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Zahlen, die Geschichten erzählen

11.02.2026
Internationaler Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft: Natalia Burkina im Portrait.
 
Am 11. Februar ist der Internationale Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft. Aktuell sind an der FHV 35 Prozent der Forschenden Frauen (in Zahlen pro Kopf). Sie leisten einen bedeutenden Beitrag zur wissenschaftlichen Entwicklung und prägen maßgeblich die Arbeit in den Forschungszentren und -gruppen. Stellvertretend für die Forscherinnen an der FHV gibt die Geschichte von Natalia Burkina vom Forschungszentrum Business Informatics einen Einblick in ihre Arbeit. Als Data Scientist nutzt sie Logik, Zahlen und Machine Learning, um komplexe Probleme unter unsicheren Bedingungen verständlich zu machen und ermöglicht dadurch robuste Entscheidungen.
 
 

Wissenschaft, die wirkt

Von der Ukraine nach Vorarlberg: Data Scientist Natalia Burkina forscht an Methoden, die Unternehmen helfen, unter Unsicherheit bessere Entscheidungen zu treffen. Mathematik, Wirtschaft und Machine Learning bilden dafür die Grundlage. Märchenbücher mochte sie als Kind weniger, logische Aufgaben und Denkspiele dafür umso mehr. „Zahlen erzählen Geschichten, vom Chaos bis zur Struktur. Entscheidend ist, sie richtig zu lesen,“ erläutert Natalia ihre Leidenschaft zu ihrem Beruf. Sie studierte am physikalisch‑mathematischen Gymnasium, lehrte und forschte im Bereich Business Analytics und kam über das Krisenunterstützungsprogramm „Ukrainian Scientists in CDG Research Units“ der Christian Doppler Forschungsgesellschaft nach Vorarlberg.
 
Geprägt von einem „außergewöhnlichen“ Mathematiklehrer, der mehr als Mentor und weniger als Lehrender fungierte und einer Familie, in der Wissenschaft Alltag war, wurde aus Leidenschaft Beruf: Mathematik, Business Analytics und Machine Learning.
 
Im Josef Ressel Zentrum für robuste Entscheidungen am Forschungszentrum Business Informatics der FHV arbeitet sie im Team von Michael Hellwig daran, Analytics‑, Machine‑Learning‑ und Optimierungsansätze für ESG‑relevante Szenarien zu entwickeln – von belastbaren Geschäftsmodellen bis zu Risikoanalysen. Eine prägende Erfahrung war die Integration der CO₂‑Bepreisung in Stresstests des österreichischen Bankensektors.
Zusammenfassend sagt sie: „Mathematik schafft Klarheit, Wirtschaft stellt die richtigen Fragen, und Programmierung setzt Modelle in funktionierende Anwendungen um. Am Ende geht es nicht darum, die Zukunft exakt vorherzusagen, sondern Entscheidungen robuster zu machen.“
 
 

Robuste Entscheidungen im Alltag

Wie eng Data Science und Alltag verbunden sind, zeigt für sie eine private Situation besonders deutlich: Als ihre Tochter eine Atemallergie entwickelte, wurde aus einer Belastung eine datenbasierte Fragestellung. Welche Maßnahmen wirken wirklich? Wie lassen sich Luftreiniger, Klimageräte und Lüftungsrhythmen so steuern, dass die Belastung sinkt und der Energieverbrauch niedrig bleibt? „Solche Situationen zeigen, wie wichtig robuste Entscheidungen sind“, sagt Natalia. „Es geht nicht um die perfekte Vorhersage, sondern darum, trotz Unsicherheit verantwortungsvoll handeln zu können.“
 
 

Lehre, die Türen öffnet

Parallel zur Forschung lehrt Natalia Operations Research im Bachelor Internationale Betriebswirtschaft. Der Kurs ist bewusst praxisnah gestaltet. „Wir nennen den Kurs: ‘Unlocking Business Potential: The Strategic Power of Operations Research’. Studierende arbeiten an Fallstudien und erleben, wie aus trockenen Zahlen Strategien werden. Data Science ist kreativ, das überrascht viele.“
 
 

Neugier als roter Faden

Wissenschaft ist für sie auch Teil der Familienkultur. Ihre Tochter programmierte früh Roboter und baute elektronische Modelle. „Kinder brauchen vor allem Neugier, kein Vorwissen. Wer fragt und ausprobiert, ist bereits mitten in der Wissenschaft“, sagt Natalia. Mädchen in der Wissenschaft ermutigt sie, „keine Angst vor Komplexität zu haben“.
 
 

Vorarlberg als Forschungsstandort

Beruflich und wissenschaftlich schätzt sie Vorarlberg für seine praxisorientierte, innovative Arbeitskultur sowie die kurzen Wege zur Wirtschaft: „Hier entstehen Lösungen, die wissenschaftlich fundiert und praktisch relevant sind. Vorarlberg ist für mich ein Ort, an dem man nicht nur arbeitet und forscht, sondern sich persönlich weiterentwickeln und wirklich zuhause fühlen kann.“ Für sie verbindet der Standort Natur, Verlässlichkeit und Innovationsfreude. Und er erlaubt, was ihr wichtig ist: Wissenschaft, die relevant ist – im Unternehmen, im Alltag und für die nächste Generation.