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Mechatronik kennt keine Grenzen

17.02.2026
Studierende des berufsbegleitenden Bachelorstudiengangs Mechatronik an der FHV entwickelten einen elektrisch angetriebenen Einachsschlepper für eine Schulungsfarm in Kinyambulunge in Tansania.
 
Daniel Bickel, Markus Erhard und Philipp Rigo wandten in diesem Projekt ihr interdisziplinäres Verständnis aus dem Mechatronik-Studium erfolgreich an. Über einen Kontakt der Vorarlberger NGO „Eine Welt Gruppe Schlins und Röns“ (EWG) erreichte das Team die Anfrage, einen Schlepper mit Verbrennungsmotor auf einen Elektroantrieb umzurüsten. Ein Fahrzeug, das es so noch nicht gab. „Wir fanden die Idee so spannend, dass wir auf unseren Studiengangsleiter Reinhard Schneider zugegangen sind und daraus unser Projekt für das vierte Semester gemacht haben.“ In Tansania agierte die Organisation RDO als Partnerin. Zudem unterstützten verschiedenen Unternehmen aus der Region das Vorarlberger NGO mit Geld- oder Sachspenden.
 
 

Mechatronik in Reinform

Die Grundlage für das Vorhaben bildete eine bereits existierende Photovoltaik-Anlage, die durch ein früheres Projekt der NGO installiert wurde und ausreichend lokalen Solarstrom erzeugt. Das Team ging dabei stufenweise vor: Zunächst wurde ein erster Prototyp im Rahmen des FHV-Projekts entwickelt, bevor schließlich ein zweiter Schlepper direkt vor Ort in Tansania aufgebaut wurde. In der Umsetzung ihres Projekts griffen mechanische Konstruktion, Elektrik, Akku, Steuerung und Projektmanagement ineinander. „Dieses Projekt ist Mechatronik in Reinform. Ohne das interdisziplinäre Verständnis aus dem Studium hätten wir die komplexen Schnittstellen nicht lösen können“, betont das Trio unisono. Nun dient das Lehr- und Arbeitsgerät in Tansania in der landwirtschaftlichen Ausbildung.

 

Arbeiten mit vielen Unbekannten

Die größte Herausforderung war die Distanz: „Wir haben ein System für ein Fahrzeug entwickelt, das 7000 km entfernt steht, ohne genaue technische Daten. Tansania war sozusagen eine ‚Black Box‘. Dazu kamen Logistik, Arbeiten mit begrenzten Werkzeugen vor Ort und Sprachbarrieren. Improvisation war also gefragt. Aber unser Einsatz hat sich gelohnt. Was uns am meisten begeisterte, war der Moment, als der Schlepper in Tansania das erste Mal gestartet wurde und funktionierte. Das war unbezahlbar“, betont Philipp Rigo.

Daneben war auch die Reise nach Tansania ein Abenteuer. Durch die Umsetzung dieses Projekts zeigte sich ein echter Mehrwert in der Verknüpfung von Theorie und Praxis. Daniel Bickel, Konstrukteur bei Walser Fahrzeugbau, war für die mechanische Konstruktion zuständig, Markus Erhard, Steuerungs- und Regelungstechniker beim Dorfinstallateur, verantwortete Elektrik und Akku, und Philipp Rigo, Mechatroniker bei EHR Fahrzeugtechnik, übernahm das Projektmanagement sowie die technischen Schnittstellen. Unterstützung erhielten sie beim Fertigen des ersten Prototypen auch administrativ durch Studierende aus dem zweiten Semester des Bachelorstudiengangs Mechatronik an der FHV.
 
 

Partner:innen gesucht

In den Bachelorarbeiten im sechsten und letzten Semester wird der Schlepper von den Studierenden weiterentwickelt. Daniel überarbeitet die Konstruktion des Schleppers, Markus entwirft ein Batterie-Lade-Management und Philipp entwickelt ein Konzept für eine „Micro-Factory“, um den Schlepper künftig direkt vor Ort in Kleinserie produzieren zu können. „Wenn sich das Konzept bewährt, streben wir eine Firmengründung an, um das Projekt langfristig umzusetzen. Dafür sind wir aktuell auf der Suche nach Unterstützer:innen und Partner:innen für die Pilotphase“, lädt Philipp Interessierte ein sich zu melden.

 

Kontakt:

Mehr Infos über die “Eine Welt Gruppe” und zum Projekt gibt es hier: https://www.eineweltgruppe.at/post/elektrifizierung-landwirtschaftlicher-maschinen