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Nachhaltigkeit an der FHV: Kein Trend, sondern Auftrag

05.03.2026
Nachhaltigkeit lebt von Kooperation. Ein Gespräch über Verantwortung, gemeinsames Weiterdenken und die Rolle der Hochschulen.

Nachhaltigkeit ist leiser geworden. Während sie vor ein paar Jahren noch im Rampenlicht des gesellschaftlichen Diskurses stand, scheint sie heute eine Nebenrolle zu spielen. Eigentlich hätte sie das Potenzial, die Gesellschaft hinter einem gemeinsamen Ziel zu vereinen. In der Realität scheint sie jedoch oft zu polarisieren. Dennoch, eines ist gewiss: Die Klimakrise macht keine Pause. Zudem machen schwindende Ressourcen, der Verlust der Artenvielfalt und soziale Ungleichheiten entschlossenes Handeln erforderlich. Da stellt sich die Frage, wie Hochschulen mit dieser Situation umgehen. 

Im Gespräch mit Beate Pawle, verantwortlich für Nachhaltigkeit an der FHV und stellvertretende Obfrau des Vereins Bündnis Nachhaltige Hochschulen, erfährst du, wie Nachhaltigkeit abseits von Trends in Lehre, Forschung und Hochschulverwaltung diskutiert und erforscht wird und welche Rolle Nachhaltigkeit im Alltag der FHV spielt.


Nachhaltigkeit scheint in vielen Bereichen der Gesellschaft an Stellenwert verloren zu haben. Wie nimmst du diese Entwicklung wahr?

Ich sehe darin gerade für Hochschulen einen klaren Auftrag: Wir müssen Bewusstsein schaffen, Orientierung geben und zeigen, dass Nachhaltigkeit keine Option ist, sondern die Grundlage für langfristige Wettbewerbsfähigkeit und zugleich für eine lebenswerte und zukunftsfähige Gesellschaft. 

Ein Teil dieser Verantwortung liegt in einer starken Wissenschaftskommunikation. Erkenntnisse müssen verständlicher erklärt und einfacher zugänglich gemacht werden. Nur wenn sie in die Breite getragen werden, können sie gesellschaftliche Wirkung entfalten – jenseits von Fachkreisen. Zugleich bilden wir die Fach- und Führungskräfte von morgen aus, die als Multiplikator:innen nachhaltiges Denken und Handeln in Unternehmen, Institutionen und gesellschaftliche Strukturen hineintragen.

Nachhaltigkeit ist weit mehr als ein moralischer Anspruch. Sie ist eine Grundlage für unsere Zukunftsfähigkeit: Das oft bemühte Narrativ eines vermeintlichen Gegensatzes zwischen „Wirtschaft“ und „nachhaltiger Entwicklung“ trägt nicht. Lösungen für ökologische und soziale Herausforderungen sind keine Bremse, sondern Voraussetzung für eine langfristig erfolgreiche Wirtschaft.


Seit Herbst 2025 bist du stellvertretende Obfrau des Vereins Bündnis Nachhaltige Hochschule, was sind eure Tätigkeitsfelder und welche Akzente möchtest du setzen?

Im Bündnis Nachhaltige Hochschulen verfolgen wir das Ziel, Nachhaltigkeit im Sinne der UN Nachhaltigkeitsziele ganzheitlich in Lehre, Forschung, Hochschulmanagement und Kooperation zu verankern. Unser Anspruch ist es, Nachhaltigkeit systematisch in alle Bereiche zu integrieren – von einzelnen Lehrveranstaltungen bis hin zur Hochschulentwicklung.
 
Besonders wichtig ist mir dabei die Vernetzung und der kooperative Austausch. Gerade in Zeiten, in denen oft Abgrenzung und Wettbewerb dominieren, bringt uns aus meiner Sicht nur das Miteinander weiter. Nachhaltigkeit lebt davon, Erfahrungen zu teilen, voneinander zu lernen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Das ist ein kontinuierlicher Prozess des Lernens und Handelns – und genau dafür bietet das Bündnis den idealen Raum.


Die FHV hat gemeinsam mit der F.M. Hämmerle Holding AG den VN-Klimaschutzpreis für die nachhaltige Gestaltung des Campus-Geländes erhalten. Was zeichnet das Projekt aus?

Die FHV hat bei der gesamten Weiterentwicklung des Campus mit Sanierungen, Aufstockung und Neubau besonderen Wert auf ökologische und soziale Aspekte gelegt. Ein Projekt im Rahmen der Außengestaltung war die Entsiegelung des Bereichs vom „Sägenplatz“ bis zum Hauptgebäude. Dabei wurden 20 bestehende Parkplätze rückgebaut und in klimaresiliente Aufenthaltsbereiche umgewandelt. Diese Bereiche fördern die Biodiversität, bieten Raum für Begegnungen und schaffen gleichzeitig klimaresiliente Orte. Das Projekt ist ein gelungenes Beispiel für gelebten Klimaschutz und wirksame Kooperationen, weil es über Eigentumsgrenzen hinweg realisiert wurde. Ein Teil der Fläche befindet sich im Eigentum der F.M. Hämmerle Holding AG, die das Vorhaben aktiv mitgetragen und unterstützt hat.


