Soziale Arbeit in der postmigrantischen Gesellschaft: Diversitätsbewusste und diskriminierungskritische Praxis

Informationen
Donnerstag, 7. Mai 2026
08:30 - 16:30 Uhr
FHV, Gebäude A, Aula / Foyer

Was erwartet dich?

Postmigrantische Gesellschaften zeichnen sich dadurch aus, dass sie maßgeblich durch Migration geprägt und aufgebaut wurden. Diese empirische Tatsache wird häufig – aber nicht automatisch – auch politisch durch Gesetzesänderungen, offizielle Selbstbeschreibungen und Veränderungen im Diskurs über Migration reflektiert und anerkannt. Gleichzeitig werden postmigrantische Gesellschaften als „besessen” vom Thema Migration beschrieben. Diese Besessenheit ist ein integraler Bestandteil der postmigrantischen Gesellschaft. Die Auseinandersetzung mit Migration und Integration ist zu einem zentralen Modus der Vergesellschaftung geworden. Postmigrantische Gesellschaften sind somit nicht nur von der Migration selbst, sondern auch von hegemonialen Diskursen über Migration geprägt. 
 
Die postmigrantische Perspektive trägt diesem Spannungsverhältnis Rechnung, indem sie postmigrantisch in drei Dimensionen denkt: Post bedeutet erstens, Gesellschaften nach der Migration zu betrachten, zweitens, hinter die Diskurse zu Migration zu blicken und drittens, über diese Diskurse hinauszugehen. 
 
Gesellschaften nach der Migration zu denken, bedeutet, Migration als "historische Normalität" und nicht als plötzliche Ausnahme zu betrachten und anzuerkennen, dass Gesellschaften maßgeblich durch Migration geformt und aufgebaut wurden. Ein Blick hinter die Diskurse zu Migration ermöglicht die Erkenntnis, dass Themen wie Migration und Integration in gesellschaftlichen Debatten, Strukturen und Praktiken häufig problematisiert werden (Defizitorientierung), ethno-natio-kulturelle und rassistische Stereotype obsessiv betont werden und dabei das Bild einer nicht existenten homogenen Gesellschaft entworfen wird. Postmigrantische Gesellschaften kennzeichnen sich aber auch dadurch, dass sie über diese obsessiven Diskurse hinausführen und neue Lebens- und Denkweisen erzeugen und ermöglichen. Der postmigrantischen Gesellschaft wird dabei die Auflösung der etablierten binären Kodierung in "Einheimische und Zuwanderer“ zugeschrieben. An die Stelle dieser Dichotomie treten vielfältige Formen gesellschaftlicher Beteiligung, neue Positionierungen sowie neue Allianzen. 
 
Im Rahmen der Tagung möchten wir uns mit dem Spannungsraum der postmigrantischen Gesellschaft auseinandersetzen und eine diversitätsbewusste sowie diskriminierungskritische Haltung für die Praxis der Sozialen Arbeit entwickeln.  
 
 

Programm

08:30 – 09:00 Uhr   Registrierung
Gebäude A, Aula

09:00 – 09:30 Uhr  
Start der Veranstaltung und Begrüßung
durch Carmen Hofer-Temmel

09:30 – 10:30 Uhr  

Keynote: Das Postmigrantische als Widerstand – Von der Hegemonie zur Alltagspraxis
durch Erol Yıldız, Univ- Prof. Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Institut für Erziehungswissenschaft

In seinem Vortrag setzt sich der Referent kritisch mit hegemonialen, migrationsbezogenen Wissenssystemen auseinander. Zudem wird für eine postmigrantische Lesart der Gesellschaft als politische Gegenbewegung plädiert. Im Gegensatz zu traditionellen Integrationsparadigmen wird Migration dabei als konstitutives Strukturprinzip moderner Gesellschaften verstanden, und binäre Kategorien wie „wir/sie” werden systematisch hinterfragt. Anhand postmigrantischer Allianzen und künstlerisch-politischer Praktiken wird aufgezeigt, wie Nachfolgegenerationen migrationsbezogene Erinnerungen neu verhandeln und als widerständiges Erfahrungs- und Wissenspotenzial nutzen. Durch diese Artikulationen werden hegemoniale Repräsentationsregime irritiert, dominante Vorstellungen von Zugehörigkeit verschoben und alternative Formen gesellschaftlicher Selbstverständigung eröffnet. Solche Praktiken können als „experimentelle Utopien” gelesen werden, die neue Perspektiven auf Demokratie, Zugehörigkeit und Zusammenleben eröffnen.

10:30 – 11:00 Uhr   Kaffeepause

11:00 – 12:00 Uhr  

Keynote: Wie arbeitet Vorarlberg im Themenfeld Migration, Integration und Diversität? Status quo, Entwicklung und Einordnung
durch Eva Grabherr, Geschäftsführerin OKAY. Integration und Vielfalt in Vorarlberg

Vorarlberg ist seit dem 19. Jahrhundert stark von Zuwanderung geprägt und zählt heute zu den Bundesländern mit hoher migrationsbedingter Diversität. Erst seit den 1990er-Jahren setzt sich das Land intensiver mit seiner Rolle als Einwanderungsgesellschaft auseinander und baut gezielt Strukturen und Angebote für Integration auf. Diese Entwicklung steht im Kontext eines breiteren europäischen Trends, in dem Migration, Integration und gesellschaftliche Diversität zu zentralen Themen in Politik und Verwaltung geworden sind. Der Vortrag beleuchtet die Entwicklung in Vorarlberg, ordnet sie ein und gibt einen Überblick über den aktuellen Status quo.

12:20 – 13:40 Uhr  

Mittagspause

14:00 – 16:30 Uhr  

Workshops - nur für angemeldete Studierende

 
 

Sprache

Deutsch

Publikum

Für die Keynotes am Vormittag stehen 40 Plätze für interessierte Teilnehmer:innen zur Verfügung. 

Teilnahme & Anmeldung

Die Teilnahme an der Tagung ist mit einer Gebühr von 25 Euro pro Person verbunden.

Informationen zur Anmeldung findest du in Kürze > unter diesem Link.

 

Soziale Arbeit in der postmigrantischen Gesellschaft: Divers...
08:30 Uhr
Donnerstag, 7. Mai 2026
FHV, Gebäude A, Aula / Foyer