„Ich versuche, meine Träume zu verwirklichen – egal ob ich dafür länger brauche und es Umwege gibt.“ – Diese Devise, aber auch eine große Portion Mut, Neugierde und Eifer ermöglichen es Theresa Bischof, ihren Weg zielstrebig zu verfolgen. Bereits während ihres Bachelorstudiums an der FHV ergatterte sie einen der gefragten Plätze für ein Auslandssemester an der Harvard University. Für ihren Master zog es die 30-Jährige an das Imperial College nach London, aktuell ist sie im Rahmen ihres PhD-Studiums in Neuseeland an der University of Auckland und bringt sich dort in einem Startup-Unternehmen mit ihrer Expertise, ihren innovativen Ideen und ihrer Begeisterung für Technik ein.

Name, Alter: Theresa Bischof, 30
Beruf, Unternehmen: PhD Mechanical Engineering (University of Auckland),
Senior R&D Specialist (Neocrete)
Studium, Abschluss: BSc Mechatronik – Maschinenbau (FHV, 2016), MSc Fluid Mechanics (Imperial College London, 2018), PhD Mechanical Engineering (University of Auckland, aktuell)

Was fasziniert dich an deinem Beruf bzw. an der Technik und was würdest du gerne ändern?

Ich liebe es, etwas Neues zu entwickeln, über die Grenzen hinauszudenken, daran zu feilen, wenn etwas nicht funktioniert – diese emotionalen Auf und Abs, die die Forschung mit sich bringt. Die Intention, der Umwelt zu helfen, verbindet alle meine Projekte. Aktuell leite ich ein Forschungs- und Entwicklungsteam in einem Startup in Neuseeland. Unser Ziel ist es, Kohlenstoffemissionen in Beton zu reduzieren, indem Zement durch Puzzolane (Vulkanische Asche) ersetzt wird. Es motiviert mich, wenn ich mit meinen technischen Erfindungen etwas Gutes tun kann.

Ich würde mir wünschen, dass es einfacher ist, innovativ zu sein – gerade die Branchen Beton und Konstruktion sind häufig sehr konservativ. Es anders oder neu zu machen, ist schwer. Außerdem ist leider „Frauen in der Technik“ immer noch ein Thema. Ich war die erste Frau im Studiengang Mechatronik – Maschinenbau an der FHV und es war nicht einfach, mich zum Beispiel zu positionieren, Freundschaften zu schließen oder Arbeit zu finden.

Hattest du während des FHV-Studiums ein konkretes berufliches Ziel?

Mit 14 habe ich herausgefunden, dass ich ein spezielles Gedächtnis für dreidimensionale Vorstellungen habe, mein damaliger Lehrer motivierte mich, in die Technik zu gehen. Technik war schon immer meine Leidenschaft, obwohl ich häufig negatives Feedback von Männern bekam. Nach der Lehre als Konstrukteurin beim international tätigen Verpackungshersteller Alpla begann ich mein Studium an der FHV. Mein Professor Jörg Petrasch inspirierte und unterstützte mich, den Weg in Richtung Strömungslehre und Energiespeicherung einzuschlagen. Die Strömungslehre ist ein solch komplexes Gebiet mit vielen unbeantworteten Fragen – das hat mich umso mehr interessiert. Außerdem finde ich die Aspekte Natur und Wasser einfach kraftvoll. Ein konkretes berufliches Ziel hatte ich nicht, aber ich steckte mir meine akademischen Ziele höher.

Wie definierest du beruflichen Erfolg?

Mir macht es Freude, wenn ich meine Erfahrungen und Expertise an andere weitergeben kann. Wenn Studierende oder Team-Mitglieder zu mir kommen und von mir lernen möchten, weiß ich, dass ich es gut mache.

Worauf bist du besonders stolz?

Wahrscheinlich darauf, dass ich sehr selbständig bin. Ich bin bereits in jungen Jahren allein in andere Länder gezogen, habe mir ein soziales Umfeld aufgebaut, mich der jeweiligen Kultur angepasst, Fremdsprachen gelernt, obwohl ich Legasthenikerin bin usw. Ich glaube, dabei bin ich am meisten gewachsen. Außerdem bin ich stolz, dass ich immer noch gleich bescheiden bin wie mit 15. Ich sehe jeden Menschen als gleichwertig, für mich haben Titel oder beruflicher Erfolg keine Wichtigkeit – das macht nicht die Persönlichkeit aus.

Welche Skills gewinnen deiner Meinung nach künftig an Bedeutung? Was möchtest du jungen Menschen mitgeben?

Ich glaube, dass es weniger um die besten Noten und Abschlüsse geht, sondern vor allem um soziale Kompetenzen. Außerdem habe ich in Neuseeland gelernt, relaxter zu sein. Gerade in Vorarlberg arbeiten viele sehr hart, haben hohen Stress, oft bis zum Burnout. Die Menschen in Neuseeland arbeiten auch viel, aber alles ist langsamer, relaxter. Ich denke, hin und wieder ist es wichtig, sich mehr Zeit zu nehmen und die Dinge entspannter zu sehen. Jungen Menschen lege ich ans Herz, etwas zu machen bzw. zu suchen, das sie wirklich begeistert. Dann ist auch das Studium einfacher. Es ist nicht schlimm, wenn man mal scheitert – einfach nicht bremsen lassen und aufgeben. Außerdem sollten sie keine Angst haben, etwas zu verändern.

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