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Prüfen mit KI: Mehr Praxis, weniger Wissensabfrage

28.10.2026
Generative KI verändert den Hochschulalltag. Auch an der FHV wird daran gearbeitet, KI sinnvoll in Lehre und Didaktik zu integrieren. Ein neues Prüfungsformat im Bachelorstudium Gesundheits- und Krankenpflege zeigt, wie das konkret gelingt.


Key-Takeaways

  • KI-Kompetenz ist an der FHV Teil moderner Hochschuldidaktik.
  • Lehrende entwickeln mit generativer KI neue didaktische Formate.
  • Ein neues Prüfungsformat bringt noch mehr Praxisnähe in die Kompetenzüberprüfung.

 

Generative KI eröffnet auch für Lehrende neue Möglichkeiten. Anwendungen wie ChatGPT oder Claude kommen von der Planung von Lehrveranstaltungen bis zur Entwicklung neuer didaktischer Formate zum Einsatz. Ein Beispiel aus dem Bachelorstudium Gesundheits- und Krankenpflege an der FHV zeigt eine erfolgreiche Umsetzung.
 

 

Prüfung als Dialogformat

Hochschullehrer Peter Jäger entwickelte gemeinsam mit den Dozierenden Samuel Ganahl und der externen Lehrbeauftragten Irene Müller in einem iterativen Prozess ein neues Format für die Abschlussprüfung. Unterstützung erhielt das Team von Diana Brodda, Leiterin des Fachbereichs Soziales & Gesundheit und des Kompetenzfelds Gesundheits- und Krankenpflege, sowie von Studiengangsleiter Arno Geiger. Bei der Entwicklung der Fallbeschreibungen und der Struktur des Prüfungsformats setzte das Team auch generative KI ein. „Die Bachelorprüfung basiert nun auf konkreten Fällen, zu denen die Studierenden interdisziplinäre Fragestellungen bearbeiten. Anders als zuvor mit einer klassischen Abfrage des Wissens in Form von Fragen und Antworten hat sich die Prüfung nun viel mehr zu einem Dialogformat entwickelt“, erklärt Jäger.
 
Wie das konkret aussieht, zeigt ein anonymisiertes Fallbeispiel: Im Mittelpunkt steht ein zehnjähriges Kind mit Diabetes Typ 1, dessen Familie im Alltag mit der Behandlung, der Ernährung und möglichen Unterzuckerungen noch unsicher ist. Mithilfe generativer KI entwickelte das Lehrendenteam aus dieser Ausgangslage eine vielschichtige Fallbeschreibung und darauf abgestimmte Prüfungsfragen. Die Studierenden analysieren dabei nicht nur pflegerische und medizinische Aspekte, sondern berücksichtigen auch das Alter des Kindes, das familiäre Umfeld, kulturelle Einflüsse und die Versorgungssituation im ländlichen Raum. Statt erlerntes Wissen lediglich wiederzugeben, müssen sie Zusammenhänge erkennen, konkrete Maßnahmen ableiten und ihre Entscheidungen im Prüfungsgespräch begründen. So entsteht eine realitätsnahe Prüfungssituation, wie sie den Studierenden später auch im Berufsalltag begegnen kann.
 

 

Kritisches Denken und Selbstreflexion

„Es gelingt uns nun, die Kompetenzfelder im Sinne der Curriculum-Anforderungen viel besser zu prüfen. Die Verknüpfung mit den Fällen ist viel anwendungsorientierter und fordert die Studierenden auf, selbst Lösungen aus dem gelernten Wissen zu entwickeln. Das heißt, sie gestaltet sich auch um einiges praxisorientierter“, resümiert Jäger. Die anwendungsorientierte Auseinandersetzung unterstützt zugleich Future Skills wie kritisches Denken, interdisziplinäre Zusammenarbeit, Anpassungsfähigkeit und Selbstreflexion sowie die Auseinandersetzung mit Diversität. Damit rückt neben dem Wissen vor allem die Fähigkeit in den Mittelpunkt, dieses in konkreten Situationen anzuwenden.
 

 

Blueprint für neue Prüfungsformate

Bis der Prototyp der neu gestalteten Prüfung stand, durchliefen die Fälle und Fragen mehrere Evaluationsschleifen. Zudem wurden auch die Lehrenden im Studiengang einbezogen. Auch das Feedback der Prüfungskommission wurde eingeholt und integriert. Der Entwicklungsprozess erwies sich dabei als aufwendiger als zunächst gedacht. „Wir haben für den Prozess einen Blueprint entwickelt, sodass dieser auch für andere Lehrende bzw. Prüfungen funktioniert. Tatsächlich ist es aber so, dass die Produkte dann trotzdem jeweils sehr individuell sind“, betont Jäger. Das Resümee der ersten Kohorte an Bachelorstudierenden, die ihre Abschlussprüfung auf diese Weise absolviert hat, fällt positiv aus, wie Jäger bestätigt: „Sie verknüpfen ihr Wissen mit realen Situationen. Da sie im Studium einen hohen Praxisanteil absolvieren, gelingt ihnen dieser Transfer sehr gut.“
 

 

KI-Kompetenz in der Lehre

Die Weiterentwicklung von Hochschullehre und Didaktik hat an der FHV seit jeher einen hohen Stellenwert. Professor:innen, Hochschullehrende und Dozierende setzen sich deshalb auch intensiv mit den Möglichkeiten generativer KI auseinander. Im Teaching Excellence & Lifelong Learning Center (TELL) der FHV beschäftigen sie sich in Workshops unter anderem mit KI in der Lehrveranstaltungsplanung, Prüfungsdidaktik und im wissenschaftlichen Arbeiten.
 
Damit verändert KI an der FHV nicht nur, wie Studierende lernen, sondern auch, wie Lehrende ihre Arbeit gestalten und weiterentwickeln.