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Delegieren wir Verantwortung an KI?

18.03.2026
Künstliche Intelligenz (KI) trifft zunehmend Entscheidungen, die früher Menschen vorbehalten waren – auch in sensiblen Bereichen. Doch wann sind wir bereit, Verantwortung an KI abzugeben, und wie bewerten Betroffene solche Entscheidungen?

 

Das preisgekrönte Paper von Blum Stiftungsprofessorin Sabrina Schneider von der FHV und Elena Freisinger von der Ilmenau University of Technology, ausgezeichnet als bestes publiziertes Paper im European Management Journal, beleuchtet genau diese Fragen. Es untersucht Fälle mit erheblichen moralischen und sozialen Konsequenzen – wie Massenentlassungen oder Werksschließungen – und zeigt, wie Menschen auf Entscheidungen reagieren, die von KI getroffen werden.

Wer delegiert – und warum?

Die Ergebnisse machen deutlich: Die Rolle beeinflusst die Delegationsbereitschaft stark.
Wer für sich selbst entscheidet, ist eher bereit, schwierige Entscheidungen an eine KI zu übertragen. 
Wer stellvertretend für andere entscheidet, zeigt deutlich mehr Zurückhaltung, denn hier steht die Verantwortung gegenüber Dritten im Vordergrund.

Überraschend ist die Perspektive der Betroffenen: Viele bevorzugen nicht automatisch menschliche Entscheider:innen. Die divergierenden Erwartungen zwischen Entscheidenden und Betroffenen verdeutlichen, wie komplex Fragen nach Verantwortung, Legitimität und Fairness im KI-Kontext sind.

 

Warum KI-Delegation heikel bleibt

Die Studie zeigt, dass Effizienz allein nicht genügt. Bei Entscheidungen mit moralischem Gewicht stellen sich Fragen nach Verantwortung, Transparenz und sozialer Wirkung. KI bleibt für viele eine „Black Box“ und jeder Fehler kann Vertrauen beschädigen. Gleichzeitig können kleine, harmlose Fehlleistungen paradoxerweise Vertrauen fördern, weil sie die Technologie menschlicher erscheinen lassen.

 

Sabrina Schneider: „Wir müssen verstehen, wie KI funktioniert“

Für einen verantwortungsvollen KI-Einsatz braucht es mehr als technische Kompetenz. „Gesellschaft und Unternehmen brauchen eine solide Basis an AI Literacy. Niemand muss selbst programmieren können, aber verstehen, wie KI funktioniert, lernt und wo ihre Grenzen liegen, ist essenziell“, davon ist Sabrina Schneider überzeugt.
Darüber hinaus braucht es kritisches Mitdenken: Hinterfragen, reflektieren, Risiken erkennen. Bildung ist der Schlüssel. Dies bedeutet, nicht nur technisches Wissen zu erwerben, sondern auch ethische und soziale Kompetenzen, um KI verantwortungsvoll einzusetzen.

„KI ist keine neutrale Helferin, sondern eine Akteurin, die unsere Arbeitswelt verändert. Wir müssen lernen, wann wir Verantwortung abgeben und wann wir sie bewusst behalten“, fasst Schneider zusammen.

 

Fazit

KI verändert nicht nur Arbeitsprozesse, sondern auch unser Verständnis von Verantwortung. Die zentrale Frage lautet daher nicht, ob wir Entscheidungen an KI delegieren, sondern wie wir sicherstellen, dass Menschlichkeit und Fairness dabei erhalten bleiben. Genau hier beginnt die eigentliche Herausforderung und zwar für Unternehmen, Politik und jede einzelne Person.

 

Link zum Paper:

Decoding decision delegation to artificial intelligence: A mixed-methods study on the preferences of decision-makers and decision-affected in surrogate decision contexts - ScienceDirect

 

Kontakt:


Mitarbeiterfoto von Schneider Sabrina | © Nina Bröll / FHV


Dr.in Sabrina SCHNEIDER
Leiterin Forschungsgruppe Digitale Business Transformation und Blum Stiftungsprofessorin

+43 5572 792 3881
sabrina.schneider@fhv.at