Vom Studium in den Familienbetrieb
05.02.2026
In ihrer Masterarbeit, die im Rahmen des Forschungsprojekts „Why not?“ entstand, setzte sich Madalena Klauser intensiv mit der Frage auseinander, warum immer weniger Nachfolger:innen Tourismusbetriebe übernehmen. Im Interview spricht sie über den Mehrwert ihres Studiums, ihre Aufgaben im Hotelalltag und darüber, was es für eine gelungene Betriebsnachfolge in der Hotellerie braucht.
Du hast an der FHV den Bachelor in Internationale Betriebswirtschaft abgeschlossen und anschließend den Master in International Marketing & Sales absolviert. Wie hilft dir das Studium im heutigen Arbeitsalltag?
Magdalena Klauser: Gerade der Master hat meinen Werkzeugkoffer im Marketingbereich deutlich erweitert und mir zusätzliche Tools vermittelt, die ich heute im täglichen Betrieb einsetze. Besonders spannend war der internationale Aspekt. Ich habe im Studium an der FHV viel Neues mitgenommen.
Du führst gemeinsam mit deinem Mann den Damülser Hof. Wie ist eure Übernahme verlaufen?
Magdalena: Mein Mann hat den Betrieb seiner Eltern übernommen und nun führen wir das Hotel gemeinsam. Unsere Übergabe hat sehr gut funktioniert, weil wir frühzeitig mit der Planung begonnen und stets offen miteinander kommuniziert haben. Das ist bis heute so. So, wie wir seine Eltern vor der Betriebsübernahme unterstützt haben, stehen sie nun auch uns weiterhin zur Seite.
Für welche Bereiche im Hotel bist du zuständig?
Magdalena: Die Aufgaben sind vielfältig, der Alltag bietet jeden Tag neue Herausforderungen. Ich bin für die Abläufe an der Rezeption und im Service zuständig sowie für die Administration im Büro. Außerdem gibt es immer wieder neue Projekte, die geplant und umgesetzt werden. Generell sind wir als Familie aktiv ins Tagesgeschäft eingebunden. Das bereitet mir große Freude. Besonders wichtig ist mir dabei die Nähe zu Mitarbeitenden und Gästen. So kann ich rasch auf Anliegen reagieren und alle motivieren, ihr Bestes zu geben.
Wie kam die Kooperation mit dem Forschungsprojekt „Why not?“ der Universität Innsbruck zustande?
Magdalena: Bereits im dritten Semester meines Bachelorstudiums habe ich gemeinsam mit Alexander Plaikner, Senior Lecturer an der Universität Innsbruck am Institut für Strategisches Management, Marketing und Tourismus und Dozierender an der FHV, ein Projekt umgesetzt. Danach habe ich meine Bachelorarbeit bei ihm verfasst und schon während dieser Zeit war für mich klar, dass ich auch meine Masterarbeit bei ihm schreiben würde. Auch diese konnte ich mit einem Forschungsprojekt verknüpfen. „Why not?“ beschäftigt sich mit der Übergabe von Beherbergungsbetrieben. Zu meinen Aufgaben zählten die Erarbeitung des theoretischen Rahmens und im Team haben wir die Befragungen der Interviewpartner:innen durchgeführt. Nach der Transkription habe ich die Analyse vorgenommen und diese wurde als Grundlage für das Projekt verwendet.
Welches sind die zentralen Ergebnisse der Forschungsarbeit?
Magdalena: Deutlich wurde, dass viele jüngere Personen, die als potenzielle Übernehmer:innen in Frage kommen, vor erheblichen Herausforderungen stehen. Diese betreffen sowohl Faktoren außerhalb der Familie – etwa finanzielle Hürden oder organisatorische Schwierigkeiten – sowie auch insbesondere interfamiliäre Konflikte. Dazu zählen das oft schwierige Loslassen der Eltern sowie eine fehlende Work-Life-Balance, die sich in dieser Branche zunehmend bemerkbar macht.
Was sind deine Empfehlungen an Nachfolger:innen und Übergeber:innen von Tourismusbetrieben?
Magdalena: Essenziell ist es, frühzeitig mit der Planung zu beginnen. Eine Betriebsübergabe betrifft in der Regel die gesamte Familie und sollte daher möglichst früh vorbereitet werden, um unvorhergesehene Verzögerungen zu vermeiden. Ebenso unverzichtbar ist eine offene Kommunikation innerhalb der Familie. Eltern und Kinder sollten regelmäßig im Austausch stehen und bei Bedarf auch externe Beratung in Anspruch nehmen.
Vielen Dank für das Interview.
Das Forschungsprojekt „Why Not? Übernahmeszenarien aus Sicht der Nachfolger:innen“ zeigt, warum junge Menschen trotz Tradition, Verbundenheit und emotionaler Nähe zur Branche zögern – und welche Bedingungen neue Perspektiven für erfolgreiche Übergaben schaffen. Die Ergebnisse liefern erstmals einen tiefen Einblick in strukturelle, emotionale und wirtschaftliche Hürden sowie in innovative Wege, wie die Zukunft der Tourismusbetriebe gesichert werden kann. Weitere Infos zum Forschungsprojekt „Why not?“ gibt es hier.