Dr. Annika GRÖMMINGER

Fachbereichsleiterin Wirtschaft

Mitarbeiterfoto von Annika Grömminger | © Nina Bröll / FHV

3 Fragen - 3 Antworten

 

Was macht dein Job als Fachbereichsleiterin im Kern aus und was fasziniert dich daran?

Nach vielen Jahren in der Industrie habe ich bewusst eine Aufgabe gesucht, in der ich meine Erfahrungen einbringen und gleichzeitig einen gesellschaftlichen Beitrag leisten kann. Wir leben in einer sehr privilegierten Region und Gesellschaft. Für mich stellt sich deshalb die Frage, wie wir das Erreichte verantwortungsvoll weiterentwickeln und an kommende Generationen weitergeben können. Bildung spielt dabei eine zentrale Rolle.

Als Fachbereichsleiterin kann ich dafür Rahmenbedingungen mitgestalten. Besonders fasziniert mich das Brückenbauen: zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, unterschiedlichen Disziplinen und vor allem zwischen Menschen. Die FHV als University of Applied Sciences bietet dafür ein ideales Umfeld – hier treffen wissenschaftliche Neugier und kritischer Diskurs auf unternehmerisches Denken und Umsetzungsstärke.

Am meisten Freude macht mir, Menschen zusammenzubringen, gemeinsam Potenziale zu entdecken und daraus Neues entstehen zu lassen. Wenn wir damit gleichzeitig ein starkes Netzwerk für unsere Region schaffen, können wir einen wichtigen Beitrag zu ihrer Zukunftsfähigkeit leisten.

 

Welche Trends in deinem Fachgebiet findest du besonders interessant und in welchen Themenfeldern engagierst du dich besonders?

Mich beschäftigt besonders, wie künstliche Intelligenz unsere Arbeitswelt verändern wird. KI wird uns in vielen Bereichen enorm unterstützen. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass dadurch genuin menschliche Fähigkeiten wie Empathie, emotionale Intelligenz, kritisches Denken und Reflexionsfähigkeit noch wichtiger werden. Vielleicht führt diese Entwicklung auch dazu, dass wir den Wert sozialer und handwerklicher Berufe wieder stärker erkennen.

Besonders wichtig ist mir in diesem Zusammenhang die Fähigkeit zum konstruktiven Diskurs. Aus meiner Erfahrung scheitern Innovations- und Transformationsvorhaben selten nur an technologischen Fragen. Häufig gelingt es uns nicht, unterschiedliche Standpunkte zu überwinden.

Diskurs bedeutet für mich nicht, dass einer gewinnt und der andere verliert. Es geht darum zu verstehen, warum mein Gegenüber zu einer anderen Einschätzung kommt. Erst dann können wir unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen und gemeinsam bessere Lösungen entwickeln. Gerade in einer Zeit zunehmend zugespitzter Debatten halte ich diese Fähigkeit zur Differenzierung für besonders wichtig.

 

Was möchtest du deinen Studierenden mitgeben und was sollten sie mitbringen?

Ich möchte unseren Studierenden vor allem das Vertrauen mitgeben, dass sie Herausforderungen selbstständig bewältigen können – und gleichzeitig das Bewusstsein, dass sie Verantwortung für ihr eigenes Handeln tragen.

Dafür braucht es kritisches Denken: Quellen prüfen, Beeinflussung erkennen und Aussagen hinterfragen – aber genauso die Bereitschaft, sich selbst und die eigenen Überzeugungen immer wieder infrage zu stellen. Gerade in Zeiten von KI wird nicht nur die richtige Antwort entscheidend sein, sondern die Fähigkeit, die richtigen Fragen zu stellen, ein Problem wirklich zu verstehen und den Lösungsweg zu reflektieren.

Von unseren Studierenden wünsche ich mir Neugier, Eigenverantwortung und Durchhaltevermögen. Wir als Hochschule müssen dafür Freiräume, persönliche Begleitung und gleichzeitig klare Rahmenbedingungen bieten.

Und dazu gehört auch, scheitern zu dürfen. Denn gerade wenn etwas nicht funktioniert, müssen wir verstehen, warum – und genau daraus entsteht häufig der nachhaltigste Lerneffekt.

Wenn unsere Absolventinnen und Absolventen die FHV mit der Haltung verlassen: „Ich kann Herausforderungen bewältigen, ich kann mir selbst ein Urteil bilden und ich übernehme Verantwortung für mein Handeln“, dann haben wir sehr viel erreicht.

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