Fadi Dohnal, Leiter des Forschungszentrums Mikrotechnik, im Gespräch

 

Fadi Dohnal hat für seine Aufgabe als Leiter des Forschungszentrums Mikrotechnik an der FHV sein Leben umgekrempelt. Nach vielen Jahren im Ausland – unter anderem als Gastprofessor in Japan – und Stationen in Österreich, Großbritannien und Deutschland ist er nun mit mutigen Ideen für die Zukunft in Vorarlberg gelandet.

Ein Mann posiert mit einem Laser  | © Martin Lugger
Fadi Dohnal leitet seit Oktober 2021 das Forschungszentrum Mikrotechnik. ©Martin Lugger

Fadi, welche Kompetenzen hast du für die Arbeit an der FHV mit im Gepäck?

Durch meine akademische Ausbildung und meinen beruflichen Werdegang verknüpfe ich Physik und Maschinenbau bzw. die Naturwissenschaft mit Ingenieurswissen. Diese Verschränkung spielt ideal in den Bereich der Mikrotechnik hinein. Mich hat schon immer die Erforschung unbekannter technischer und physikalischer Zusammenhänge fasziniert und angetrieben. Wichtig dabei ist für mich, dass neue Erkenntnisse nicht nur in Publikationen münden oder gar in der Schublade verschwinden, sondern in konkrete Prozesse oder Produkte einfließen. Dieses Mindset möchte ich im Team nachhaltig verankern.

Das ist anwendungsorientierte Forschung par excellence?

Ohne Grundlagenforschung geht gar nichts! Aber nur Grundlagenforschung bringt uns auch nicht weiter. Die Mischung macht es aus. Auf unser Forschungszentrum umgelegt heißt das: Wir können aufbauend auf Erfahrung viele Dinge sehr gut und genau. Mit Hilfe von theoretischen Simulationen gewinnen wir ein tieferes Verständnis der physikalischen Einflussparameter. Wir kommen so zu besonders effizienten, robusten oder kompakten Designs, anstatt nur nach dem Trial-and-Error-Prinzip vorzugehen. Diese Art der anwendungsorientierten Grundlagenforschung ermöglicht es uns, echte Innovationen in den Anwendungen zu schaffen.

Was zeichnet aus deiner Sicht die Forschung an der FHV aus?

Eine klare Struktur und Rahmenbedingungen, unter denen man gut forschen kann. Ich habe hier topqualifizierte Leute, auch den nötigen Gestaltungsraum, um junge Nachwuchswissenschaftler:innen aufzubauen. In Vorarlberg gefällt mir besonders die enge Zusammenarbeit mit Unternehmen in der gesamten Region. Diese Vernetzung hat hohe Innovationskraft.

Hast du konkrete Pläne für das Forschungszentrum?

Ich möchte unser Leistungsportfolio profilieren und in Zukunft auch Modellierung und Simulation für Unternehmen und unsere langfristigen Forschungspartner:innen anbieten. Ohne Frage sind wir in der Herstellung von Komponenten sehr gut, da können wir uns international messen. Mit der Erweiterung unserer Tätigkeit um Modellierung und Simulation werden wir die Schnittstelle zwischen Ingenieurwissenschaft und Physik noch besser bedienen und Unternehmen ein vollwertiges Portfolio bieten.

Was sind aus deiner Sicht die Erfolgsfaktoren für gute Forschung?

Meine drei Grundsätze lauten: Exzellenz, Qualität und Vertrauen. Dann kommt der Erfolg (fast) von allein. In der Zusammenarbeit mit Partner:innen setze ich auf Augenhöhe. Wir wollen nicht einfach nur Dienstleister:in oder Lieferant:in sein, sondern auf partnerschaftlicher Ebene zusammenarbeiten und eine offene Kommunikation leben. Jede:r hat seinen und ihren Part. Diese Art der Zusammenarbeit hat die höchste Innovationskraft.

Welches Projekt gehst du da in der nächsten Zeit an?

Wir arbeiten derzeit an mehreren Themen. Sowohl in der Photonik als auch in der Oberflächenstrukturierung mit Hilfe von Kurzpulslasern haben wir eine starke Expertise. Da gibt es viele Schnittmengen mit internationalen Partner:innen. Hier wird noch einiges zu hören sein. Aktuell arbeite ich intensiv an einem Antrag für ein Josef Ressel Zentrum zum Thema Engineered Dynamics. Die Suche nach Partner:innen und konkrete Gespräche mit Unternehmen laufen bereits. In diesem Josef Ressel Zentrum wollen wir an nicht-linearen Phänomenen in der Dynamik forschen. Ein Beispiel wäre das Design einer Schallschutzwand. Man kennt ja diese dicken Wände aus speziellen lärmabsorbierenden Materialien. Man kann solche Wände aber auch aus sehr dünnen Platten herstellen, die mit Metastrukturen so gestaltet werden, dass sie platzsparend und trotzdem effektiv sind. Anders gesagt: Man kann sogenannte akustische schwarze Löcher designen, die den Schall schlucken. Das Interessante daran ist, dass das Prinzip dieser Metastrukturen bei makroskopischen und mikroskopischen Strukturen gleich funktioniert. Anwendungsbereiche wären Lärm oder Schwingungen im Straßen- und Schienenverkehr, der Kraftwerksbau oder etwa Rotorblätter für Windräder oder mikroskopische MEMS.

Fachhochschulen betonen oft die enge Zusammenarbeit von Forschung und Lehre, gilt das auch für die FHV?

Wir können Lehre und Forschung definitiv noch besser vernetzen. Auch hier bringe ich mich mit dem Forschungszentrum Mikrotechnik innovativ ein. Wir haben gerade mit dem Fachbereich Technik einen COIN-Antrag eingereicht. Wir wollen gemeinsam an sogenannten Deep Edge Labs arbeiten. Dafür kommt von unserem Forschungszentrum die Sensorik und aus dem Fachbereich die ingenieurwissenschaftliche Leistung. Ziel ist die Entwicklung von Labs-on-a-Chip, also Labore im Handformat beispielsweise für medizinische Anwendungen oder die Messung und Auswertung von Umweltdaten. Dazu gibt es international bereits viele Aktivitäten und Projekte, aber kaum reale Produkte. Hier können wir als FHV unseren Beitrag leisten.

 

Zur Person
Fadi Dohnal hat Maschinenbau und Physik an der TU Wien studiert. Er lebte und arbeitete zehn Jahre im Ausland, u. a. in Japan, England und der Schweiz. Der 44-Jährige war in der Wissenschaft, aber auch in der Industrie tätig. Aktuell arbeiten im Forschungszentrum Mikrotechnik 14 Mitarbeiter:innen zu den Schwerpunkten mikrotechnische Sensorik und Aktorik, photonische Anwendungen und Dynamik.

Oktober 2022