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„Studium war prägend und stimmig“

26.01.2026
Nikolas Burtscher, FHV-Alumnus der Sozialen Arbeit, ist heute Geschäftsführer der ifs Beratungsstelle Bregenz und Leiter der Regionalen Sozialberatung. Im Interview gibt er Einblicke in seinen Beruf und rät Studierenden, auch unbequeme Erfahrungen als Lernchance zu nutzen.
 
Du hast eine spannende Position inne. Welche Aufgaben bestimmen deinen Berufsalltag?

Nikolas Burtscher:
Ich bin ich für die fachliche, organisatorische und personelle Leitung verantwortlich. In der Praxis bedeutet das, dass ich gemeinsam mit meinem Team niederschwellige Erstberatung, Krisenintervention, psychologische Beratung, Existenzsicherung sowie Flüchtlingscoaching sicherstelle. Darüber hinaus gehören Teamführung, Qualitätsentwicklung, konzeptionelle Arbeit und die enge Vernetzung im regionalen Sozialraum zu meinen zentralen Aufgaben.

 
Welche Herausforderungen sind damit verbunden?

Nikolas Burtscher:
Eine zentrale Herausforderung ist es, mit steigenden sozialen Problemlagen und zunehmender Komplexität der Fälle umzugehen, während Ressourcen begrenzt bleiben. Besonders anspruchsvoll ist es, niederschwellige Angebote wie Erstberatung, Krisenintervention, psychologische Beratung, Existenzsicherung und Flüchtlingscoaching dauerhaft in hoher Qualität sicherzustellen und gleichzeitig Mitarbeitende vor Überlastung zu schützen.


Und welche Chancen siehst du?

Nikolas Burtscher: Ich kann soziale Arbeit aktiv mitgestalten, Angebote weiterentwickeln und fachliche Qualität sowie Wirksamkeit sichtbar machen. Durch die enge Vernetzung im Sozialraum und die Zusammenarbeit mit vielen Systempartner:innen können nachhaltige Lösungen entstehen, die Menschen in schwierigen Lebenslagen rasch und wirkungsvoll unterstützen und soziale Arbeit als zentrale Säule der Daseinsvorsorge stärken.
 

Wie hat dich das Studium an der FHV auf deinem Erfolgsweg unterstützt?

Nikolas Burtscher:
Das Studium hat mich sehr gut auf meine heutige Tätigkeit beim ifs vorbereitet. Insbesondere auf die Verbindung von fachlicher Arbeit, Verantwortung und Steuerung. Ich habe gelernt, soziale Problemlagen differenziert zu analysieren, professionell zu reflektieren und Entscheidungen fachlich zu begründen. Diese Kompetenzen sind in der Regionalen Sozialberatung und in der Arbeit mit Krisen, Existenzsicherung und psychologischer Beratung zentral.
 
 
Gibt es dazu eine konkrete Erfahrung?

Nikolas Burtscher:
Ja, und sie wirkt bis heute nach: Das systemische Denken und der Fokus auf Vernetzung haben mir den Blick dafür geöffnet, dass soziale Arbeit nicht beim einzelnen Fall endet. Genau dieses Verständnis brauche ich heute als Leiter der Beratungsstelle Bregenz beim ifs, wenn es darum geht, Erstberatung, Krisenintervention und unterschiedliche Unterstützungsangebote sinnvoll zu steuern und im Sozialraum zu verankern.
Auch mein früherer Job als Geschäftsführer der Selbsthilfe Vorarlberg knüpfte daran an: Die im Studium erlernte Haltung, Menschen als Expert:innen ihrer eigenen Lebenssituation ernst zu nehmen, unterstützt mich dabei, Brücken zwischen professioneller Sozialarbeit im ifs und Selbsthilfe zu bauen. Insgesamt hat mich das Studium fachlich, reflexiv und persönlich gut auf Führungsverantwortung im sozialen Bereich vorbereitet.
 
 
Was hat dich damals motiviert, an der FHV ein Studium zu starten?

Nikolas Burtscher:
Mich hat der Wunsch motiviert, soziale Arbeit fundiert, professionell und mit Wirkung auszuüben. Die FHV bot mit dem ersten berufsbegleitenden Bachelorstudiengang die Möglichkeit, Studium und Praxis eng zu verbinden. Das war für mich ausschlaggebend. Parallel zur beruflichen Tätigkeit zu studieren, war fordernd, hat mir aber früh geholfen, theoretische Inhalte direkt in der Praxis zu reflektieren und anzuwenden.
 
