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Wenn KI Pflegekräfte unterstützt, aber nicht ersetzt

15.09.2026
Ein grenzüberschreitendes Forschungsprojekt der FHV zeigt, wie Künstliche Intelligenz in einem der sensibelsten Lebensbereiche verantwortungsvoll eingesetzt werden kann.

 

Key-Takeaways:

-       KI unterstützt, der Mensch entscheidet: Verantwortungsvolle KI ergänzt fachliche Expertise, ersetzt sie aber nicht.

-       Gemeinsam entwickelt, praxisnah umgesetzt: Anwender:innen gestalten die Technologie aktiv mit und erhöhen so ihre Akzeptanz und Wirksamkeit.

-       Mehr Zeit für das Wesentliche: Digitale Assistenz entlastet bei Routineaufgaben und schafft Freiräume für die Arbeit mit Menschen.

 

Künstliche Intelligenz verspricht effizientere Prozesse und Entlastung bei Routinetätigkeiten. Gerade in der Pflege stellt sich jedoch eine zentrale Frage: Wie kann KI unterstützen, ohne die Verantwortung von Fachkräften zu ersetzen?

Dieser Frage widmet sich das von Interreg-ABH geförderte Forschungsprojekt ADOPI („Arbeitsunterstützung in der Dokumentation von Pflegeinterventionen“) unter der Leitung der FHV. Gemeinsam mit Partnern aus Österreich und Deutschland entwickeln die Forschenden digitale Assistenzsysteme, die Pflegekräfte bei Dokumentationsaufgaben unterstützen und gleichzeitig die fachliche Entscheidungsfreiheit bewahren.

„Die eigentliche Frage ist nicht, ob KI in der Pflege eingesetzt werden kann. Die Frage ist, wie gestalten wir KI, dass sie Pflegefachpersonen unterstützt und nicht ersetzt“, betont Projektleiter Philipp Lizat vom Forschungszentrum Human-Centred Technologies der FHV.

 

Mehr Zeit für die Arbeit mit Menschen

Dokumentation ist unverzichtbar für Qualitätssicherung und Nachvollziehbarkeit pflegerischer Maßnahmen, nimmt jedoch viel Zeit in Anspruch. Die Untersuchungen im Projekt zeigen, dass 84 Prozent der befragten Pflegefachkräfte täglich bis zu einer Stunde für Leistungsnachweise aufwenden. Hinzu kommen unterschiedliche Dokumentationssysteme, die parallele Nutzung von Software, Papierformularen und Notizen sowie die laufende Aktualisierung von Pflegeplänen.

Diese Herausforderungen bildeten den Ausgangspunkt für die Entwicklung digitaler Unterstützungslösungen. Ziel ist es, Prozesse zu vereinfachen, die Konsistenz der Dokumentation zu verbessern und Pflegefachkräfte zu entlasten.

 

Vertrauenswürdige KI entsteht gemeinsam mit den Anwender:innen

Ein zentrales Merkmal des Projekts ist sein menschenzentrierter Ansatz. Pflegefachkräfte wurden von Beginn an aktiv in die Entwicklung eingebunden. Ihre Erfahrungen und Anforderungen flossen direkt in die Gestaltung der Softwarelösungen ein.

Auch die entwickelte Pflegeplanassistenz folgt diesem Prinzip. Das System nutzt Methoden der Künstlichen Intelligenz, um Informationen aufzubereiten und Vorschläge zu generieren. Die Entscheidung selbst bleibt jedoch jederzeit beim Menschen. Die Forschenden setzen bewusst auf eine sogenannte „Human-in-the-Loop“-Architektur: Die KI unterstützt, strukturiert und empfiehlt, übernimmt aber keine Verantwortung für pflegerische Entscheidungen.

„Pflegemaßnahmen betreffen immer Menschen. Deshalb muss die letzte Entscheidung auch beim Menschen bleiben“, so Philipp Lizat.

 

Modell für den verantwortungsvollen KI-Einsatz

Neben der Entwicklung neuer Software liefert ADOPI wichtige Erkenntnisse darüber, wie KI in sensiblen Bereichen gestaltet werden kann: transparent, nachvollziehbar und unter menschlicher Kontrolle. Die enge Zusammenarbeit von Pflegepraxis, Forschung und Softwareentwicklung schafft Vertrauen und ermöglicht Lösungen, die sich an den realen Bedürfnissen der Anwender:innen orientieren. 

Damit reicht die Bedeutung des Projekts weit über die Pflegedokumentation hinaus. ADOPI zeigt exemplarisch, wie vertrauenswürdige KI entstehen kann: nicht als Ersatz für menschliche Expertise, sondern als Werkzeug, das Menschen in ihrer Arbeit unterstützt.

 

Kontakt:

Mitarbeiterfoto von Lizat Philipp | © FHV & Nina Bröll


Philipp LIZAT, BA
Studentischer Mitarbeiter Forschung

+43 5572 792 3724
philipp.lizat@fhv.at