Der Campus ist das eine, aber wie erleben Studierende darüber hinaus, dass Nachhaltigkeit an der FHV gelebt wird?

Nachhaltigkeit ist für Studierende an der FHV auf unterschiedlichen Ebenen erlebbar. Fachlich hängt dies vom jeweiligen Studiengang ab: Während sie in einigen Studienrichtungen – etwa durch Green Technology, Energie, Mobilität oder zukunftsfähiges Management – einen inhaltlichen Schwerpunkt bildet, wird sie in anderen Studiengängen vor allem aus gesellschaftlicher oder sozialer Perspektive thematisiert. 
Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass acht Studierende aus unterschiedlichen Bachelor- und Masterstudien der FHV letztes Jahr für ihre Abschlussarbeiten mit dem KLIMA BILDUNG AWARD der Plattform KLIMACENT ausgezeichnet wurden.
Darüber hinaus zeigt sich Nachhaltigkeit auch in der Art, wie gelernt und gelehrt, zusammengearbeitet und Verantwortung übernommen wird. Ein Beispiel dafür sind die Future Skills, die in allen Studiengängen vermittelt werden. Kompetenzen wie systemisches Denken, interdisziplinäre Zusammenarbeit, kritisches Hinterfragen oder der bewusste Umgang mit Ressourcen befähigen Studierende, mit komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen umzugehen. Nachhaltigkeit zeigt sich also nicht nur in Inhalten, sondern auch in Haltungen und Kompetenzen, die Studierende während ihres Studiums entwickeln.


Du sagst, Nachhaltigkeit lebt von Kooperation und gegenseitigem Lernen, wie förderst du diesen Austausch als Verantwortliche für Nachhaltigkeit an der FHV?

Am 14. April 2026 findet an der FHV erstmals ein Nachhaltigkeitstag statt, der unter anderem von mir initiiert wurde. Das Programm wird vor allem durch Studierende sowie Kolleg:innen aus Lehre, Forschung und Hochschulservices gestaltet. 
Der Nachhaltigkeitstag soll zeigen, wie vielfältig Nachhaltigkeit an der FHV bereits gelebt wird – in Projekten, Initiativen, Forschungsarbeiten oder im Hochschulalltag. In erster Linie richtet er sich an Studierende und Mitarbeitende der FHV, aber auch externe Personen können sich gerne bei mir melden, wenn sie an Workshops oder Vorträgen teilnehmen möchten. 
Nachhaltigkeit entsteht aus Dialog und dem Zusammenspiel vieler Akteur:innen – dafür bieten wir eine Plattform und dazu möchte ich einen wirksamen Beitrag leisten.


Was gibt dir Energie, das Thema weiter voranzutreiben?

Wie bei jedem Herzensanliegen gibt es auch hier Herausforderungen. Doch im Bereich Nachhaltigkeit überwiegen für mich die positiven Erfahrungen: das Commitment unserer Hochschulleitung, das Engagement vieler Kolleg:innen – etwa beim Nachhaltigkeitstag – und der konstruktive Austausch im Bündnis Nachhaltige Hochschulen und darüber hinaus.
Besonders schätze ich die Vielfalt an Perspektiven und die Möglichkeit, mich weiterzuentwickeln und einzubringen – sei es in der Lehre, im Austausch mit Studierenden wie beim Klimapuzzle, über Schnittstellen zur Forschung, in der Zusammenarbeit mit Kolleg:innen oder im Bündnis. Wichtig ist mir dabei eine lösungsorientierte Haltung, die den Blick nach vorne richtet. Auch das Gefühl von Selbstwirksamkeit, zu erleben, dass auch kleine Beiträge Wirkung zeigen, ist Motivation. 
Darin sehe ich auch unseren Auftrag als Hochschule und meine persönliche Verantwortung, nachhaltige Entwicklung aktiv mitzugestalten und zu wirken.


Zur Person

Beate Pawle ist seit 2016 an der FHV als Assistentin der Geschäftsführung und seit 2024 als Verantwortliche für Nachhaltigkeit an der FHV. Seit Oktober 2025 ist sie stellvertretende Obfrau des Vereins Bündnis Nachhaltige Hochschulen.


 

Nachhaltigkeitstag an der FHV am 14. April 2026


Gelegenheit zum Austausch, zum Vernetzen und gemeinsamen Weiterdenken

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Programm ansehen (PDF)

Interessierte können sich anmelden bei Beate Pawle beate.pawle@fhv.at