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Vorarlberg als Vorreiterregion für E-Busse

06.05.2026
Elektrobussen gehört die Zukunft, ihr Einsatz ist jedoch komplexer als gedacht. Das Forschungsprojekt FreeE-Bus am Forschungszentrum Energie mit der illwerke vkw Stiftungsprofessur der FHV zeigt, wie ein verlässlicher und wirtschaftlicher Betrieb gelingen kann.

 

Key Take-Aways:

  • Vorarlberg ist Vorreiter: Bereits ein großer Teil der Busflotte fährt elektrisch
  • E-Busse sind kein Selbstläufer: Effizienter Betrieb erfordert präzises Zusammenspiel vieler Faktoren
  • Simulation und Optimierung sind zentral: Digitale Modelle ermöglichen realistische Planung und bessere Entscheidungen
  • Topografie wirkt doppelt: Herausforderung im Verbrauch, aber auch Effizienzpotenzial durch Rekuperation (Rückgewinnung von Energie durch Bremsen)
  • Konkreter Nutzen für Unternehmen: bessere Planung, geringere Kosten, höhere Effizienz

 

Vorarlberg nimmt im Bereich Elektrobusse eine Vorreiterrolle ein: Seit Anfang 2026 sind rund 100 E-Busse im Einsatz, bis Mitte des Jahres wächst die Flotte auf rund 140 Fahrzeuge. Das ist bereits ein bedeutender Teil des öffentlichen Busverkehrs.

Das Forschungsprojekt FreeE-Bus an der FHV untersucht gemeinsam mit mehreren Praxis- und Forschungspartnern, wie für Elektrobusse ein effizienter Betrieb im regionalen Linienverkehr möglich ist. Die Förderung erfolgt durch das europäische Programm Interreg-Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein.

Die zentrale Herausforderung liegt im Zusammenspiel der einzelnen Komponenten. „Reichweite, Ladezeiten, Fahrpläne, Topografie und Stromnetz müssen exakt zusammenpassen“, erklärt Stefan Hartmann vom Projektpartner illwerke vkw. „Nur so kann ein verlässlicher und wirtschaftlicher Betrieb gelingen.“

 

Topografie als Herausforderung und Chance

Besonders deutlich zeigt sich diese Komplexität in Regionen wie Vorarlberg. Insbesondere Steigungen haben neben anderen Faktoren einen signifikanten Einfluss auf den Energieverbrauch der Busse. Gleichzeitig können diese auch Vorteile bringen: „In topografisch anspruchsvollen Regionen erfolgt die Energierückgewinnung durch das Bremsen, das ist besonders effizient“, sagt Arne Hitz vom Projektpartner Hochschule Ravensburg-Weingarten.

 

Simulation und Optimierung sparen Kosten

Um die Zusammenhänge besser zu verstehen, bildete das Forschungsteam die Busumläufe digital nach. „Mithilfe von Simulationen und Optimierungen lässt sich berechnen, wie sich der Ladezustand ändert und wann am besten mit welcher Leistung geladen werden soll. Verkehrsunternehmen erhalten damit eine wichtige Grundlage für ihre Betriebsplanung“, hebt Klaus Rheinberger, Projektleiter im Forschungszentrum Energie an der FHV, den Nutzen hervor.

Für das Laden sind neben Infrastrukturthemen auch Themen wie die leistungsabhängigen Netzkosten und die Strompreise relevant. „Diese betriebswirtschaftlich zu optimieren ist eine komplexe Aufgabe, bei der Hochschulen ihr Knowhow einbringen können“, erläutert Christian Eugster vom Projektpartner E-VO eMobility.

 

Öffentlich zugängliche Lösung

Die FHV koordiniert das Projekt als leitende Projektpartnerin und entwickelt Modelle, die das Energiesystem einer E-Bus-Flotte möglichst realitätsnah abbilden. „Es gibt deutlich größere Spielräume im Betrieb als oft angenommen“, resümiert Rheinberger. Die entwickelten Open-Source-Lösungen stehen interessierten Unternehmen zur Verfügung und ermöglichen auch den Einsatz in anderen Bereichen, etwa bei elektrischen LKW-Flotten.

Neben den technischen Erkenntnissen verdeutlichte das Projekt, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Praxis ist. „Vor allem durch die Kombination aus realen Betriebsdaten und wissenschaftlichen Methoden entstehen Lösungen, die im Alltag funktionieren“, betont Hartmann.

 

Mehrwert für Region und Verkehr der Zukunft

Für die Region bringt das Forschungsprojekt FreeE-Bus einen klaren Mehrwert: Verkehrsunternehmen planen ihre Flotten besser, nutzen die Energie effizienter und schätzen die Kosten realistischer ein. Gleichzeitig entwickelt sich der öffentliche Verkehr Schritt für Schritt zu einem klimafreundlichen und zukunftsfähigen Mobilitätssystem.

 

Kontakt

Mitarbeiterfoto von Rheinberger Klaus. | © Nina Bröll / FHV


Klaus Rheinberger
Senior Lecturer
Forschungszentrum Energie

+43 5572 792 3811
klaus.rheinberger@fhv.at