetNotified. Mithilfe intelligenter und unaufdringlicher Sensorik können Veränderungen im Alltag erkannt und Hinweise bereitgestellt werden. Ziel ist nicht die Überwachung von Menschen, sondern die frühzeitige Erkennung von Situationen, in denen Unterstützung hilfreich sein könnte.
Eine gesellschaftliche Herausforderung wächst
Die Bevölkerung wird älter, gleichzeitig stehen Pflege- und Betreuungseinrichtungen unter zunehmendem Druck. Fachkräfte werden knapper, Familien leben häufig geografisch voneinander getrennt und viele ältere Menschen wünschen sich, möglichst lange unabhängig zu bleiben.
Digitale Technologien können diese Entwicklungen nicht ersetzen, aber sie können einen wichtigen Beitrag leisten. Sie schaffen zusätzliche Sicherheit im Alltag und unterstützen Angehörige sowie Betreuungspersonen dabei, Veränderungen frühzeitig wahrzunehmen.
Forschung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt
Am Forschungszentrum HCT der FHV wird untersucht, wie digitale Gesundheitsanwendungen praxisnah, vertrauenswürdig und verständlich gestaltet werden können. Die Anwendung GetNotified analysiert Bewegungsmuster in der Wohnung, erkennt Veränderungen im Tagesrhythmus und informiert im Bedarfsfall Angehörige oder Pflegende.
Dabei können beispielsweise veränderte Bettgeh- und Aufstehzeiten, häufigere nächtliche Unterbrechungen oder auffällige Veränderungen der allgemeinen Bewegungsaktivität erkannt werden.
„Änderungen in der Tagesstruktur sind oft langsam und schleichend und können deshalb nur schwer von außen eingeschätzt werden. Die langfristige Aufzeichnung und Analyse von Bewegungsdaten hilft dabei, diese sichtbar zu machen“, erläutert Walter Ritter, Projektleiter und Wissenschaftler am Forschungszentrum HCT der FHV.
Welches Potenzial darin steckt, zeigt ein Beispiel aus dem Projekt: Nach der Umstellung eines Medikaments wurde bei einer betreuten Person eine sinkende Schlafqualität festgestellt. Nach einer Anpassung der Medikation normalisierte sich der Zustand rasch wieder.
Um die Privatsphäre der Nutzer:innen zu schützen, setzt GetNotified auf einfache Bewegungsmelder statt auf Kameras oder Wearables. „Datenschutz, Transparenz und Nutzerakzeptanz spielen in der Forschung eine ebenso wichtige Rolle wie die technische Entwicklung selbst“, betont Walter Ritter.
Wohin die Reise geht
Künftig könnten intelligente Benachrichtigungssysteme noch stärker in Wohn- und Betreuungskonzepte integriert werden. Sie könnten Veränderungen frühzeitig erkennen, individuelle Gesundheitsverläufe besser berücksichtigen und Angehörige, Pflegekräfte sowie Gesundheitseinrichtungen gezielter unterstützen.
„Unser Ziel ist ein unaufdringliches, verlässliches System im Hintergrund, das Sicherheit für Angehörige und betreute Personen schafft, ohne die Betroffenen zu belasten. Es soll das gute Gefühl vermitteln, dass alles in Ordnung ist, und nur dann informieren, wenn tatsächlich Handlungsbedarf besteht“, resümiert Walter Ritter. „So kann Technologie dazu beitragen, Lebensqualität, Sicherheit und Selbstbestimmung im Alter miteinander zu verbinden.“
Kontakt:
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Dipl.-Ing- (FH) Walter RITTER
Senior Lecutrer
+43 5572 792 7304
walter.ritter@fhv.at