Auszeichnung für Johanna Hefel
23.03.2026
Die Dornbirnerin Johanna Hefel hat den Masterstudiengang Klinische Soziale Arbeit aufgebaut, gründete mit Kolleg:innen der Bundesländer 2012 die Österreichische Gesellschaft für Soziale Arbeit (ogsa) und ist seit 2019 deren erste weibliche Präsidentin. 2019 wurde sie für ihre Dissertation zum Thema „Verlust, Sterben und Tod über die Lebensspanne“ mit dem österreichischen Wissenschaftspreis der Sozialen Arbeit ausgezeichnet. Für ihren autoethnographischen Beitrag hat sie den Best Abstract Award auf der "International Conference on Grief and Bereavement in Contemporary Society“ in Hong Kong erhalten. Hefel ist zudem Mitglied von nationalen und internationalen Gremien und auch im jüngst gebildeten Wissenschaftsbeirat von Hospiz Österreich. Das sind nur ein unvollständiger Auszug ihres beeindruckenden beruflichen Weges.
Große Anerkennung
Das Land rückt jährlich am Josefitag (19. März) Mitbürger:innen ins Rampenlicht, die sich für das Land, seine Menschen und die Gesellschaft insgesamt über einen längeren Zeitraum verdienstreich engagiert haben. „Für mich kam diese Auszeichnung vollkommen unerwartet. Insbesondere als feministische Frau empfinde ich die Auszeichnung als eine Wahrnehmung, Anerkennung und Wertschätzung meiner Professionalität, meines Engagements für die Profession und Disziplin der Sozialen Arbeit sowohl an der FHV, als auch österreichweit. Auf der Metaebene ist die Auszeichnung auch eine Anerkennung der Profession Soziale Arbeit“, freute sich Hefel.
Glückwünsche von der FHV
Hefel ist die zweite Professorin an der FHV, welche diese Auszeichnung erhalten hat. Die heutige FHV-Rektorin Regine Kadgien wurde 2022, damals noch Leiterin des Studiengangs Informatik, für ihr Engagement in der Begeisterung von Jugendlichen für MINT-Fächer und als Mit-Initiatiorin des Projekts „Code Base Camp Vorarlberg“ ausgezeichnet. „Ich freue mich sehr, dass Johanna Hefel das große Verdienstzeichen verliehen wurde. Es ist beeindruckend, was sie an der FHV und darüber hinaus mit ihrer Arbeit bewegt hat. Wir sind stolz, dass sie über zwei Jahrzehnte bis zu ihrer Pensionierung im Vorjahr an unserer Hochschule gelehrt und geforscht hat und dass sie heute noch als externe Dozentin lehrt. Dafür ein ganz großes Dankeschön und herzliche Gratulation zur Auszeichnung“, betont FHV-Rektorin Kadgien.
Glückwünsche gab es auch von FHV-Geschäftsführer Stefan Fitz-Rankl: „Johanna Hefel hat mit ihrem langjährigen Engagement in Lehre und Forschung die Soziale Arbeit an der FHV und darüber hinaus maßgeblich geprägt. Für ihren großen Einsatz und ihre fachliche Expertise gebührt ihr höchste Anerkennung. Ich gratuliere ihr herzlich zu dieser besonderen Auszeichnung.“
Bildung hatte im Umfeld von Johanna Hefel immer schon einen hohen Stellenwert. „Ich hatte gute förderliche Sozialisationsbedingungen. Ich bin mit einem gut gefüllten Rucksack von Werten, Selbstwirksamkeit und Widerstandskraft aufgewachsen“, ist Hefel im Rückblick dankbar für ihren Werdegang. Sie hat auf professioneller Ebene Pionierarbeit geleistet. Die internationale Soziale Arbeit in Lehre und Forschung war ein wichtiger Schwerpunkt in ihrem Berufsleben. „Die beruflichen Erfolge bedeuten insbesondere auch diszipliniertes Arbeiten, Ausdauer im Sinne von hartnäckigem Dranbleiben und Verzicht. Stolz bin ich auf meine erwachsenen Kinder, auf unsere Beziehung, dass sie mit mir diesen Weg gegangen sind und dass sie genau so sind wie sie sind“, betont die Preisträgerin.
Passion für Lehre und Forschung
An der FHV hat sie die Studiengänge Soziale Arbeit mitentwickelt. „Ich forsche und lehre gerne und die Arbeit mit den Studierenden ist nach wie vor eine Aufgabe, der ich mit Leidenschaft nachgehe. Ich habe Interesse an den Studierenden, wie sie die Welt betrachten, an ihren Erfahrungen und Ideen und das fließt in die Lehre mit ein“, so Hefel. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf tabuisierten Themen. Soziale Arbeit sieht sie stets auch politisch. Hefel war von Anbeginn an der Entwicklung des Sozialarbeits-Bezeichnungsgesetzes 2024 beteiligt und ist im aktuellen Prozess der Entwicklung eines Berufsgesetz für die Soziale Arbeit maßgeblich beteiligt.
Vernetzung wichtig
Eines möchte die Preisträgerin des großen Verdienstzeichens allen Frauen gerne noch mitgeben. „Traut euch stets etwas mehr zu, als ihr meint zu können und vernetzt euch mit anderen, die euch wohlgesonnen sind. Insbesondere kluge Frauen tendieren dazu, allzu selbstkritisch zu sein. Ich denke, dass wir Frauen berufliche Herausforderungen, bewusst angehen sollten. Insbesondere, wenn es um inhaltliche Positionierung und Leitungsfunktionen geht, sollten wir uns genau überlegen, für wen wir uns als Mentor:innen entscheiden. Es ist wichtig, sich zu positionieren, aber auch zu akzeptieren, dass andere möglicherweise Opposition einnehmen und das kann auch unangenehm sein“, so Hefel abschließend.
Zur Person
Prof.in (FH) Dr.in Johanna M. Hefel
- Geb. 1964, Professorin für Soziale Arbeit an der FHV (von 2004 bis 2025), Aufbau des Masterstudiengangs Klinische Soziale Arbeit, seit 2026 externe Dozierende an der FHV
- Studium Soziale Arbeit (Bregenz) und Erziehungs- und Bildungswissenschaften (Innsbruck); 2017 Dissertation an der Universität Innsbruck zum Thema „Verlust, Sterben und Tod über die Lebensspanne“ und 2019 Auszeichnung ihres Werks mit dem Österreichischen Wissenschaftspreis der Sozialen Arbeit
- Forschung zu Verlust, Sterben und Tod; Professionalisierung der Sozialen Arbeit; Digitalisierung und Soziale Arbeit; Best Abstract Award auf der "International Conference on Grief and Bereavement in Contemporary Society“ in Hong Kong
- Internationale Forschung und Lehre u. a. in Finnland und Großbritannien (Research Fellowship, University of Bath)
- Mitbegründerin und Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Soziale Arbeit (ogsa)
- Mitbegründerin und stellvertretende Vorsitzende des Trauerforschungsinstituts „kleine Blume e. V.“
- Engagement in nationalen und internationalen Fachgesellschaften, Gremien und im Hospizbereich; Mitglied im Wissenschaftsbeirat von Hospiz Österreich, Redaktion Online Journal Soziale Arbeit „soziales kapital“
Hier gehts zum Presseartikel des Landes Vorarlberg.