"Im Gespräch mit Benedikt Reick"
10.06.2026
Was hat dich persönlich zur Mechatronik und in die Forschung geführt?
Zur Mechatronik bin ich eigentlich ganz natürlich gekommen: vom Maschinenbau über die Fahrzeugelektrifizierung hin zur Schnittstelle von Mechanik und Elektrotechnik, also genau dort, wo ich heute arbeite. In die Forschung hat mich vor allem meine Neugier geführt. Der Wunsch, Technologien wirklich zu verstehen und der Frage näherzukommen, was die Welt im Innersten zusammenhält, der war bei mir schon immer da.
Was fasziniert dich an deiner Rolle als Studiengangsleiter Mechatronik M.Sc. und interimistischer Leiter der Forschungsgruppe Smart Engineering Technologies besonders?
Mich fasziniert die enge Verbindung von Forschung und Lehre. Junge Menschen auf ihrem Weg zu begleiten – vom Bachelor über den Master bis hin zur eigenen Forschung – und zu sehen, wie sie zu selbstbewussten Expert:innen wachsen, ist für mich etwas ganz Besonderes.
Was treibt dich in deiner Arbeit an?
Mich treibt die Freude an, junge Menschen hochwertig auszubilden und sie dabei zu unterstützen, ihren eigenen Weg in Technik, Forschung und Entwicklung zu finden.
Woran arbeitet eure Forschungsgruppe aktuell und was macht eure Arbeit besonders?
Wir arbeiten derzeit in drei Themenfeldern, die in der Mechatronik sehr gut zusammenpassen: an Elektronik für Sensoren und Messsysteme, an Modellen technischer Systeme – etwa für Verbrauchsprognosen im elektrischen Schwerlastverkehr – sowie an neuen Materialien und innovativen Fertigungsverfahren wie dem Metall-3D-Druck.
Was uns besonders macht, ist das Zusammenspiel dieser Disziplinen und unser vernetztes Arbeiten. So fließen etwa Erkenntnisse aus der Entwicklung energieeffizienter Elektronik direkt in die Optimierung komplexer Energiesysteme ein, beispielsweise in Logistikzentren mit Photovoltaik und Batteriespeichern.
Eine wichtige Rolle spielt auch die enge Zusammenarbeit mit anderen Forschungszentren an der FHV, im Speziellen mit dem Forschungszentrum Mikrotechnik und dem Forschungszentrum Energie. Dadurch entstehen ganzheitliche Lösungen – von der Sensorik bis zur Systemoptimierung –, die unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen. Gleichzeitig trägt unsere Arbeit zur Nachhaltigkeit bei: etwa durch energieeffiziente Elektronik, durch Umweltsensorik zur Verbesserung der Trinkwasserqualität oder durch Modelle, die Unternehmen helfen, Energie und Mobilität fundierter und nachhaltiger zu gestalten.
Was macht diese Projekte aus deiner Sicht besonders spannend oder zukunftsweisend?
Die Elektrifizierung der Mobilität begleitet mich schon seit dem Studium und war auch Thema meiner Promotion. Über diesen Weg bin ich immer stärker zur Elektronik gekommen.
Mich hat früh beschäftigt, dass Schlüsseltechnologien wie Batterien oder Batteriemanagementsysteme oft einfach zugekauft werden. Deshalb haben wir begonnen, solche Systeme selbst zu entwickeln und daraus ist meine Begeisterung für Elektronikdesign entstanden.
Meiner Ansicht nach stehen wir heute an einem spannenden Punkt: Elektromobilität ist weit entwickelt, die großen Fragen liegen im nachhaltigen Betrieb, in stabilen Netzen und resilienten Wertschöpfungsketten. Gleichzeitig treiben Digitalisierung und KI den Energiebedarf weiter nach oben.
Für mich ist klar: Wir sollten technologische Schlüsselkompetenzen im Bereich neuer Werkstoffe, Software und Elektronik wieder stärker selbst aufbauen. Genau darin liegt etwas sehr Zukunftsweisendes und zugleich Nachhaltiges.
Welche Entwicklungen sind entscheidend, um nachhaltige Technologien voranzubringen – und worauf kommt es dabei aus deiner Sicht besonders an?
Ich glaube, es ist an der Zeit, ein Stück verlorenes Selbstverständnis wiederzubeleben. Wir sollten stolz auf Technologien „made in Austria“ oder „made in the EU“ sein. Wirklich gut wird man nur in dem, was man auch selbst entwickelt und kontinuierlich verbessert.
Das gilt in der Technik genauso wie im Sport oder in der Musik: Niemand gewinnt mit der Haltung, das Training anderen zu überlassen. Wenn wir nachhaltige Technologien wirklich voranbringen wollen, müssen wir den Mut haben, sie selbst zu entwickeln, zu erproben und weiterzudenken, darin liegt für mich der entscheidende Hebel.
Woran arbeitest du aktuell besonders gerne – und was würdest du jungen Menschen mitgeben, die sich für Technik und Forschung interessieren?
Im Moment beschäftige ich mich intensiv mit der Weiterentwicklung unserer Forschungsgruppe und der Überarbeitung des Masterstudiengangs Mechatronics. Mein Ziel ist es, ein Umfeld zu schaffen, in dem wir gute Ideen praktisch erproben, starke Projekte entwickeln und Schritt für Schritt mehr eigene Gestaltungskraft aufbauen.
Besonders wichtig ist mir, Forschung und Lehre noch enger zu verzahnen und jungen Menschen früh den Zugang zur Forschung zu ermöglichen.
Mein Rat: Einfach vorbeikommen, Ärmel hochkrempeln und mitmachen. Technik und Forschung leben davon, dass man ausprobiert, mitdenkt und gemeinsam etwas gestaltet.
Zur Person
Benedikt Reick ist Studiengangsleiter Mechatronics M.Sc. und interimistischer Leiter der Forschungsgruppe Smart Engineering Technologies an der FHV. Nach einem Maschinenbaustudium und mehreren Jahren in der Fahrzeugelektrifizierung liegt sein Forschungsschwerpunkt an der Schnittstelle von Elektrotechnik, Systemmodellierung und neuen Materialien. Neben seiner Forschung engagiert er sich besonders in der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und der Verbindung von Forschung und Lehre.
Kontakt
![]()
Prof. (FH) Dr.-Ing. Benedikt Reick
Studiengangsleiter Masterstudiengang Mechatronics,
Leiter Forschungsgruppe Smart Engineering Technologies
+43 5572 792 3581
benedikt.reick@fhv.at