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Same drive, different stage: Vom Skydiver zum Zukunftsmanager

11.05.2026
Bis 2022 war Felix Seifert im Red Bull Skydive Team auf Top-Niveau unterwegs: Weltmeister 2012 sowie Weltcup-Sieger 2012 und 2013. Nach rund 10.000 Sprüngen wechselte der Harder vom Spitzensport ins Studium der Internationalen Betriebswirtschaft an der FHV.
Du warst Extremsportler im Sky Dive Team von Red Bull. Was hat das Studium an der FHV mit deiner Sportkarriere gemeinsam?

Felix Seifert: Mehr als man auf den ersten Blick denkt. Beides war ein langfristiges Projekt, bei dem es weniger auf den einzelnen großen Moment ankam als darauf, dranzubleiben, wenn es unbequem wurde. Und beides hat mir klargemacht, dass Einschätzungsvermögen wichtiger ist als Mut. Beim Skydiving gibt es einen Satz, der mich lange begleitet hat: Die besten Skydiver sind nicht die mutigsten, sondern die, die am häufigsten Nein sagen. Im Studium neben dem Beruf läuft es ähnlich. Man muss wissen, wann man Gas gibt und wann man Pause macht, sonst bricht man irgendwo auf der Strecke ein. Strukturiert bleiben, Prioritäten sortieren, Plan B in der Schublade haben. Das Grundprinzip ist dasselbe.
 

Wie kam es, dass deine Wahl auf den Bachelor in Internationale Betriebswirtschaft an der FHV gefallen ist?

Felix Seifert: Nach sieben Jahren Profisport und dem Karriereende 2022 war klar, dass ich ein fachliches Fundament haben will, auf dem ich den nächsten Abschnitt bauen kann. Kein reines Umschulungsprogramm, sondern etwas mit Substanz und internationaler Ausrichtung. Die FHV hatte das Format, das zu meiner Situation gepasst hat – berufsbegleitend, inhaltlich breit, nah dran an der Region, in der ich arbeite und lebe. Ich wollte weder pendeln müssen noch ein reines Fernstudium, bei dem man am Ende Namen und Gesichter nicht kennt.
 

Wie lautet dein persönlicher Rückblick auf das berufsbegleitende Bachelorstudium Internationale Betriebswirtschaft?

Felix Seifert: Anstrengend und lohnend, in dieser Reihenfolge. Anstrengend, weil berufsbegleitend bedeutet, dass man mit Job, Studium und Privatleben drei Spielfelder gleichzeitig beackert und irgendwo immer eines zu kurz kommt. Lohnend, weil ich in den letzten Jahren so viel über Unternehmen, Märkte und mich selbst gelernt habe, wie selten davor. Ich gehe mit einem anderen Blick in Meetings und Projekte als noch vor drei Jahren. Nicht, weil ich jetzt alles weiß, sondern weil ich besser weiß, was ich frage, wenn mir etwas nicht klar ist.
 

Wie gut waren Job und Studium zu vereinbaren?

Felix Seifert: Machbar, aber nichts geschenkt. Bei der Werbeagentur BAP und jetzt bei FHE Gastro hatte ich jeweils Arbeitgeber, die mitgezogen haben. Ohne das wäre es deutlich härter geworden. Das Format der FHV ist auf Berufstätige zugeschnitten, das merkt man. Trotzdem gab es Phasen, in denen parallel Prüfungen, Projekte und Tagesgeschäft aufeinandertrafen, und dann war der Wochenplan durchgetaktet bis in die Abende. Was geholfen hat: sauber planen, realistisch einschätzen, was in einer Woche reingeht und auch mal aushalten, dass nicht alles gleichzeitig Bestnote wird.
 

Gab es ein Highlight im Studium?