 
Du hattest dich für den Master Soziale Arbeit mit der Vertiefung Sozialraumarbeit entschieden?

Nikolas Burtscher: Ja, das hatte ich bewusst gewählt, um meinen Blick zu erweitern. Weg vom einzelnen Fall hin zu Strukturen, Netzwerken und sozialräumlichen Zusammenhängen. Dieses Wissen ist heute besonders relevant für meine Tätigkeit beim ifs, etwa in der Regionalen Sozialberatung, der Steuerung von Erstberatung und Krisenintervention sowie in der Vernetzungsarbeit.
 
 
Wie siehst du deine Wahl im Rückblick?

Nikolas Burtscher:
Im Rückblick war die Entscheidung für dieses Studium prägend und sehr stimmig. Der berufsbegleitende Bachelor und der darauf aufbauende Master haben mir ein solides fachliches Fundament, eine reflektierte Haltung und die Kompetenz vermittelt, soziale Arbeit nicht nur auszuführen, sondern aktiv mitzugestalten. Die Vereinbarkeit von berufsbegleitendem Studium und Berufstätigkeit war anspruchsvoll, aber gut machbar. Vor allem dank der großen Unterstützung meiner Dienstgeber:innen.

 
Neben dem Studium warst du ehrenamtlich für die ÖH tätig?

Nikolas Burtscher:
Ich habe das Queerreferat geleitet. Meine Aufgaben lagen vor allem darin, Sichtbarkeit für queere Themen zu schaffen, Sensibilisierungsarbeit zu leisten und Studierende zu unterstützen, die Diskriminierung oder Ausgrenzung erlebt haben. Das war nicht immer konfliktfrei, gerade weil queere Themen bei einigen Studierenden auch auf Unverständnis gestoßen sind.
 
 
Wie siehst du diese Erfahrungen heute?

Nikolas Burtscher:
Herausfordernd, aber sehr lehrreich. Ich habe dabei gelernt, Haltung zu zeigen, gleichzeitig dialogfähig zu bleiben und mit unterschiedlichen Perspektiven professionell umzugehen. Rückblickend haben mich genau diese Situationen in meiner persönlichen und fachlichen Entwicklung stark geprägt.
Das Engagement in der ÖH hat mein Studium wesentlich ergänzt und mir früh gezeigt, wie wichtig es ist, soziale Verantwortung zu übernehmen, auch dann, wenn Themen unbequem sind. Eine Kompetenz, die mich bis heute in meiner Arbeit beim ifs begleitet.
 
 
Welchen Tipp hast du für andere aktuell Studierende in Bezug auf eine erfolgreiche Karriereplanung?

Nikolas Burtscher:
Mein wichtigster Tipp ist: bei sich bleiben. Nicht jeder Weg ist geradlinig, und nicht alles fühlt sich sofort richtig oder angenehm an. Gerade im Studium und in den ersten Berufsjahren lohnt es sich, auch unbequeme Erfahrungen anzunehmen, zuzuhören und daraus zu lernen. Erfolgreiche Karriereplanung bedeutet für mich nicht, alles zu vermeiden, was schwierig ist, sondern aus herausfordernden Situationen das Beste zu machen, Haltung zu entwickeln und den eigenen Kompass nicht zu verlieren. Wer offen bleibt, reflektiert und Verantwortung übernimmt, findet seinen Weg. Oft anders als geplant, aber nachhaltig.

 
Möchtest du noch etwas teilen?

Nikolas Burtscher:
Ich habe das Studium an der FHV genossen. Die Studienzeit war fachlich wie persönlich prägend. Besonders bewusst ist mir im Rückblick, dass es nicht selbstverständlich ist, ein qualitativ hochwertiges Studium ohne Studiengebühren absolvieren zu können. Mein Dank gilt den engagierten Dozierenden sowie dem großen Netzwerk, das ich während des Studiums aufbauen durfte und das mich bis heute begleitet. Diese Verbindungen, der fachliche Austausch und die gemeinsame Haltung sind ein wesentlicher Teil dessen, was ich aus der FHV-Zeit mitgenommen habe.

 
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