Vertrauenswürdige KI: Der europäische Weg als Standortvorteil
23.03.2026
Das neu gegründete Transferzentrum für Privacy Engineering an der FHV - in Kooperation mit Salzburg Research - wird über Mittel des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung für Investitionen in Beschäftigung und Wachstum (IWB/EFRE) gefördert und beschäftigt sich genau mit dieser Frage: Wie kann der europäische Weg zum Wettbewerbsvorteil werden? Ziel ist es, technische Lösungen und wissenschaftlich fundierte Methoden für privatsphärenfreundliches maschinelles Lernen zu entwickeln und Unternehmen in der Region dabei zu unterstützen, Datenschutz und KI-Innovation miteinander zu verbinden.
„Vertrauenswürdige KI ist kein Hindernis, sondern ein klarer Standortvorteil für Europa. Mit unserem Transferzentrum zeigen wir Unternehmen, wie sich Datenschutz und KI-Innovation verbinden lassen und dadurch nachhaltige Wettbewerbsvorteile entstehen“, betont Guido Kempter, Leiter des Forschungszentrums Human-Centred Technologies (HCT).
Warum ein Transferzentrum für Privacy Engineering?
Die Digitalisierung schreitet rasant voran, und mit ihr die Nutzung sensibler Daten – sei es in der Gesundheitsversorgung, in der Industrie oder im Handel. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit. Das Transferzentrum für Privacy Engineering bündelt Kompetenzen in den Bereichen Data Safety, Data Security und Data Ethics und entwickelt Lösungen, die technologisch innovativ und zugleich ethisch, rechtlich und wissenschaftlich fundiert sind.
Neben der Forschung wird gezielt Transferkompetenz aufgebaut: Unternehmen, Organisationen und öffentliche Stellen sollen aktiv in die Nutzung und Weiterentwicklung datenschutzfreundlicher Technologien eingebunden werden. Damit wird das Zentrum nicht nur ein Ort wissenschaftlicher Expertise, sondern auch ein Impulsgeber für verantwortungsvolle Digitalisierung in der Region.
Im Gespräch mit Patrick Jost, Projektleiter des Transferzentrums Privacy Engineering am Forschungszentrum HCT der FHV: „Privacy Engineering als Schlüssel für Europas KI-Strategie“
Warum ist das Thema ‚vertrauenswürdige KI‘ gerade jetzt so entscheidend für Europa und für die Region Vorarlberg?
Europa hat mit dem AI Act und der DSGVO klare Regeln geschaffen, die Grundrechte schützen. Das ist ein starkes Signal für verantwortungsvolle Digitalisierung. Gleichzeitig müssen wir zeigen, dass Regulierung Innovation nicht verhindert, sondern fördert. Wir wollen technische Lösungen entwickeln, die Datenschutz und KI-Innovation verbinden.
Viele sehen Regulierung als Innovationsbremse. Du sagst, sie ist ein Wettbewerbsvorteil. Warum?
Weil Vertrauen ein entscheidender Faktor ist. Unternehmen, die nachweislich sichere und ethische KI-Systeme einsetzen, haben einen klaren Vorteil, gerade in sensiblen Bereichen wie Gesundheit oder Industrie. Europa kann hier Vorreiter sein.
Welches Ziel verfolgt das Transferzentrum konkret?
Wir entwickeln Methoden und Algorithmen für privatsphärenfreundliches maschinelles Lernen und geben dieses Know-how an Unternehmen weiter. Unser Anspruch ist, Lösungen zu schaffen, die nicht nur technisch funktionieren, sondern auch ethisch und rechtlich abgesichert sind.
Welche technischen Lösungen oder Methoden entwickelt ihr, um Datenschutz und KI-Innovation zu verbinden? Kannst du Beispiele nennen?
Wir arbeiten an Verfahren, die Daten nutzbar machen, ohne die Privatsphäre zu gefährden. Ein Beispiel ist das Hinzufügen von „Rauschen“ zu Datensätzen: Dadurch bleiben Muster erkennbar, aber einzelne Personen sind nicht identifizierbar. Die Herausforderung besteht darin, das richtige Maß zu finden, also genug Schutz, ohne den Informationsgehalt zu verlieren.
Welche Herausforderungen gibt es aktuell bei der Umsetzung von datenschutzfreundlichen KI-Lösungen?
Neben der Technik ist das Verhalten der Menschen entscheidend. Viele IT-Systeme sind so komplex, dass Nutzer Entscheidungen zum Datenschutz oft unüberlegt treffen. Wir entwickeln Ansätze, die diese Prozesse transparenter machen und helfen, bewusstere und durchdachtere Entscheidungen zu ermöglichen.
Welche Vorteile ergeben sich für Unternehmen in Vorarlberg?
Sie erhalten Zugang zu Expertise und können gemeinsam mit uns Pilotprojekte umsetzen. Das stärkt ihre Wettbewerbsfähigkeit und bereitet sie auf die Anforderungen des europäischen Marktes vor.
Wie sieht für dich eine ‚vertrauenswürdige KI‘ im Jahr 2030 aus?
Vertrauenswürdige KI in 2030 folgt transparenten Regeln, die ethische und gesellschaftliche Werte widerspiegeln. Sie arbeitet so verlässlich im Sinne der Menschen und gibt ihnen somit Raum und Zeit für eine reflektierte und achtsame Zusammenarbeit.
Ausblick: Zusammenarbeit und Chancen für die Region
Das Transferzentrum für Privacy Engineering ist offen für Kooperationen mit Unternehmen, Organisationen und öffentlichen Stellen. Geplant sind gemeinsame Projekte, Workshops und Weiterbildungsangebote, um das Thema „vertrauenswürdige KI“ in der Region zu verankern.
Europa hat die Chance, ein globales Vorbild für KI-Innovationen zu werden – nicht trotz Regulierung, sondern dank eines klaren Rahmens, der Innovation und Grundrechte miteinander verbindet. Das Transferzentrum Privacy Engineering an der FHV will diesen Weg aktiv mitgestalten.
Über IBW/EFRE & JTF
EFRE-Mittel (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung) zielen darauf ab, die regionale Wirtschaft, Forschung und Innovation zu stärken, die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen zu erhöhen und strukturelle Unterschiede zwischen Regionen auszugleichen. Das EU-Förderprogramm für regionale Entwicklung IBW/EFRE & JTF forciert Innovation, Wachstum und Klimaschutz. Ziel ist es, nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu ermöglichen, Ressourcen-verbrauch zu reduzieren und so die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs sowie seiner Regionen langfristig zu stärken. Durch geeignete Projektförderungen soll die Produktivität gesteigert, die Nachhaltigkeit in der Wirtschaft forciert und die Lebensqualität von Menschen positiv beeinflusst werden. Mehr auf www.efre.gv.at.
Kontakt:
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Patrick JOST, BSc MA MA MSc PhD
Scientist
Forschungszentrum Human-Centred Technologies
+43 5572 792 3712
patrick.jost@fhv.at