Felix Seifert:
Ja, der Auslandsaufenthalt in Indien, zusammen mit dem angehängten Urlaub in Sri Lanka. Wir waren mit unserem Jahrgang wirklich gut besetzt. Leute, mit denen man zwei Wochen auf engem Raum aushält und die zielstrebig und konsequent arbeiten (und trotzdem Humor mitbringen). Thematisch ging es vor allem um interkulturelle Kompetenz – also darum, wie sich Mentalität, Kommunikationsstil und Arbeitsweise unterscheiden, sobald man die europäische Komfortzone verlässt. Was im Lehrbuch unter "Kulturdimensionen" steht, bekommt eine andere Schärfe, wenn man zwei Wochen mittendrin ist, in Gesprächen, die anders getaktet sind, in Entscheidungswegen, die anders laufen, in einer Höflichkeitsform, die man erst lesen lernen muss.
 

Was waren besondere Herausforderungen im Studium?

Felix Seifert:
Zwei. Die erste: Der Übergang vom Profisport ins Studium. Ich war es gewohnt, dass Training und Wettkampf eine klare Taktung haben. Man weiß, wann man bereit sein muss. Im Studium musste ich lernen, mir die Taktung selbst zu setzen, weil niemand sonst sie mir vorgibt. Die zweite: Die Bachelorarbeit parallel zu Vollzeitjob und Familienleben. Das ist kein Sprint, das ist ein Marathon mit Tempowechseln, und man merkt schnell, welche Routinen tragen und welche nur so lange halten, als dass nichts dazwischenkommt.
 

Mit welchem Thema beschäftigst du dich in der Bachelorarbeit?

Felix Seifert:
Mit der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) Berichterstattung und Nachhaltigkeitskommunikation in Vorarlberger Unternehmen. Die CSRD (die europäische Nachhaltigkeitsberichterstattungs-Richtlinie) zwingt Unternehmen, ihre nicht-finanzielle Performance transparent zu machen. Mich hat die Frage interessiert, wie Unternehmen in Vorarlberg mit diesem Druck umgehen: Wer nimmt das als echte Transformationschance, wer versucht, möglichst elegant durchzukommen, und wo entsteht dazwischen das, was in der Literatur "Aspirational Talk" heißt. Also eine Kommunikation, die mehr verspricht, als das Unternehmen tatsächlich leistet. Ich habe dafür mit Nachhaltigkeitsverantwortlichen aus der Region Interviews geführt und qualitativ ausgewertet.
 

Wie siehst du deine persönliche "Transformation" vom ehemaligen Extremsportler zum Projektmanager Digitalisierung und Organisationsentwicklung bei der FHE Gastro?

Felix Seifert:
Ehrlich gesagt fühlt es sich weniger nach Transformation an als nach Verlängerung mit anderen Mitteln. Im Sport habe ich gelernt, in komplexen Situationen einen kühlen Kopf zu behalten, Systeme zu verstehen und mit Menschen zusammenzuarbeiten, bei denen die Abstimmung sitzen muss. Genau das mache ich heute nur eben in einem "sicheren Büro". Die Bühne ist eine andere, das Grundhandwerk ist ähnlicher, als man von außen denken würde. Was sich verändert hat: Ich arbeite jetzt in Zeithorizonten, die nicht mehr in Sekunden gemessen werden. Das ist eine eigene Umstellung, die mir manchmal länger gedauert hat, als sie sollte.
 

Wie sind deine Pläne nach dem Studium?

Felix Seifert:
Erstmal durchatmen und im August 2026 auf Hochzeitsreise, die ist fest gebucht und kommt vor allem anderen. Im September geht es dann schon weiter: Ich starte an der FHV den Master Internationale Betriebswirtschaft – Zukunftsfähiges Management mit der Vertiefung People, Organisation & Transformation. Das Thema passt perfekt zu dem, was ich bei FHE mache und ich will das fachlich sauberer unterfüttern, bevor die Praxis mich komplett einnimmt.
 

Was möchtest du abschließend noch sagen?

Felix Seifert:
Wer einen zweiten Bildungsweg überlegt und zögert, weil er denkt, er sei zu alt, zu eingespannt oder zu weit weg vom Schulstoff ... das ist in den meisten Fällen vorgeschoben. Das Studium hat mir gezeigt, dass der Einstieg härter klingt, als er ist, wenn man einmal drin ist. Und die FHV macht es einem in der Hinsicht angenehmer als die meisten anderen Hochschulen.


Vielen Dank für das Gespräch.



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