„Einzigartige Talente entfalten“
16.02.2026
Anna Knorr hat vor Kurzem die Fachbereichsleitung Wirtschaft an der FHV übernommen. Die ehemalige Studiengangsleiterin Nachhaltige Energiesysteme über ihre neue Position, die Vereinbarkeit von Karriere und Familie und die Perspektiven der Studierenden.
Du leitest den Fachbereich Wirtschaft an der FHV. Was ist dir in dieser Position besonders wichtig?
Anna Knorr: Wir stehen vor adaptiven Herausforderungen, die uns in eine Art "Grauzonen-Moment" versetzen. Die Probleme sind wandelbar, komplex und nicht immer lösbar, sondern müssen vielmehr navigiert werden. Ich sehe in einer solchen Zeit eine riesige Chance darin. als Expert:innen-Team am gleichen Strang zu ziehen, anstatt fragmentiert zu arbeiten. Das braucht Vertrauen, Transparenz und Raum für Mitgestaltung.
Die FHV versteht sich als praxisnahe Hochschule mit starker regionaler Verankerung und internationaler Ausrichtung. Welche strategischen Akzente möchtest du als Leiterin des Fachbereichs Wirtschaft setzen, um diesen Anspruch weiter zu stärken?
Anna Knorr: Wir bieten unseren Absolvent:innen ein regionales Netzwerk und befähigen sie gleichzeitig auf globaler Ebene. Wir geben ihnen mehr mit als Fachwissen. Handlungskompetenz, Reflektionsfähigkeit und evidenzbasierte Entscheidungskompetenz gehören für mich in alle unsere Programme verankert. Gepaart mit selbstgesteuerten und modularen Lernpfaden, sowie Lernen nach Arbeitsmarkt relevanten Kompetenzen machen wir Kompetenzentwicklung zum roten Faden.
Vorarlberg ist geprägt von international erfolgreichen KMU und Familienunternehmen. Wie kann der Fachbereich Wirtschaft zur Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft beitragen?
Anna Knorr: Unser Bildungsauftrag sieht vor, dass wir so vielen Studierenden wie möglich die Chance geben, ihre einzigartigen Talente zu entfalten. Gleichzeitig vermitteln wir Kompetenzen, mit denen sie einen positiven Beitrag in unserer Gesellschaft leisten können. Selbstführung ist für mich eine Kernkompetenz, wenn es um Employability in der wandelnden, regionalen Wirtschaft geht. Bei uns stärken sie diese in einem sicheren Umfeld. Die Studierenden entwickeln Selbstwirksamkeit und lernen, bei Veränderung handlungsfähig zu bleiben.
Die FHV verfolgt das Ziel, Lehre, angewandte Forschung und deren Transfer eng zu verzahnen. Inwieweit wird dieser Dreiklang im Fachbereich Wirtschaft weiterentwickelt?
Anna Knorr: Wir bewegen uns weg von der klassischen Lehre hin zum Erfahrungslernen. Dafür müssen wir unseren Studierenden den Raum geben, an kniffeligen Problemen zu arbeiten, eigene Untersuchungen durchzuführen, Erkenntnisse zu gewinnen, spielerisch auszuprobieren und auch zu scheitern. Genau das ermöglicht einen Dreiklang, der Wirkung erzeugt und direkt in regionale Organisationen zurückfließen kann.
Welche Bedeutung haben für dich zeitgemäße Führungsmodelle und flexible Rahmenbedingungen eines Arbeitgebers – auch im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Karriere und Familie?
Anna Knorr: Für mich ist die Vereinbarkeit von Karriere und Familie ein KO-Kriterium bei der Arbeitgeber:innenwahl. Ich bin Mutter und Führungskraft und ich weiß, dass „breaking through the glass ceiling“ nicht nur eine individuelle Leistung ist, sondern immer auch eine Frage von Rahmenbedingungen und Führungskultur. Mein Mann und ich arbeiten beide 80 Prozent und teilen uns die Betreuung 50:50. Damit das gelingt, braucht es Vertrauen, flexible Modelle und eine klare Orientierung an Ergebnissen statt starre Präsenzzeit. Wenn Arbeitgebende das ermöglichen, entstehen hohe Loyalität und die Bereitschaft, mehr zu liefern als erwartet.
Welche Perspektiven erwarten Studierende im Bachelor und Master des Fachbereichs Wirtschaft an der FHV nach ihrem Abschluss?
Anna Knorr: Unsere Absolvent:innen haben nach dem Abschluss Perspektiven, die über zukunftsorientiertes Fachwissen hinausgehen: soziale Mobilität, echte Gestaltungskraft, Resilienz, und die Fähigkeit, Verantwortung in Wirtschaft und Gesellschaft zu übernehmen. Am wichtigsten ist mir, dass unsere Absolvent:innen wissen, wofür sie stehen und was sie leisten können. Und dass sie den Mut haben, alte Denkweisen zu hinterfragen und neue Wege zu gehen.
Vielen Dank für das Gespräch!
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